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NorthQ NQ-3580 Siberian Tiger


Einleitung

Allen Vorteilen zum Trotz haben Wasserkühlungen immer noch zwei abschreckende Gründe für Otto-Normal-Anwender. Dies ist zum einen der meist recht hohe Preis und zum anderen der in der Regel nicht sehr leichte Zusammenbau. NorthQ will hier mit dem NQ-3580 "Siberian Tiger" für unter 90€ und einer bis jetzt einzigartig leichten Installation viele Anwender von sich überzeugen. Ob dies gelingt und die hohen Erwartungen erfüllt werden, klärt sich im folgenden Review.

Verpackung & Lieferumfang

NorthQ liefert das NQ-3580, auch 'Siberian Tiger' genannt, in einem Karton aus. Auf dem Karton befinden sich für den potentiellen Käufer ein Bild des Kühlsystems und ein paar technische Informationen. Von diesen hätten ruhig ein paar mehr den Weg auf die Verpackung finden können. In der Verpackung befindet sich gut verstaut das NQ-3580 nebst dem mitgelieferten Zubehör.
Der Lieferumfang umfasst neben dem Montagematerial für die Sockel 478/754/939/940, AM2 und LGA775 noch zwei Lüftersteuerungen und eine Einbauanleitung. Besagte Einbauanleitung erklärt für jeden Sockel detailliert den Einbau des Systems - leider nur auf Englisch.
Der mitgelieferte 120-mm-Lüfter soll bei einer Lautstärke von 20dB(A) arbeiten und kann, wenn gewünscht, blau beleuchtet werden. Hierfür hat NorthQ einen Schalter am Ende des Anschlusskabels angebracht. Dies hat zwar den Vorteil, dass nur ein Kabel vom Lüfter weg geht, jedoch kann man während des Betriebes nicht so leicht die Beleuchtung an- oder ausschalten.
Die beiden mitgelieferten Lüftersteuerungen sollen dem Anwender helfen das System seinen Wünschen entsprechend - gemeint sind hier Lautstärke und Leistung - anpassen zu können. Eine der beiden Lüftersteuerungen ist eine 3-Kanal-Steuerung, die die Möglichkeit bietet, ein Tachosignal weiter zu leiten. Zudem besteht so die Möglichkeit, die Lüfter zu regeln, ohne das Gehäuse öffnen zu müssen.
Die zweite Lüftersteuerung ist eher die versteckte Variante im Inneren des Gehäuses. Mit Hilfe von ihr kann ein Lüfter stufenlos geregelt werden. Ideal also wenn nur der Lüfter des Systems auf einen bestimmten Wert herunter geregelt und diesen kontinuierlich halten soll.

Die Haupteinheit

Das Siberian Tiger setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen. Zum einen ist dort der normale 120-mm-Radiator und zum anderen die kombinierte Pumpe-Kühler-Ausgleichsbehälter-Einheit. Genau diese Einheit wollen wir uns zuerst etwas genauer anschauen.
Die Einheit ermöglicht durch ihre extrem kompakte Bauweise eine recht hohe Kompatibilität mit Gehäusen. Der geringe Platzbedarf ermöglicht auch die Nutzung in kleineren Gehäusen und macht das NQ-3580 für eine breite Masse an Nutzern interessant. Während des Transportes schützt eine Kunststoffkappe die Bodenplatte und die darauf schon aufgebrachte Wärmeleitpaste vor Verschmutzungen und Beschädigungen. Die Stromversorgung wird mit Hilfe von einem 4-Pin-Anschluss direkt über das Netzteil bewerkstelligt. Zudem wird dem Anwender die Möglichkeit gegeben, das Tachosignal der Pumpe auszulesen und so eine etwaige Notabschaltung bei einem Ausfall zu erreichen.
Entfernen wir die bereits aufgebrachte Wärmeleitpaste, kommt die kupferne Bodenplatte zum Vorschein. Diese wurde plan gefräst und weist davon noch einige Bearbeitungsspuren auf. Diese äußern sich in Form von kleinen kreisförmigen Ringen auf der Bodenplatte.
Der Montagemechanismus, den sich NorthQ hat einfallen lassen, bietet Vor- und Nachteile. Der größte Vorteil ist wohl, dass die Ausrichtung der Einheit in nahezu jeder Richtung möglich ist und so der optimale Weg für die Schlauchverlegung vom Anwender frei bestimmt werden kann. Für den Sockel 775 und den Sockel 478 gestaltet sich die Montage durch die Kliphalterungen sehr leicht. Für AMD-Systeme wird es hier schon etwas schwieriger, da der Kühler mit einer Backplate montiert wird. Das Board anschliessend inklusive dem anhängenden Radiator in das Gehäuse zu verfrachten, wird mit zwei Händen dann nicht mehr so leicht funktionieren.

