» Artikel » Reviews » Thermaltake BigWater 760i

Thermaltake BigWater 760i


Einleitung

Wasserkühlungen sind mehr und mehr auf dem Vormarsch. Nicht nur, weil sie eine bessere Kühlleistung bei geringerer Geräuschentwicklung haben, als Luftkühler, sonder auch, weil sie einfach nur "in" sind. Anwender, die nicht viel Geld dafür ausgeben wollen, oder sich eventuell auch nicht an den Zusammenbau trauen, greifen da gerne zu Komplettsystemen. Thermaltake bietet hier mit dem BigWater 760i ein System an, welches für alle aktuellen High-End-System ausgelegt ist. Wie sich das System im Test schlägt, erfahrt ihr bei uns.

Verpackung & Lieferumfang

Thermaltake liefert das BigWater 760i Set in einem großen Karton aus. Auf der Vorderseite ist die Haupteinheit illustriert, die Rückseite listet die wichtigsten Eigenschaften des Systems auf und bietet einen kurzen Überblick über die Funktionsweise des Kühlers.
Im Karton ist der gesamte Lieferumfang sicher verpackt. Durch eine großzügige Schaumstoffpolsterung sollte es hier zu keinerlei Beschädigungen während des Transportes kommen.
Zum Lieferumfang gehört neben dem Handbuch noch ein Serviceheft, in dem die durchgeführten Arbeiten bei den Wartungsintervallen aufgelistet werden können. Ebenso befindet sich dort eine Checkliste, um keinen Arbeitsschritt bei den Wartungen zu vergessen.
Zum Lieferumfang gehört natürlich noch der Universal-CPU-Kühler, inkl. des Montagematerials um diesen auf allen gängigen Sockeln (AMD AM2 + K8 / Intel LGA775 + P4) problemlos verschrauben zu können. Auch befinden sich noch 500ml Kühlflüssigkeit, eine Einfüllhilfe sowie ca. 4m Schlauch im Paket.

Neben diesem Zubehör wurde natürlich auch die Haupteinheit des BigWater 760i mit in diesem Karton geliefert.

Der Kühler
Der besagte Kühler kann durch seine universelle Halteplatte auf den gängisten Sockeln monitert werden. Es müssen lediglich die entsprechenden Bohrungen genutzt werden. Auch sind bereits die Anschlüsse am Kühler vormontiert. Hier setzt Thermaltake auf das eher ungewöhnliche Format von 3/8"-Schraubanschlüssen.
Die Verarbeitung des gesamten Kühlers ist tadellos. Es finden sich keinerlei Kratzer, Schlieren oder Bearbeitungsrückstände an diesem. Die Bodenplatte wurde während des Transportes von einer Schutzfolie vor Beschädigungen und Verschmutzung geschützt.
Unter dieser leicht zu entfernenden Schutzfolie kommt eine makellos verarbeitete Bodenplatte zum Vorschein, welche auf Hochglanz poliert wurde.

Die Haupteinheit
Die Haupteinheit des BigWater 760i ist ein 2-Sloteinschub, welcher Pumpe, Ausgleichsbehälter und Radiator inkl. Lüfter vereint. Für die Frischluftzufuhr wurde in der Front ein Lufteinlass eingearbeitet. Um die Front während des Transportes zu schützen, wurde diese mit einer Schutzfolie versehen.
Neben der Bauhöhe von 2 Slots braucht das BigWater 760i auch noch beachtlichen Platz im Gehäuse. Mit einer Einbautiefe von rund 23cm ist es knapp 4cm tiefer wie ein normales Laufwerk. Vorsicht ist also bei kleinen Gehäusen geboten, da es dort recht schnell zu Platzproblemen kommen kann.
Zur Kühlung wird ein 120er Radiator verwendet, welcher durch einen hauseigenen 120mm Lüfter mit frischer Luft versorgt wird. Hierbei wird die kalte Luft von oben, dort wo in der Front auch der Lufteinlass ist, angesaugt und nach unten durch den Radiator geblasen. Man sollte beim Einbau darauf auchten, dass über und unter dem Radiator wenigstens ein wenig Freiraum vorhanden ist. Evtl wäre eine positionierung des Lüfters unter dem Radiator aber angebrachter gewesen, um so die warme Luft gleich ungehindert aufsteigen lassen zu können.

