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BFG GeForce 9600GT OC


Einleitung

Der Einzug von nVidia's 9er Reihe neuer Grafikkarten wird vom Mittelfeld aus mit der 9600GT eingeläutet. Viel Leistung für verhältnismäßig wenig Geld sowie eine platzsparende Single-Slot-Kühlung sollen die Karten für kleine Gehäuse und kleine Geldbeutel gleichermaßen geeignet machen. Der Hersteller BFG versieht sein Modell der 9600GT gleich von Haus aus mit einer Leistungsspritze in Form eines erhöhten Taktes. Ob die Karte eine lohnenswerte Anschaffung ist, klärt der Test auf.

Verpackung und Lieferumfang
Die Verpackung der Grafikkarte von BFG ist auffallend weniger überdimensioniert als die Verpackungen vieler anderer Hersteller. Die Schachtel ist aufwändig bedruckt und zeigt auf der Vorderseite das Logo und die Bezeichnung der Karte...
... und auf der Rückseite einige Screenshots nebst einiger Feature-Auflistungen.
Der Lieferumfang enthält eine Treiber-CD und einige Aufkleber sowie Dokumentation in verschiedenen Sprachen in Form eines elektronischen Handbuchs auf der CD und eines ausgedruckten "Quick Installation Guide".
Dazu kommen zwei DVI-zu-VGA Adapter, ein TV-Adapter-Kabel und ein Adapterkabel für den internen Stromanschluss, welches zwei 4pin-Molex Anschlüsse zu einem 6pin PCI-E Anschluss führt.
Außerdem ist ein Hinweis auf die "Limitierte lebenslange Garantie" von BFG in den Unterlagen dabei. Bei Registrierung des Produktes gewährt BFG den Kunden außerhalb von Amerika zwar keine lebenslange, aber immerhin eine 10-Jährige Garantie auf das Produkt. Die Garantie übersteigt also die praktische Nutzdauer der Grafikkarte bei weitem.
Die Grafikkarte selbst ist mit einer Luftpolstertasche und einem zusätzlichen antistatischen Beutel sehr gut geschützt.
Technische Daten
 Gainward BLISS 8800GT Gainward 8800GTSSapphire Radeon 3870HD  BFG 9600GT OC
Chiptakt: 600 MHz 650 MHz 775 MHz675 MHz
Speichertakt: 1.8 GHz 1.94 GHz 2.25 GHz1.8 GHz
Shadertakt: 1500 MHz 1625 MHz 1340 MHz1674 MHz
Speicherbandbreite: 256 bit 256 bit 256 bit256 bit
Stream Processors: 112 128 32064
Chipsatz: G92 (65nm) G92 (65nm) RV670G94 (65nm)
Grafikspeicher: 512 MB 512 MB 512 MB512 MB
Diese Grafikkarte wird von BFG mit dem Kürzel "OC" für Overclocked versehen und die angebliche Mehrleistung, die dieser Karte dadurch innewohnen soll, wird groß angepriesen. Das Overclocking besteht bei dieser Karte darin, dass der Chiptakt um 25 MHz über den Standardwert angehoben wurde. Der Chiptakt beträgt also 675 MHz statt 650 MHz, was einer Steigerung von 3.8% entspricht. Es ist zu bezweifeln, ob sich eine solche Steigerung auch nur in einem Frame pro Sekunde im Spielebetrieb äußert. Das "OC" ist also mehr ein Marketing-Gag als ein ernstzunehmendes Feature.

