» Artikel » Reviews » Wärmeleitpasten-Roundup V2

Wärmeleitpasten-Roundup V2


Einleitung

In diesem Vergleich werden die Wärmeleitpasten GELID GC-1, Coolink Chillaramic und Noctua NT-H1 auf ihre Kühlleistung untersucht. Ausserdem haben wir ein Sample des T-C Grease 0098 des Amerikanischen Herstellers TIM Consultants erhalten und getestet. Was wir im intensiven Temperaturtest über die Wärmeleitpasten herausfinden konnten und wie sich diese Kandidaten im Vergleich mit dem Testsieger aus dem letzten Roundup, dem Arctic Cooling MX-2, schlagen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Vorwort

In unserem letzen Wärmeleitpasten-Roundup zeigte sich bereits, dass die erhaltenen Messwerte äußerst nahe beieinander lagen. Deshalb entschieden wir uns, für diesen Vergleich die Testkandidaten sehr viel ausführlicher und genauer zu untersuchen. Wie bereits im letzten Roundup erwähnt, schnitt die Noctua NT-H1 Paste schlechter als erwartet ab. Von Noctua wurde uns ein weiteres Sample zugestellt, welches nun in diesem Roundup vorgestellt wird.

Noctua NT-H1
Die NT-H1 Wärmeleitpaste ist in einem Plastikblister verpackt und mit einem aufwändig bedruckten Karton hinterlegt. Auf der Rückseite sind einige Details zum Produkt und eine kurze Bedienungsanleitung in Bildern zu sehen.
Die Tube enthält 2,49 Gramm des NT-H1.
Beim Auftragen der Paste zeigt sich bereits deutlich, dass sich das neue Sample vom Sample des letzten Roundups unterscheidet. Das NT-H1 lässt sich nach wie vor problemlos dosieren und verteilen, die Konsistenz ist aber trockener und luftiger als bei unserem letzten Sample. Das Auftragen der Paste fällt etwas leichter als im letzten Roundup und die resultierende Schicht auf dem Prozessor ist sehr eben und gleichmäßig.

GELID GC-1
GC-1 ist die erste Wärmeleitpaste, die von der noch jungen Firma GELID Solutions in Rennen geschickt wird. Das Produkt ist in einem Plastikblister eingeschweißt und mit einem aufwändig bedruckten Karton hinterlegt. Auf der Rückseite befinden sich neben einer Produktbeschreibung auch Kommentare aus Reviews sowie eine kleine Grafik, nach der die Paste bessere Werte erreicht als das altbewährte Arctic Silver 5.
GELID legt einen Spachtel zum Verteilen der Paste bei.
Die Spritze ist, ähnlich wie diejenige des Zerotherm ZT-100, mit einem Gummideckel versehen, der sich sehr leicht entfernen und wieder anbringen lässt. Es sind 5 Gramm der Paste enthalten, verhältnismäßig viel für Wärmeleitpasten.
Das GC-1 lässt sich gut dosieren. Die hellgraue Paste ist verhältnismäßig flüssig und ist einfach zu verteilen. Eine wirklich saubere Beschichtung gelingt uns mit dem Mitgelieferten Spachtel allerdings nicht. Mit unserer eigenen Methode, einen improvisierten Spachtel aus einem Plastikblister auszuschneiden, gelingt uns nach wie vor die sauberste Applikation.

Coolink Chillaramic
Das Chillaramic ist eine Neuerscheinung von Coolink, welche mit keramischen Nanopartikeln für eine besonders gute Wärmeübertragung sorgen soll. Auf der Rückseite der auffälligen Kartonschachtel ist eine Produktebeschreibung zu finden.
Die recht große Spritze enthält ganze 10 Gramm des Chillaramic. Laut Verpackungsangaben reicht dies für mindestens 30 Applikationen aus.
Das weiße und verhältnismäßig feuchte Chillaramic lässt sich sehr gut dosieren. Optisch und beim Verteilen verhält es sich sehr ähnlich wie das im letzten Roundup getestete Thermalright Thermal Paste: Auch hier ist es etwas schwierig, eine wirklich gleichmäßige Verteilung zustande zu bringen.