Die Haupteinheit
Der Radiator, die Pumpe und der Ausgleichsbehälter bilden quasi eine Einheit und wurden sehr kompakt im begrenzten Raum untergebracht.
Die Pumpe ist direkt mit dem Ausgleichsbehälter verbunden und wird von diesem mit der Kühlflüssigkeit versorgt. Beim Anschluss sollte man hier beachten, dass der Schlauch an der Pumpe ein Ausgang ist und die verbauten Kühler entsprechend in den Kreislauf eingebunden werden.
Der gesamte Kühlkreislauf fasst bei gut befülltem Ausgleichsbehälter und je nach Schlauchlänge ca. 250ml Kühlflüssigkeit. Durch die eher geringe Aufnahmekapazität des Ausgleichsbehälters von schätzungsweise nicht ganz 100ml muss während des Befüllen des Systems mehrfach Kühlflüssigkeit nachgekippt werden, um ein Trockenlaufen der Pumpe zu verhindern.
Zur Sicherheit hat Thermaltake die Schläuche beschriftet. So weiß auch der unerfahrene Anwender, welcher Schlauch wo montiert werden muss.
Lüfter und Pumpe werden mit jeweils einem Stromadpater an das Netzteil angeschlossen. Hier wurden Anschlüsse genutzt, welche eine weitere Nutzung des Stranges ermöglichen. Natürlich hätte man hier auch einen Stecker nehmen können, jedoch ist so noch ein nachträglicher Austausch des Lüfters möglich. Der verbaute Lüfter kann noch mit Hilfe eines Potentiometers geregelt werden. So kann die Performance des Systems geregelt und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.
Im Betrieb ist der Lüfter noch beleuchtet und erstrahlt in einem satten Blauton. Sichtbar ist davon jedoch lediglich etwas durch ein evtl. vorhandenes Seitenfenster oder der Belüftungsöffnung in der Front.

Die Montage

Die Montage gestalltet sich auf allen unterstützten Sockeln fast gleich. Zuerst müssen die drei einzelnen Backplanes zu einer zusammengeklebt werden.
Diese Backplane kann dann entweder direkt auf das Mainboard geklebt oder nur auf dieses gelegt werden. Vom Verkleben raten wir ab, da dadurch eine Demontage der Backplane nahezu unmöglich wird.
Um die Backplane zu arretieren, werden von der Rückseite die 4 beiligenden Schrauben durch die entsprechenden Löcher gesteckt und von der Oberseite mit den mitgelieferten Abstandsbolzen befestigt. Wichtig ist hier, die Unterlegscheiben nicht zu vergessen, um so einem Kurzschluss vorzubeugen. Bis alle Schrauben mit den Gewindebolzen fixiert sind, können ein paar Minuten vergehen. Vom Einsatz eines Akkuschraubers oder änlichem raten wir hier trotztem dringend ab. Die Gefahr, das Mainboard dabei zu beschädigen, ist einfach zu groß.
Nun kann die CPU dünn mit Wärmeleitpaste bestrichen werden, um die entgültige Montage vorzubereiten.
Dank des gleichen Lochabstandes kann auf dem Sockel 775 der Kühler auch schon bei montierter Backplane in jeder der 90°-Positionen montiert werden. Hier hat der Anwender die freie Wahl.
Den Abschluss der Montage des Kühlers bildet das Anziehen des Kühlers mit Hilfe der Rändelmuttern. Thermaltake greift hier nicht auf Federn zur Unterstützung zurück und läßt den Anwender ein wenig alleine bei der Suche nach dem richtigen Anpressdruck. Hier ist äußerste Vorsicht angeraten, da ein zu festes Anziehen der Muttern die CPU oder das Mainboard beschädigen könnte.