Der Radiator

Das Siberian Tiger-System setzt auf einen 120-mm-Radiator. Als Farbe wurde auf ein schlichtes Standard-Schwarz mit silberner Halterung gesetzt. Nicht sonderlich ausgefallen, gewährleistet aber eine hohe Kompatibilität beim Geschmack der Kunden. Die einzelnen Lamellen sind ordentlich verarbeitet, hier gibt es nichts zu bemängeln.
Der Rahmen des Radiators, an dem auch der Lüfter bzw. der Radiator am Gehäuse befestigt wird, besteht aus leicht gebürstetem Aluminium. Die Gewinde für die Schrauben wurden ordentlich geschnitten. Auch die Kanten sind gut entgratet. Leider befinden sich an den Nieten, mit denen die Rahmen am Radiator befestigt sind, Rückstände von Folien oder Kleber. Hier fehlt etwas die Sorgfalt bei der Verarbeitung.
Auch die Oberkanten der Rahmen weisen teils deutliche Berarbeitungsspuren auf. Hier hätte mehr Sorgfalt auf die Verarbeitung gelegt werden sollen.
Das obere Ende des Radiators, dort wo im Regelfall die Windungen der inneren Rohre zu sehen sind, wurde mit einer Schutzkappe versehen. So können die empfindlichen Rohre nicht beschädigt werden. Das untere Ende, wo normaler Weise die Anschlussstutzen sitzen, wurde mit zwei Kappen verschlossen. Die Schläuche für den Ein- und Auslass wurden in diese fest integriert.

Der Einbau
Schauen wir uns nun den Einbau des Siberian Tiger an. Als Testgehäuse wählten wir einen recht kompakten Midi-Tower, das Antec Nine Hundred. Als Ausgangspunkt für die Montage setzten wir beim bereits fertig installiertem System ein, so dass nur noch das Siberian Tiger installiert und die 12 Volt-Zusatzversorgung angeschlossen werden muss.
Wir entschieden uns dazu zuerst den Radiator an der Gehäuse-Rückseite zu befestigen. Während der Montage stellte sich heraus, dass der Radiator nicht wie in der Anleitung beschrieben angebracht werden konnte. Gund waren die Kappen an der Ober- und Unterkante. Also montierten wir den Lüfter nicht auf der Innenseite des Radiators, sondern zwischen Radiator und Gehäuse. Der Lüfter saugt nun die Luft durch den Radiator und drückt diese nach hinten aus dem Gehäuse heraus. Die Montage der Haupteinheit ging dann relativ leicht von der Hand. Zuerst wurde die Halterung über die Einheit geschoben und diese anschließend auf den Sockel gesetzt und so gedreht, dass die Schläuche möglichst wenig gebogen und verdreht sind. Nun mussten die Pins über den Löchern im Mainboard justiert und in diesen fixiert werden. Auf gut Deutsch: ausrichten und reindrücken.
Anhand des Nine Hundred erkennt man doch recht gut, wie wenig Platz das Siberian Tiger in Anspruch nimmt. Die Seitentür lässt sich problemlos schliessen und um alle Komponenten ist noch genügend Freiraum.

Der Test

Für unseren Test des NorthQ NQ-3580 Siberian Tiger nutzten wir als Grundlage wieder das P35AP-S von Foxconn. Als Prozessor setzten wir unseren Intel Core2Duo E6550 ein, welcher eine TDP (Thermal Design Power) von 65W besitzt. Zu diesem Prozessor gesellte sich das 2GB Kit EX2-21066M2-SY von Exceleram sowie eine Sparkle GeForce 8800 GTS. Das Betriebssystem und die Daten lagerten auf einer Samsung SpinPoint S250 HD250HJ. Als optisches Laufwerk kam ein BenQ DW1655 zum Einsatz. Die Stromversorgung übernahm für dieses Testsystem ein Enermax Liberty 500W.

