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XSPC RX360 Radiator im Vergleichstest


Einleitung

XSPC ist in Großbritannien ansässiger Hersteller, der auf Wasserkühlungskomponenten spezialisiert ist. Bislang war XSPC in erster Linie für günstige Produkte bekannt, die weniger die Leistungsspitze als ein möglichst gutes Preis/Leistungs-Verhältnis anstrebten. Bereits mit den Laing-DDC Pumpendeckel haben XSPC aber bewiesen, dass sie durchaus auch Spitzenprodukte liefern können. Die neue RX-Radiatoren-Serie soll nun im Bereiche der Wärmetauscher für ebensolche Spitzenleistung sorgen. Ob das gelingt, klärt unser Test, in dem wir den XSPC RX360 Radiator mit einem Thermochill PA120.3, dem Watercool HTSF 360 und dem Magicool Slim Triple Radiator vergleichen.

Verpackung und Lieferumfang
Der Radiator von XSPC wird in einer schlichten Kartonverpackung versendet. Dank der Luftpolsterfolie ist der Radiator gut vor Transportschäden und Kratzern geschützt.
Der Lieferumfang besteht aus M4-Schrauben in zwei verschiedenen Längen. Bei einer typischen Montage unter einem Gehäusedeckel werden die kürzeren Schrauben verwendet, um den Radiator am Gehäusedeckel zu montieren und die längeren Schrauben, um die Lüfter am Radiator anzubringen.
Zu guter Letzt gehört natürlich auch der eigentliche Wärmetauscher zum Lieferumfang. Eines wollen wir vorweg erwähnen: Bei den ersten Auslieferungen von XSPC RX-Radiatoren haben einige Kunden gemeldet, dass die Lackierung Mängel aufwies. Offenbar wurden einige der Wärmetauscher eingepackt, bevor der Lack richtig trocknen konnte. Diese erste Charge wurde inzwischen wieder zurückgezogen und wird durch eine neue ersetzt, die von den Problemen befreit sein sollte.

Außenansichten
Der XSPC RX360 ist ein sehr solide gebauter Wärmetauscher mit den Abmessungen 410 x 125 x 60 Millimeter.
An beiden Seitenblenden ist das XSPC-Logo eingeprägt, was für einen subtilen aber schönen Blickfang sorgt. Die schwarze Lackschicht ist leicht körnig aber dennoch so glatt, dass sich nahestehende Objekte darin spiegeln.


Herausforderer
Ein Radiator-Test macht natürlich nur in Form eines Vergleichstests Sinn. Wir haben drei Radiatoren ausgewählt, von denen jeder ein besonderes Merkmal hat, was ihn als Herausforderer geeignet macht.
Hier eine kurze Übersicht der Herausforderer:


Thermochill PA120.3
Wenn es um Highend-Radiatoren geht, darf der Thermochill natürlich nicht fehlen. Inzwischen ein Urgestein galt dieser Radiator lange Zeit als Non-Plus-Ultra im Bereiche der Wasserkühlung. Inzwischen am Thermochill etwas störend sind die 25-mm-Lüfterabstände und die G3/8"-Gewinde, da inzwischen 15-mm-Lochabstände und G1/4"-Gewinde zum Standard geworden sind. Der Vergleich zwischen Thermochill und XSPC RX (Bild rechts) zeigt die größeren Lochabstände am Thermochill und die daraus resultierende, zusätzliche Länge dieses Radiators. Der Thermochill PA120.3 diente bereits bei unserer Wasserkühlungs-Optimierungs-Serie als Highend-Radiator.


Magicool Slim Triple Radiator
Der Magicool Slim Radiator steht am anderen Ende der Skala, gegenüber dem Thermochill. Während letzterer beste Leistung verspricht und dies mit sehr viel Platzbedarf und einem relativ hohen Preis zollt, setzt der Magicool-Radiator auf eine kompakte, schmale Bauform und gehört zu den günstigsten Wärmetauschern in diesem Format. Der Vergleich zum XSPC RX (Bild rechts) zeigt den massiven Größenunterschied dieser zwei Radiatoren. Wir haben den Magicool Slim Triple Radiator mit in den Vergleich aufgenommen um zu überprüfen, wie viel mehr Leistung ein teurer Highend-Radiator im Vergleich zu einem Low-Budget-Modell bietet.