Ansichten der Karte
Äußerlich mag einem die Bauart der Karte sehr bekannt vorkommen. Die Referenz-Kühlung von nVidia, die für die 9600GT Karten verwendet wird, entspricht der Single-Slot-Kühllösung der 8800GT-Karten (wobei sehr viele Hersteller bei der 8800GT auf eine eigene, zwei-Slot Kühlung setzen).
BFG übernimmt das Referenzdesign und ziert die Karte mit einem eigenen Aufkleber.
Wie schon erwähnt belegt diese Karte nur einen Slot. Seitlich sind einige der Kühllamellen zu sehen, welche den Prozessor umgeben.
Die Karte hat eine Gesamtlänge von 23cm, was ziemlich genau der Breite eines Full-ATX-Mainboards entspricht. Der rückseitig anzuschließende Stromstecker ragt dann über die Kante des Mainboards hinaus. Zusammenstöße mit Festplatten, die auf der selben Höhe wie die Grafikkarte eingebaut sind, sind bei dieser Länge nicht mehr ausgeschlossen.
An der Rückseite der Karte sind einige Lüftungsschlitze and der Abdeckung und der Stromanschluss angebracht.
An der Slotblende sind zwei DVI-Ports sowie ein VIVO-Anschluss angebracht.
Die Kühlung wird von einem 60mm-Lüfter bewältigt, der Luft radial auf die umliegenden Lamellen abgibt. Im Betrieb empfanden wir die Lautstärke dieser Kühlung als guten Durchschnitt. Der Lüfter ist im Idle-Modus sehr leise und wird auch unter Last praktisch nie störend. Aus einem System mit starker Lufkühlung ist diese Grafikkarte praktisch nie herauszuhören. Nur bei einer gewissen, höheren Drehzahl gab die Karte manchmal ein etwas störendes Surren oder Pfeifen von sich. Weil dies nur sehr selten der Fall war, ist das kein großer Kritikpunkt.
Die Kühlelemente sind an der Unterseite der Karte mit zwölf Schrauben befestigt. Hier ist erfreulich zu sehen, dass alle Schrauben zugänglich sind, bzw. dass keine der Schrauben mit einem Aufkleber versehen ist, dessen Entfernung einen Garantieverlust bedeutet.

Einleitung zu den Benchmarks

Die 9600GT OC wurde im Testsystem getestet, für welches auch schon Vergleichswerte mit einigen anderen Karten vorhanden sind. Die Leistung wurde sowohl mit synthetischen Benchmarks als auch in Spielebenchmarks getestet. Die Tests werden alle in der nativen Auflösung eines 19" TFT-Monitors, 1280x1024 getestet. Manche Benchmarks werden zusätzlich hochaufgelöst mit 1920x1200 Pixeln gemessen (Bezeichnung "HiRes"). Bei sämtlichen Benchmarks werden mehrere Runs durchgeführt, um einen zuverlässigen Mittelwert zu erhalten.

Das Testsystem

- Intel Core2Quad Q6600, leicht übertaktet auf 2.8GHz
- 2x2GB OCZ Gold Edition RAM, DDR2-800, CL5
- Asus P5KC Mainboard
- Western Digital Caviar 320GB HD, 7200rpm
- Thermaltake TR2 RX 550W

Wichtiger Hinweis: die Karte wurde mit dem neuesten, zum Testzeitpunkt erhältlichen Treiber (174.53) getestet. Dieser verleiht der 9600GT laut diversen Berichten gegenüber dem älteren Treiber einen deutlichen Leistungsschub.
Benchmarks

3DMark06


3DMark06 wird mit unveränderten Standardeinstellungen eingesetzt. So sind unsere Werte vergleichbar mit denen, die mit der kostenlosen, aber limitierten Version ermittelt werden können. Unser Testkandidat liefert in diesem Benchmark zwar das schwächste Resultat von allen, das überrascht allerdings nicht weiter, da die 9600GT auch die Günstigste aller bisher getesten Karten ist. Der Rückstand zur 3870HD fällt mit nur etwa 3% recht gering aus und ist, bedenkt man den Preisunterschied von rund 40€, ein kleiner Triumph für die 9600GT.
3DMark05


Im 3DMark05 liegen die Resulate näher beieinander. Auch hier ist die 9600GT der 3870HD nur gute 3% hinterher.
Crysis, DirectX 9


Bei den durchschnittlichen Frames pro Sekunde im Crysis-Flyby vermag die 9600GT sogar mehr zu leisten als die 3870HD. Der Abstand zu den beiden Vertretern der 8er Reihe bleibt aber deutlich.