Wie schon beim CPU-Kühler-Roundup nahmen wir die Testwerte in einem offenen Versuchsaufbau und testeten unter diesen Umständen auch das Thermaltake BigWater 760i nochmals. Diese Testwerte verglichen wir dann mit dem Intel Boxed- Kühler. Der offene Aufbau soll die Vergleichbarkeit der Systeme erhöhen, da gerade in einem kleinen Gehäuse wie dem Nine Hundred ein System wie das BigWater 760i sein Potenzial nicht voll ausschöpfen kann.


Temperatur


Wenn wir uns die Temperaturen im Idle-Betrieb anschauen, fällt uns auf, dass sich das BigWater und das Siberian Tiger kaum etwas schenken. Das BigWater kann hier aber immer knapp die Nase vorn halten. Der Boxed-Kühler von Intel muss schon deutlich abgeschlagen die Konkurrenz aus der Ferne betrachten.

Unter Last verliert NorthQ weiter Boden auf den Konkurrenten aus dem Hause von Thermaltake. Mit 16 bzw. 19,5° Celsius Temperaturdifferenz reicht er nicht an die Leistungsfähigkeit aktueller High-End-Heatpipe-Kühler heran, verrichtet seinen Job aber sehr zufriedenstellend.


Lautstärke

Bei der Lautstärke kommen wir bei Wasserkühlungen immer zu einem sensiblen Punkt. So ist das SiberianTiger bei 12 Volt doch noch deutlich hörbar, dies liegt aber auch nur am genutzten Lüfter. Drosselt man den Lüfter herunter hört man das ganze System kaum noch. Hier hat NorthQ besser gearbeitet, als Thermaltake beim BigWater 760i.


Handhabung und sonstige Erfahrungen

NorthQ preist das NQ-3580 Siberian Tiger als wartungsfreies, leicht zu handhabendes Wasserkühlungssystem an. Im Idealfall ist dies auch so. Zwar bekommen Leute mit einem Midi-Tower keine Platzprobleme, für den Einbau sollten Sie sich aber Verstärkung in Form von zwei weiteren Händen holen. Gleiches gilt für Anwender, die nicht die Halterungen für Intelsysteme mit Push-Pins nutzen können. Das Siberian Tiger auf dem Board zu montieren und dann beides zusammen in das Gehäuse zu bekommen, wird bestimmt nicht leicht. Und gerade das ist das Probleme einer geschlossenen Einheit. Teile abkoppeln kann man hier nicht.

Fazit

NorthQ hat mit dem NQ-3580 Siberian Tiger ein Wasserkühlungssystem erschaffen, das gerade für Anfänger in diesem Bereich gedacht ist. Jedoch bringt dies auch immer Nachteile mit sich. Fangen wir aber am Anfang an. Der Lieferumfang, den NorthQ dem Anwender mitliefert, kann vollständiger nicht sein. Sämtliches notwendiges Montagematerial ist vorhanden, die Wärmeleitpaste ist schon aufgetragen und dennoch legt NorthQ noch ein Tütchen extra bei. Abgerundet wird das Paket von zwei Lüftersteuerungen, die je nach Wunsch eingesetzt werden können. Die Verarbeitung des NQ-3580 ist nicht perfekt, aber immer noch gut. Die Bodenplatte und auch der Rahmen des Radiators hätten etwas besser verarbeitet werden können. Dies sind aber eher Schönheitsmängel, als dass diese den Betrieb beeinträchtigen würden. Der Einbau sollte sich eigentlich recht leicht bewältigen lassen, jedoch gibt es hier und da Probleme, so dass es allein kaum zu schaffen ist. Eine sichere Montage ist fast nur mit vier Händen möglich. Die erbrachten Leistungen während des Testes reichten nicht an die des BigWater 760i heran, lagen aber immer noch weit unter denen des Intel Boxed Kühler. Von der Lautstärke her arbeitet das NQ-3850 unter dem Niveau des Boxed Kühlers und kann diesen leistungs- und lautstärketechnisch problemlos schlagen. Der derzeitige Preis des NorthQ NQ-3580 Siberian Tiger liegt bei ca. 90€.


Pro & Contra

Pro
+ sehr reichhaltiger Lieferumfang
+ sehr kompakte Bauweise
+ ordentliche Testergebnisse

Contra
- komplizierter Einbau
- Schönheitsfehler bei der Verarbeitung


Award

Für die erbrachten Leistungen verleihen wir dem NorthQ NQ-3580 Siberian Tiger unseren DeXgo-Bronze-Award.
DeXgo-Bronze-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von NorthQ.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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