Watercool HTSF 360
Auch der Watercool HTSF gehört mit seiner Bauhöhe von 40 Millimetern und seiner Platzierung im gehobenen Preis-Segment in die Kategorie "Highend-Radiator". Was ihn für diesen Test besonders interessant macht, ist dass er ein Rohr-Radiator ist. Er besitzt also nicht wie die anderen Kandidaten eine Kammer, von der aus das Wasser parallel in viele schmale Rohre durchläuft, sondern nur zwei durchgehende Rohre, welche sich mehrmals hin- und her winden und welche, ähnlich der Heatpipes bei den meisten Luftkühlern, mit paralellen Lamellen verschweißt sind. Für diesen Test wird es spannend sein, zu sehen, wie sich diese Bauart in der der Leistung gibt.
Zusammengefasst vergleichen wir also den Newcomer XSPC RX360 mit der momentanen Leistungsspitze (Thermochill), einem Low-Budget Wärmetauscher (Magicool) und einem Rohr-Radiator (Watercool).

Lamellendichte
Ein wichtiger Aspekt jedes Radiators ist die Lamellendichte. Je dichter die Lamellen gefaltet sind, desto mehr Wärmetauschfläche steht zur Verfügung. Gleichzeitig steigt mit der Lamellendichte aber auch der Luftwiederstand an, was einen Leistungsverlust bei langsam drehenden Lüftern bedeuten kann.
Das Bild oben links zeigt den Vergleich der Lamellendichte des Magicool Slim (links) mit dem XSPC RX (rechts). Das Bild rechts zeigt den Vergleich zum Thermochill. Wie wir sehen können sind die Lamellenabstände beim XSPC-Radiator weiter als beim Magicool- und dem Thermochill-Radiator. Was uns ebenfalls aufgefallen ist, ist dass die Lamellen am XSPC RX360 fast durchgehend perfekt regelmäßig sind. Bei den anderen Radiatoren finden sich immer wieder mal unregelmäßige Abstände und verbogene Lamellen - nicht so beim RX360.
Der Watercool-Radiator hat wie bereits erwähnt eine ander Bauform und keine Faltungen in den Lamellen.

Hier ein Vergleich der Lamellenabstände der vier Testkandidaten in Faltungen pro Zentimeter:
Faltungen pro Zentimeter:
Thermochill PA120.3:2
Magicool Slim Triple:2,5
Watercool HTSF:5*
XSPC RX360:1,5
* Beim Watercool HTSF messen wir die Lamellen pro Zentimeter statt der Faltungen pro Zentimeter.


Testmethode

Zum Testen der Radiatoren verwenden wir einen dedizierten Kreislauf, der außer dem jeweiligen Radiator und den nötigen Messinstrumenten nur eine Laing DDC -1T+ mit einem EK X-Res Aufsatz und Heizelemente umfasst.
Es befinden sich zwei Außenheizer im Kreislauf, die je 300 Watt Wärmeleistung ins Wasser abgeben können. Wir testen die Radiatoren mit 300 Watt und 600 Watt Hitzelast.
Vier analoge Temperatursensoren messen die Wassertemperatur, drei digitale Sensoren messen die Umgebungstemperatur. Ein T-Balancer BigNG steuert die Lüfter und hält die Temperaturdaten im fünf-Sekunden-Intervall in einer Log-Datei fest.

Jeder Testlauf beginnt mit dem Einschalten des Heizers bzw. der Heizer und dauert 35 Minuten. Da die Hitzelast konstant ist, stellt sich nach einigen Minuten eine Maximaltemperatur ein, die sich fast ohne Schwankungen hält. Um Fehlerquellen auszuschließen haben wir uns dennoch für einen relativ langen Testlauf entschieden. Die Temperaturen werden aus einem Messfenster berechnet, welches die letzten zehn Minuten des Testlaufs umfassen. Durch dieses lange Testfenster werden Ungenauigkeiten der Temperatursensoren so gut wie möglich ausgebügelt.

Zu guter Letzt wird jeder Radiator mit vier verschiedenen Lüftergeschwindigkeiten getestet. Yate Loon D12SL-12H-Lüfter drehen mit 1600 U/min, Nanoxia FX-1250 drehen mit 1200 U/min sowie 800 U/min und Scythe Slip Stream 500 werden mit unhörbaren 400 U/min betrieben.
Somit ist ein großer Bereich zwischen Highflow und fast passiv abgedeckt.


Hinweis zum Praxisbezug
Bei den verwendeten Hitzelasten ist zu beachten, dass diese nicht falsch auf die Praxis übertragen werden: Zwar finden sich heutzutage in den meisten (Spiele-) Rechnern Netzteile die meist weit über 500 Watt Leistung haben, das bedeutet aber nicht, dass ein solcher Rechner, wenn er mit einer Wasserkühlung ausgestattet ist, auch mehr als 500 Watt Wärme an das Wasser abgibt.