Crysis, DirectX 9 - Minimum FPS



Betrachten wir die tiefsten gemessenen Frameraten, sehen wir, dass die 9600GT ähnlich tief einknickt wie die HD 3870. In der Praxis bedeutet dies, dass beim Spielen mit der 9600GT unter der Haube häufiger spürbare Ruckler auftauchen können. Eine 8800GT liefert da die Bilder am stabilsten, mit weniger Abweichungen vom Mittelwert.
Crysis, DirectX 10



Mit DirectX 10 und allen Details auf "Very High" sind bislang alle getesteten Grafikkarten überfordert, zu flüssig spielbaren Framerates kommt es in keinem Fall. Die Resultate liegen hier alle nahe beieinander und die Unterschiede sind von Auge kaum zu bemerken. Erstaunlich ist hier, dass die 9600GT den zweiten Platz erringt.

Codecreatures


Anhand des Codecreatures Benchmarks messen wir den Leistungsverlust durch aktivierte Kantenglättung (Anti Aliasing/AA) unter DirectX 9. Dazu machen wir zuerst Runs ohne AA, von denen wir die Framerate als Basiswert nehmen. Danach werden die Runs mit 2xAA gemacht und es wird gemessen, wie viel tiefer nun die Durchschnitts-FPS liegen.
Hier kann sich die 9600GT wiederum einen sehr guten zweiten Platz erringen. Sie verliert nur unter 10% Leistung bei zwei Samples für die Kantenglättung und ist nur unwesentlich hinter der Leistung der 8800GTS (G92) zurück.
Codecreatures 2



Auch bei vierfacher Kantenglättung zeigt sich ein ähnliches Bild: die 9600GT büßt nur 20% Leistung ein und platziert sich damit knapp hinter der 8800GTS (G92).
PT Boats


PT Boats ist ein DirectX 10 Benchmark, der besonders bei hohen Auflösungen und mit Kantenglättung die Grafikkarte sehr stark fordert. Bei den Vergleichen mit diesem Benchmark entfällt leider die 8800GT, da wir den PT Boats Benchmark erst nach dem Test der 8800GT in den Testlauf mit aufnahmen.
Hier hängt die 9600GT zum wiederholten Mal die 3870HD ab. Diesmal sogar sehr deutlich mit fast 25% mehr Bildern pro Sekunde.
PT Boats, 2xAA



Auch mit aktivierter Kantenglättung behält die Karte von BFG die Nase vorn.
PT Boats, HiRes



In der hohen Auflösung zeigt sich wieder das selbe Bild: die 9600GT liegt erwartungsgemäß hinter der Leistung der 8800GTS (G92), setzt sich aber deutlich von der 3870HD ab. PT Boats scheint es mit der ATi-Karte gar nicht gut zu meinen.

Overclocking

Die Taktangaben werden im Format von Chiptakt/Shadertakt/Speichertakt angegeben, mit allen Angaben in MHz. Die neueren Versionen von Rivatuner bieten die Möglichket, Chiptakt und Shadertakt gesondert voneinander zu verändern, daher werden auch beide Takte genannt.
Der Standardtakt für 9600GT Karten ist:

650/1625/1800

Wie schon erwähnt ist der Takt der "OC" Karte von BFG:

675/1674/1800

Der Shadertakt wurde hier konventionell zusammen mit dem Chiptakt angehoben. Um die weitere Übertaktbarkeit der Karte auszutesten, erhöhen wir jeweils einen Taktwert schrittweise, bis wir Abstürze oder Bildfehler hervorrufen und senken dann die Takte wieder in 5er-Schritten, bis der Betrieb wieder stabil erscheint. Dies wird mit allen drei Taktraten wiederholt. Die übertaktete Karte wird dann durch mehrere Benchmarks gehetzt, um festzustellen, wo die stabile Grenze liegt. Bei unserem Modell erwies sich folgender Takt als stabil:

770/1790/2140

Wie man sieht, liegt also noch recht viel mehr drin. Die Taktraten wurden somit um 14% / 7% / 19% angehoben. Die Temperatur stieg mit dem Standardtakt unter Last bis auf maximal 62°C. Nach dem Übertakten drehte der Lüfter automatisch auf und hielt die Temperatur unter Last bei maximal 63°C gut in Schach.
3DMark06 - OC