Die Montage
Nun muss natürlich noch für die Verbindung von CPU-Kühler und Haupteinheit gesorgt werden. Dafür müssen einfach 2 Stücke vom Schlauch abgeschnitten werden, welche ungefähr so lang sind, dass diese vom Kühler bis zur Haupteinheit reichen. Hier sollte man lieber 5cm zuviel abschneiden, bevor der Schlauch am Ende zu kurz ist. Um den Schlauch auf dem CPU-Kühler zu fixieren, wird dieser mit Hilfe der Überwurfmuttern an den Anschlüssen festgeschraubt.
An den Schnellverbindern wird der Schlauch ähnlich befestigt wie schon am CPU-Kühler. Jedoch wird hier der Schlauch nicht durch Überwurfmuttern fixiert, sondern mit Schlauchklemmen. Der Schlauch muss nur über die Enden der Schnellverbinder geschoben werden und anschließend mit den Schlauchklemmen diesen fixieren.
Zum Abschluss müssen dann nur noch die entsprechenden Schläuche zusammengeklippt werden. Wo beim CPU-Kühler der Eingang und wo der Ausgang ist, wird in der Bedienungsanleitung beschrieben.
Natürlich muss das BigWater 760i nach all den Trockenübungen noch in ein Gehäuse verbaut werden. Hier kam wieder unser Antec Nine Hundred zum Einsatz. Eigentlich ist dieses ja durch seine durchgängigen 5,25" Schächte ideal dafür geeignet. Jedoch ist das BigWater schlicht weg zu tief. So blieb uns keine andere Wahl, als den Einschub in den untersten beiden Schächten zu verbauen. Und selbst da kam es fast zur Kollision mit dem Mainboard (siehe rotes Viereck). Ein Board mit einem anderen Layout könnte hier also vermutlich schon einen Einbau verhindern. Auch erkennt man recht gut, dass der Abstand zwischen Netzteil und BigWater recht gering ist und es dort mit den weiteren Kabeln des Netzteiles sehr eng wird. Nichts desto trotz konnten wir das System in Betrieb nehmen.
Die Befüllung und vor allem die Entlüftung stellte sich wegen der niedriegen Einbauhöhe als etwas komplizierter heraus. Bei einem ausreichend großem Gehäuse, entweder ein Miditower mit großer Einbautiefe oder einen Bigtower, sollte dies leichter von statten gehen. Um sicher zu gehen, dass das BigWater 760i auch dicht ist, ließen wir dieses zuerst eine Zeit lang laufen ohne den Rechner anzuschalten. Hierfür nutzten wir ein einfaches 12V-Netzteil.

Der Test

Für unseren Test setzten wir wieder auf unser Testsystem, welches auf ein Foxconn P35AP-S aufbaut. Als Prozessor kommt hier ein Intel Core2Duo E6550 zum Einsatz, welcher eine TDP (Thermal Design Power) von 65W besitzt. Als Arbeitsspeicher wurde das 2GB Kit EX2-21066M2-SY von Exceleram eingesetzt. Für ein Bild auf dem Monitor sorgt hier eine GeForce 8800 GTS von Sparkle. Das Betriebssystem und alle Daten liegen auf einer Samsung SpinPoint S250 HD250HJ bereit und als optisches Laufwerk ist ein BenQ DW1655 verbaut. Die Stromversorgung übernimmt für dieses Testsystem ein Antec NeoPower 650 Blue. Die komplette Hardware steckt in einem Antec Nine Hundred, welches lediglich durch den Top-Lüfter entlüftet wurde.

Temperatur





Sowohl mit voller Drehzahl des Lüfters, wie auch bei voll heruntergeregeltem Lüfter kommt das BigWater 760i nicht an die Leistung des Xigmatek HDT-S963 heran. Die Werte bewegen sich allesamt in einem Bereich, der vollkommen ok ist, jedoch zeigen sie keinesfalls auf wieso man teures Geld in eine Wasserkühlung investieren sollte. Evtl. liegt dies an der Größe des Gehäuses und der Tatsache, dass die Einheit nicht vollkommen frei im Gehäuse verbaut wurde. Wir können jedoch klar sagen, Leute die keinen BigTower besitzen, sollten auf das BigWater wohl eher verzichten.


Lautstärke

Kommen wir nun zu einem Punkt, welcher für die meisten wohl ausschlagebend für den Kauf einer Wasserkühlung ist, die Lautstärke. Man kann bei den erreichten Werten bei den Temperaturtests erwarten, dass das System wenigstens mit einer angenehmen Laufruhe überzeugen kann, dem ist aber bei weitem nicht so. Der Lüfter bei voller Drehzahl ist für eine Wasserkühlung absolut unakzeptabel. Die Lautstärke, die dieser erzeugt, ist nicht nur unangenehm, sondern schon stark störend. Regelt man diesen herunter, ist der Lüfter immer noch recht deutlich wahrzunehmen. Die Pumpe an sich hält sich nach einiger Laufzeit dezent im Hintergrund, überträgt jedoch unangenehme Schwingungen auf das Gehäuse. Diese Störgeräusche halten sich aber im Rahmen und werden vom doch recht kräftigen Lüfter überdeckt.