Selbst unsere "kleine" Hitzelast von 300 Watt entspricht in etwa dem, was in der Praxis von einem Wassergekühlten High-End Gaming-Rechner an das Wasser abgegeben wird.
Die 600 Watt Hitzelast können höchsten für absolute Overkill-Systeme mit mehreren Grafikkarten und kompletter Wasserkühlung als praxisbezogen betrachtet werden. Der Zweck dieser sehr hohen Hitzelast soll auch nicht im Praxiswert liegen sondern darin, dass sich bei 600 Watt die Spreu deutlicher vom Weizen trennt, als bei geringerer Abwärme.

Resultate

Hohe Lüfterdrehzahl - 1600 U/min



Wie wir in diesem Vergleich sehen, liegen Thermochill und XSPC RX bei hoher Lüfterdrehzahl sehr eng zusammen und können sich mehr oder weniger deutlich von den anderen Testkandidaten abheben.
Sehr niedrige Lüfterdrehzahl



Bei sehr niedrigen Drehzahlen liegen Watercool HTSF und Magicool Slim gleichauf. Der Wärmetauscher von Watercool ist offenbar eher für höhere Lüfterdrehzahlen ausgelegt. Der XSPC RX360 schneidet in diesem Test hingegen besonders gut ab und kann sich um ein Kelvin vom Thermochill abheben.
Bei 400 U/min Lüfterdrehzahl wurde nur mit 300 Watt Hitzelast getestet, da sonst das Wasser hoffnungslos überhitzte, unabhängig vom verwendeten Radiator.


Übersicht

300 Watt
Hier sehen wir die Übersicht über den gesamten Drehzahlbereich bei 300 Watt Hitzelast. Es zeigt sich eine interessante Überkreuzung zwischen dem Thermochill und dem XSPC RX: Während ersterer bei den hohen Drehzahlen noch die Nase vorn hat, kann sich der XSPC-Radiator ab etwa 1200 U/min abwärts an die Spitze drängen.
Bei der sehr hohen Hitzelast von 600 Watt trennen sich die Werte deutlicher (in dieser Grafik ist zusätzlich auch die Skala angepasst, um die Unterschiede zu verdeutlichen). Hier liegen Thermochill und XSPC RX bei der höchsten Drehzahl gleich auf und der XSPC-Radiator kann sich wiederum bei niedrigeren Drehzahlen den Spitzenplatz sichern.
Auch der Watercool HTSF zeigt in diesen Tests, dass er dem Magicool Slim leicht überlegen ist.


Preisvergleich



Die Preise der verschiedenen Radiatoren streuen sich einiges deutlicher als deren Kühlleistung. Der XSPC RX360 hat im Vergleich zum Thermochill aber auch einen relativ guten Preis.

Fazit

Wir können am XSPC RX360 genau eines Aussetzen: Die Probleme mit dem Lack, von denen einige der ersten Käufer betroffen waren. Bis ihr diesen Artikel lest, sollten diese Probleme längst behoben sein und was bleibt ist ein Wärmetauscher, der in jeder Hinsicht beeindruckend ist.

Für viele Benutzer von Wasserkühlungen ist einer der größten Vorteile dieser Kühlmethode, dass sich damit auch die Temperaturen eines sehr leistungsstarken Systems bei sehr niedriger Lautstärke bändigen lassen. In anderen Worten: Die meisten Freunde der WaKü sind gleichzeitig auch Freunde von langsam drehenden, flüsterleisen Lüftern. Und genau mit diesen spielt der XSPC RX360 seine Stärken aus. Dank des großzügigen Lamellenabstandes genügt auch der kleinste Lufthauch bei diesem Wärmetauscher für gute Temperaturen.
Wir wollen nicht aus den Augen verlieren, dass die effektiven Leistungsunterschiede zwischen dem Thermochill und dem XSPC RX sehr gering sind, dennoch können wir sagen: Die Leistungskrone geht vorerst zu XSPC über. Dass unsere Empfehlung in jedem Falle dem XSPC RX zukommen würde liegt auch daran, dass er den gewohnten Lüfterabstand hat (kompatibel zu allen gängigen Radiatorenblenden), mit standardmäßigen G1/4"-Gewinden ausgestattet ist (mit allen gängigen Anschlüssen kompatibel) und zu guter letzt immerhin zehn Euro weniger kostet, als sein direktester Konkurrent.

Wer also auf der Suche nach einem Highend-Radiator zur Verwendung mit Silent-Lüftern ist, ist mit dem XSPC RX360 bestens bedient.


Pro & Contra

Pro
- Exzellente Kühlleistung
- Solide gebaut und sehr präzise verarbeitet
- Günstiger als andere Highend-Radiatoren

Contra
- Im Vergleich zum Leistungszuwachs gegenüber günstigen Radiatoren ist der Preisunterschied dennoch recht gross.


Award
Der XSPC RX360 hat sich den DeXgo-Gold-Award verdient.
DeXgo-Gold-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Aquatuning und XSPC.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
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