3DMark06 rümpft mehr oder weniger die Nase ab unseren Übertaktungsversuchen und liefert eine Punktzahl, die nur 5.6% höher liegt als diejenige im Originalzustand.
Crysis, DX9 - OC



Nach dem ernüchternden Resultat mit 3DMark zeigt sich im Test mit dem Crysis Benchmark unter DirectX 9 eine überraschend gute Leistungssteigerung von 17.5%. Im Spiel übersetzt sich dies in durchschnittlich 4 zusätzliche Bilder pro Sekunde, was die gefühlte Framerate von "knapp spielbar" auf "spielbar" anhebt.
Crysis, DX10 - OC



Im DirectX 10 Modus und mit allen Details auf "Very High", wo die Grafikkarte sowieso schon überfordert war, hebt das Übertakten die Framerate um nur 5.9% an. Gefühlt wird dabei die Bildwiederholrate von "ruckelig" zu "immer noch ruckelig".
Crysis, DX9 HiRes - OC



Im hochauflösenden Crysis unter DirectX 9 tut sich nach dem Übertakten praktisch gar nichts. Dass die Karte hier in die Knie gezwungen wird, hat wohl nicht viel mit den Taktraten zu tun.
Preis/Leistungs-Vergleich

Für den Preis/Leistungs-Vergleich nehmen wir die 3DMark06 Punktezahl und teilen diese durch den tiefsten Preis, den wir zum Testzeitpunkt in einer Preissuchmaschine finden. So erhalten wir als Messwert die 3DMark06 Punkte, die man pro ausgegebenem Euro erhält.
Dabei ist klar, dass 3DMark06 nicht absolut repräsentativ für die Leistung ist und sich die Preise sehr schnell verändern; die folgende Rangliste stellt also mehr einen groben Schnappschuss vom Preis/Leistungs-Verhältnis dar.


Fazit

Dass die BFG 9600GT OC nicht die Spitze des Leistungspodestes erklimmen würde, war von Anfang an klar. Die 9600GT ist eine Midrange Karte und in ihrem Revier, niedrigere Auflösungen und DirectX 9, bietet sie eine hervorragende Leistung. Besonders überraschend war, dass sie in unserem Benchmark-Parcours wiederholt die 3870HD übertrumpfte und auch in einigen Fällen recht nahe an die 8800GTS (G92) aufschloss. Auch die Temperaturen und das Betriebsgeräusch befinden sich auf einem guten Niveau. Preislich ist die Karte mit etwa 145€ Verkaufspreis sehr erschwinglich. Für leistungshungrigere User könnte auch der SLI-Zusammenschluss mit 9600GT Karten eine Überlegung wert sein. Kritikpunkte sind nur am etwas spärlichen Lieferumfang und der sehr geringen Übertaktung, die hinter dem "OC" steckt, zu setzen. Zu guter Letzt lassen sich zum Thema Übertaktung dennoch gute Noten vergeben: die Karte bietet gute Reserven nach oben und das Übertakten setzte sich erfreulich stark in den gemessenen Resultaten um.


Pro & Contra

Pro
+ Gute Spieleleistung im Mittelfeld
+ Sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis
+ Möglichkeit, eine sehr lange Herstellergarantie zu aktivieren
+ Übertaktbarkeit

Contra
- Spärlicher Lieferumfang
- Spärliches herstellerseitiges OC


Award

Dank der teilweise sehr guten Leistung, der guten Übertaktbarkeit und der Tatsache, dass die Karte bei manchen Tests selbst die 3870HD abhängte, verdient sie sich den DeXgo Silber-Award. Genannte Mängel verhindern hier einen höheren Award. Ausserdem setzt sich die BFG 9600GT OC mit Bravour an die Spitze der Preis/Leistungs Rangliste und erhält natürlich den entsprechenden Award.
DeXgo-Silber-Award DeXgo-Preis/Leistung-Award
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Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
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