Handhabung und sonstige Erfahrungen

Im Idealfall bräuchten wir bei diesem Punkt nichts schreiben, jedoch sind uns während des Betriebes einige Punkte negativ aufgefallen. Zum einen sind dies die Schnellverkupplungen, welche eigentlich beim Öffnen nur wenige Tropfen Kühlflüssigkeit entweichen lassen sollen. Hier ist wohl die Definition von wenigen Tropfen wichtig. Ohne ein kleines Handtuch an den Anschlüssen raten wir vom Öffnen ab, denn hier kommen definitiv mehr als nur ein paar Tropfen aus den Anschlüssen.
Der wohl größte Kritikpunkt stellt jedoch der undichte Anschluss des Schlauches an der Pumpe dar. Durch die vielen Kabel auf dem Boden des Gehäuses ist uns dies während des Testzeitraumes nicht aufgefallen. Bei der Demontage entdeckten wir jedoch, dass das System nicht gerade wenig Flüssigkeit verloren hat. So setzten wir uns erst einmal daran, dass System so schnell es geht trocken zu legen, um eine Beschädigung der Hardware zu verhindern. Wäre das System weiter oben im Gehäuse verbaut gewesen, hätte sich die Kühlflüssigkeit wohl am Schlauch nach unten gearbeitet und wäre so schließlich auf die Grafikkarte getropft. An einem werksseitig angebrachten Anschluss ist eine solche Leckage einfach inakzeptabel. Lediglich pures Glück verhinderte hier einen Hardwaredefekt.
Die ausgetretene Kühlflüssigkeit griff sogar die Beschichtung des Gehäuses an und löste diese ab. Nach der Reinigung des Gehäuses, unsere Hardware war uns dann doch wichtiger als Bilder des Unglücks, blieben auf dem Gehäuseboden die kahlen Stellen und Reste der Kühlflüssigkeit zurück.
Der Ursprung des Lecks war auch recht schnell gefunden. Die Verschraubung am Pumpenausgang ist nicht dicht und verlor somit kontinuierlich Flüssigkeit.
Wir setzten uns daraufhin mit Thermaltake in Verbindung, wo uns auch sofort geholfen wurde. Wir bekamen umgehend ein neues Exemplar des BigWater 760i zugeschickt. Dieses blieb auch nach mehreren Stunden Dauertest dicht und somit war das kleine Leck wohl eine Ausnahme.
Wir raten an dieser Stelle nochmals allen Anwender, das Produkt vorher ausgiebig außerhalb des Gehäuses zu testen um etwaige Störungen frühzeitig ohne Hardwaredefekt erkennen zu können.

Fazit

Das BigWater760i hat bei uns einen gemischten Eindruck hinterlassen. Für unerfahren Anwender, welche sich eine Wasserkühlung zulegen wollen, ist solch ein All-In-One System wohl die ideale Lösung, gerade weil Thermaltake viel Wert auf die Dokumentation und die Einfachheit der Bedienung gelegt hat. Jedoch konnte uns das BigWater760i nicht ganz bei den wichtigen Punkten, welche für eine Wasserkühlung sprechen, überzeugen. Die erreichten Ergebnisse bei der CPU-Temperatur waren im Bereich von guten Luftkühlern. Betrachtet man jedoch die Lautstärke im 12V-Betrieb des Lüfters, ist diese jedoch vollkommen unakzeptabel, heruntergereglt schaut dies jedoch auch schon wieder etwas anders aus. Vermutlich brauch das BigWater einfach ein großzügiges Gehäuse, um seine waren Stärken bei der Kühlung ausspielen zu können. Abschließend fällt es schwer ein Urteil zu fällen. Gerade der Preis von 100€ macht einem hier die Entscheidung schwer. Gute Luftkühler gibt es schon für weniger Geld zu kaufen, eine selbst zusammengestellte Wasserkühlung mit Singel-Radiator, Pumpe und CPU-Kühler kostet aber bei weitem mehr. Von der Qualität gibt es beim BigWater nichts auszusetzen, auch wenn wir einen kleinen Zwischenfall bei unserem ersten Exemplar hatten. Interessant ist das Produkt aber wohl nur für Leute die nicht viel Geld für eine Wasserkühlung ausgeben können, diese aber besitzen wollen. Nur wegen der Leistung lohnt sich ein Kauf nicht.


Nachtrag:
In einem Nachtest, außerhalb des Gehäuses, verbesserten sich die erreichten Testwerte deutlich. Es stellte sich also wirklich heraus, dass das BigWater 760i viel Platz für die Luft Zu- und Abfuhr benötigt. Auf Grund dieser Tatsache wurde die Wertung aktualisiert.


Pro & Contra

Pro
+ sehr reichhaltiger Lieferumfang
+ saubere Verarbeitung
+ kompakte Bauweise
+ gute Bedienungsanleitung und beiliegendes Serviceheft
+ einfache Installation

Contra
- Lautstärke
- Leistung im Midi-Tower
- Einbautiefe


Award

Für die leichte Handhabung, der einfachen Installation und der sauberen Verarbeitung bekommt das BigWater 760i von uns den DeXgo-Silber-Award. Die Lautstärke verhindert leider den Weg zu einem besseren Award.
DeXgo-Silber-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Thermaltake.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
Weitere Informationen findest du in diesem » Forum Thread