TIM Consultants T-C Grease 0098
Vom in Europa noch weitestgehend unbekannten Hersteller TIM Consultants (TIM steht für thermal interface material = Wärmeleitpaste), haben wir ein Sample des T-C Grease 0098 zugestellt bekommen. Hier ist die 2,5 Gramm enthaltende Spritze dieser Wärmeleitpaste zu sehen. Für passionierte PC-Umbauer oder Overclocker ist einer der Vorteile von TIM Consultants, dass die Wärmeleitpaste in verschiedenen Mengen bis zum 2 Kilogramm-Container verkauft wird.
Diese Wärmeleitpaste ist aus der Spritze perfekt dosierbar. Leider ist es aber nahezu unmöglich, die Paste zu einer sauberen Schicht zu verteilen.
Das T-C Grease 0098 haftet am Spachtel besser als an der metallenen Oberfläche. Auch der Versuch mit einem anderen Spachtel brachte keine besseren Resultate. Hier empfehlen wir deshalb, die Paste aus der Spritze etwas auf der Kühlfläche zu verteilen und den Rest dem Anpressdruck des CPU-Kühlers zu überlassen.
Arctic Cooling MX-2
Der Testsieger aus dem letzten Roundup, das Arctic Cooling MX-2 ist auch hier wieder dabei um eine gewisse Vergleichbarkeit mit dem letzten Test zu ermöglichen. Allerdings ist diese Vergleichbarkeit nur sehr eingeschränkt gültig, da wir mit einem neuen Testsystem und neuen Testmethoden arbeiten.

Testsystem und Testverfahren

Das Testsystem besteht aus einem offenen Aufbau, damit Einflüsse von anderen, sich im Gehäuse erwärmenden Komponenten minimiert werden können. Folgende Hardware kommt zum Einsatz:

- Q6600 @ Standardtakt 2,4 GHz
- Asus P5E WS Pro Mainboard (X38)
- 2x2 GiB OCZ Gold Edition Arbeitsspeicher
- Foxconn 9600 GT
- Corsair HX 620 Watt Netzteil
- Thermalright Ultra 120 eXtreme CPU-Kühler
- Scythe S-FLEX SFF21E Lüfter
- mCubed T-Balancer bigNG (misst und zeichnet die Temperaturen auf)

Im letzten Wärmeleitpasten Roundup hat sich gezeigt, dass die Unterschiede zwischen einzelnen Wärmeleitpasten so gering ausfallen, dass wir sie mit unserem bisherigen Testverfahren kaum erfassen können. Deshalb wurden einige Änderungen am Testverfahren vorgenommen, um eine höhere Genauigkeit zu ermöglichen.
Wichtigste Änderung ist die genauere Erfassung der Umgebungstemperatur. Dazu wurden vier analoge Temperatursensoren am Lüfter angebracht. Die Sensoren wurden für eine höhere Genauigkeit mit präzisen Digitalsensoren kalibriert.
Wegen der Erwärmung der Heatpipes des Mainboards fließt über den unteren Bereich des Lüfters etwas wärmere Luft als weiter oben. Durch die Messung der Temperatur an den vier Eckpunkten und das Errechnen des Durchschnittes bekommen wir eine recht genaue Vorstellung davon, wie warm die vom Lüfter angesogene Luft tatsächlich ist.
Das grösste Problem bei den Messungen stellt die sehr grobe Auflösung der internen Sensoren der CPU dar: Diese geben alle Werte nur in Schritten von einem Kelvin an. Dies und die Tatsache, dass es sich bei einem Prozessor nicht um eine permanente Hitzequelle handelt, führt dazu, dass die ausgegebenen Temperaturen während eines Testlaufs recht stark schwanken. Oben sehen wir einen Ausschnitt von 5 Minuten voller Belastung. Die drei verschiedenen Farben zeigen die Temperaturverläufe von drei Durchgängen mit derselben Wärmeleitpaste. Üblicherweise werden bei Temperaturtests die Maximaltemperaturen angegeben. Wie hier aber ersichtlich ist, ist die Maximaltemperatur zwar in jedem Lauf die selbe, die tatsächliche Temperatur oder Durchschnittstemperatur unterscheidet sich aber deutlich. Das lässt sich einfach daran erkennen, dass sich die blaue Linie die meiste Zeit zwischen 48 und 50 Grad befindet, während die grüne Linie zwischen 49 und 51 Grad schwankt.
Im Testlauf werden alle vier Kerne mit dem Everest-Stabilitätstest ausgelastet. Auf der oberen Grafik sehen wir den Temperaturverlauf bei voller Auslastung über einen Zeitraum von 25 Minuten. Es lässt sich erkennen, dass sich die Temperatur nach einigen Minuten auf ein gewisses Niveau einpendelt. Wir erfassen alle Temperaturen während der letzten zehn Minuten eines 35-Minütigen Durchlaufs und errechnen davon die Durchschnittstemperaturen.
Da die Temperaturen auch von der Applikation der Wärmeleitpaste abhängig sind und sich deshalb zwei Durchgänge mit der selben Wärmeleitpaste nie identisch sind, wurde jede Wärmeleitpaste im Testfeld insgesamt viermal aufgetragen und getestet.
Um gegenseitige Beeinflussung der Pasten auszuschließen, wurden die Kühlflächen zwischen den einzelnen Durchgängen gründlich mit dem ArctiClean Reinigungskit gereinigt.
Der ganze Testlauf wird überwacht und in einer Log-Datei erfasst. In der Datei sind sämtliche Daten in 5-Sekunden-Intervallen aufgezeichnet. Während wir bei den bisherigen Tests die Resultate aus ein paar Dutzend Messpunkten zusammenfassten, fließen nun tausende von Messdaten in die Resultate ein. Dies sollte zu einer sehr viel besseren Genauigkeit unserer Resultate führen.

Sämtliche Temperaturen werden als Differenz zur gemessenen Lufttemperatur angegeben.

Testergebnisse 1

Folgen wir annähernd der bisherigen Konvention, und geben Maximaltemperaturen an, sehen die Resultate folgendermaßen aus:

Maximaltemperatur, alle Kerne



Wie wir sehen, liegen alle Werte sehr nahe beieinander. Hier zu denken, dass die Unterschiede zwischen den Testkandidaten sehr klein seien, wäre aber ein Trugschluss. Tatsächlich sind auf der oberen Grafik keine Unterschiede feststellbar. Die Streuung des Gesamten Testfelds beträgt hier 0,48 Kelvin, während die Messgenauigkeit bestenfalls 0,5 Kelvin beträgt.


Durchschnittstemperatur, alle Kerne



Sehen wir uns die Durchschnittstemperaturen aller Kerne während des zehnminütigen Testfensters an, kommt es zu einer ähnlich knappen Verteilung. Auch hier ist eine gesamthafte Streuung von 0,83 Kelvin nicht wirklich genug, um Rückschlüsse auf die Leistung der einzelnen Pasten zuzulassen.


Durchschnittstemperatur, heißester Kern



Häufig werden auch Angaben zum heißesten der Prozessorkerne gemacht. Auch dieser Vergleich bringt uns nicht weiter, wie die minimale Streuung von 0,57 Kelvin zeigt.

Testergebnisse 2

WICHTIG: In allen folgenden Graphen ist die stark vergrösserte Skala unbedingt zu beachten!

Um uns ein genaueres Bild zu machen, wollen wir uns die Durchschnittstemperaturen aller Kerne aller fünf Wärmeleitpasten in den je vier Testläufen ansehen:


Durchschnittstemperaturen aller Kerne
Hier sehen wir die vier Applikationen in der Reihenfolge, in der sie gemacht wurden. Der besseren Übersicht zuliebe wollen wir sie noch geordnet präsentieren.


Durchschnittstemperaturen aller Kerne, sortiert
Die Grafik lässt sich (eine gewisse Ungenauigkeit dazugedacht) folgendermaßen interpretieren: Ganz links sehen wir die tiefste erreichte Temperatur mit der jeweiligen Paste. Dieser Wert zeigt das Potential der Paste; so gut, wie sie im Idealfall ist. Ganz rechts sehen wir die schlechteste Applikation derselben Paste, die zu den höchsten, gemessenen Temperaturen führte.
Dabei ist zu bedenken, dass wir bei jeder Applikation genau gleich vorgegangen sind. Es wurde darauf geachtet, dass die selbe Menge Paste auf die selbe Weise aufgetragen wurde. Außerdem achteten wir auch darauf, dass wir immer etwa gleich viel Zeit für die Applikation und Montage des Kühlers brauchten, um den Einfluss von Staubpartikeln in der Wärmeleitpaste zu minimieren. Das heißt auf gut Deutsch, dass der Unterschied zwischen der besten und schlechtesten Applikation nicht von Auge oder vom Gefühl her erkennbar ist. Es zeigt sich erst in den Resultaten.


Temperatur, heißester Kern
Die Werte auf dieser Grafik sind nun bereits der Größe nach sortiert. Es zeigt sich auch hier ein sehr ähnliches Bild: Die Werte liegen nahe bei einander und zwischen einzelnen Applikationen können große Unterschiede entstehen.


Leistungsreichweite
Hier eine weiter Art, die erhaltenen Werte darzustellen: In diesen sogenannten Candlesticks repräsentiert der farbige Balken die Reichweite der tatsächlich gemessenen Werte und die Ausläufer oben und unten repräsentieren die Mögliche Spanne, in der sich die tatsächliche Kühlleistung der Paste bei einer angenommenen Messgenauigkeit von +/- 0,5 Kelvin befinden kann.
Während sich keine der Wärmeleitpasten wirklich von den anderen absetzen kann, scheint es, als ob das T-C-Grease 0098 und insbesondere das MX-2 weniger stark von Applikation zu Applikation schwanken. Um dies zu überprüfen, haben wir einige weitere Testläufe gemacht.

Sreuung



Beim T-C Grease 0098 zeigte sich bereits bei einem zusätzlichen Durchlauf, ein Ausreißer nach oben. Dass hier so ein großer Unterschied entstand hat zweifellos mit der sehr schwierigen Applikation der Paste zu tun. Das Arctic Cooling MX-2 konnte hingegen seine Stärke auch in zwei weiteren Durchläufen unter Beweis stellen und schwankte in den Temperaturen deutlich am wenigsten.

Fazit

Wir geben zu jedem der Testkandidaten ein eigenes Fazit ab. Es werden in diesem Vergleich keine Fazite über die Preise abgegeben, und keine Preis/Leistungs-Awards verliehen, da zu drei der fünf Kandidaten noch keine Preisangaben vorliegen.
Noctua NT-H1

Das neue Sample der Noctua-Wärmeleitpaste konnte sehr viel mehr überzeugen als das des letzten Roundups. Die Applikation der Paste viel nach wie vor leicht und die enthaltene Menge ist angemessen.

Das Noctua NT-H1 erhält den Silber-Award, da es die tiefste Temperatur in den einzelnen Durchläufen erzielen konnte. Leider konnte dieses gute Resultat in den folgenden Durchläufen nicht mehr ganz erreicht werden.
GELID GC-1

Obwohl die Wärmeleitpaste von GELID in vielen Vergleichen auf den hinteren Plätzen landete, muss bedacht werden, dass die Unterschiede zu den Testsiegern minimal ausfallen. Daher lässt sich sagen, dass der Einstieg in den Kühler-Markt auf jeden Fall gelungen ist. Besonders gut gefällt uns der beigelegte Spachtel.

Das GELID GC-1 erhält den DeXgo Bronze-Award.
Coolink Chillaramic

Die Wärmeleitpaste von Coolink kann besonders bei der Menge punkten: Mit zehn Gramm enthält eine Chillaramic-Spritze mehr als doppelt so viel Wärmeleitpaste wie die meisten der Konkurrenten bieten. Auch hier muss einerseits gesagt werden, dass das Chillaramic meist schlechter abschneidet als die anderen Testkandidaten, die Resultate aber auf hohem Niveau nahe bei einander liegen. Wer häufig die Hardware wechselt und umbaut, wird mit dem Coolink Chillaramic für einige Zeit gut versorgt sein.

Das Coolink Chillaramic erhält den DeXgo Bronze-Award.
TIM Consultants T-C Grease 0098

Die Wärmeleitpaste von TIM Consultants hat nur eine Schwäche: Sie lässt sich wegen ihrer Konsistenz nur schwierig verteilen. Die Kühlleistung liegt auf einem sehr guten Niveau und wäre eine einfachere Verteilung möglich, würde die Paste wohl über eine außerordentlich geringe Streuung zwischen den einzelnen Applikationen verfügen. Diese Wärmeleitpaste eignet sich für alle, die Unmengen davon brauchen (z.B. System Builder) und daher große Mengen einkaufen wollen.

Das T-C Grease 0098 schlittert wegen der Applikations-Schwierigkeiten knapp an einem Silber-Award vorbei und erhält den Bronze-Award.
Arctic Cooling MX-2

Das MX-2 behält die Testsieger-Krone. Die Applikation dieser Paste ist nach wie vor sehr einfach und eine der besten im Testfeld. Was die Temperaturen betrifft, wurde die Maximaltemperatur des MX-2 in insgesamt über 25 Testläufen nur viermal von einem Konkurrenzprodukt unterboten. Zusammen mit der ausgezeichnet geringen Streuung der verschiedenen Durchläufe bedeutet dies, dass die Wahrscheinlichkeit mit MX-2 sehr tiefe Temperaturen zu erreichen, aus dem gesamten Testfeld am höchsten ist.

Keine Frage: Das MX-2 erhält für die gebotene Leistung weiterhin den DeXgo Gold-Award.

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Coolink.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
Weitere Informationen findest du in diesem » Forum Thread