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Aqua Computer Highflow Durchfluss-Sensor


Einleitung

Einer der vielen Einflussfaktoren in einer Wasserkühlung ist der Durchfluss. Das Messen und Überwachen des Durchflusses ist zwar nicht unbedingt nötig, kann aber ein nettes und auch nützliches Extra im WaKü-System sein. Aqua Computer haben vor kurzem eine neue Lösung dazu, den "Highflow" Durchflusssensor vorgestellt. Wir haben diesen Sensor einem kleinen Test unterzogen und ihn mit dem Digmesa FHKUC 70 sowie dem GMR Durchflusssensor verglichen.

Impressionen
Der Highflow-Sensor wird in der von Aqua Computer bekannten Standardbox geliefert. Neben dem Sensor selbst ist ein kleiner Anleitungs-Zettel enthalten.
Der Sensor ist in einem schlichten, aber schön geformten POM-Gehäuse mit einem Edelstahl-Deckel verpackt. Die Abmessungen sind (L x B x H): 5,3 x 5 x 2,9 Zentimeter. An der Unterseite sind an den Ecken M3-Gewinde eingelassen - so kann der Sensor am Gehäuse montiert werden.
Auf dem Deckel ist ein Hinweis zu finden, dass der Sensor für Durchflussmengen von über 40 l/h ausgelegt ist. Am 3-Pin-Anschluss wird das Sensorkabel angeschlossen. Dieses Kabel muss separat erworben werden und es muss eine Steuereinheit wie ein aquero, eine aquastream XT, ein Poweradjust oder ein T-Balancer Sensorhub vorhanden sein, die das Durchflusssignal interpretieren kann.
Wird der Deckel abgenommen, so ist erkennbar: Die Elektronik des Aqua Computer Highflow-Sensors stammt von Digmesa. Aqua Computer haben hier auf bewährte Technik gesetzt und mit einem neuen Gehäuse und neu kalibrierten Düsenöffnungen das nötige Feintuning betrieben.

Die Herausforderer
Zum Vergleich ziehen wir die zwei meistgenutzten Durchfluss-Sensoren für PC-Wasserkühlungen hinzu:

Der Digmesa FHKUC 70 (Bild links) ist für Wasserkühlungen gut geeignet, ist aber leider nur mit zwei fixen 10-mm-Tüllen ausgestattet. Wer also Schläuche mit größerem oder kleinerem Innendurchmesser verwenden will, hat mit Schwierigkeiten zu rechnen oder muss komplett zu einem anderen Sensor greifen.

Der Durchflusssensor GMR (Bild rechts) hat den Vorteil, dass er bereits ein Sensorkabel integriert hat. Leider ist dieser Sensor mit G1/2"-Außengewinden versehen, was für eine typische WaKü denkbar ungeeignet ist. Abhilfe schaffen Reduziermuffen, Dichtungsringe und Teflonband (siehe Bild). Zusammen mit den Reduziermuffen und dann angebrachten Anschlüssen wächst leider die Länge sowie der Preis des Sensors.
Die oben genannten Schwächen der beiden Vergleichs-Sensoren sind beim Aqua Computer Highflow Sensor zum Glück nicht anzutreffen. Hier sind ganz einfach die im WaKü-Bereich üblichen G1/4"-Gewinde angebracht, an denen sich beliebige Anschlüsse befestigen lassen.
Testmethode

Mit relativ einfachen Mitteln bauen wir uns eine kleine Testvorrichtung für die Sensoren auf. Hier eine Skizze dazu:
Von einem sehr großen Ausgleichsbehälter (1) aus, wird die Pumpe (2) mit Wasser "gefüttert". Von dort geht das Wasser über ein gutes Stück Schlauchweg zum jeweils zu testenden Sensor (DFM). Nach dem Sensor fließt das Wasser durch ein weiteres Stück Schlauchweg und durch eine Schnellkupplung (3) in einen großen Auffangbehälter (4). Die Schnellkupplung ist zum einen dazu da, damit wir den Wasserfluss leicht abklemmen können und sorgt zum anderen auch für einen gewissen Widerstand, was die Fließgeschwindigkeit reduziert. Dies ist für uns nützlich, denn der reale Durchfluss wird durch auslitern gemessen. Der große Auffangbehälter (4) steht auf einer Waage und wir messen anhand der Gewichtsanzeige die Dauer, die benötigt wird, bis zwei Liter durchgeflossen sind. Dies lässt sich dann auf eine Angabe für Liter pro Stunde hochrechnen.
Da hier viel Handarbeit involviert ist (Ablesen der Waage, Stoppuhr bedienen), entsteht natürlich eine gewisse Ungenauigkeit. Beim Betrachten der Messresultate sollte berücksichtigt werden, dass auch die realen Durchflusswerte nicht 100 prozentig genau sind.

Resultate

Volle Leistung

Als erstes messen wir den realen Durchfluss bei voller Pumpenleistung. Diese Messung gibt ein Bild davon ab, wie restriktiv die verschiedenen Sensoren sind.



Der Sensor von Aqua Computer liegt vorne, dies aber denkbar knapp. Wir können nicht ausschliessen, dass der Unterschied zum GMR-Sensor mehr als eine Messungenauigkeit ist. Wie dem auch sei, was den Widerstand betrifft, scheinen alle drei Sensoren in einer sehr ähnlichen Liga zu spielen.


60 l/h

Nun wollen wir die Genauigkeit der Sensoren bei verschiedenen Durchflussmengen prüfen. Mit einem Kugelhahn verringern wir den Durchfluss, bis der Sensor genau 60 l/h ausliest. Dann überprüfen wir den tatsächlichen Durchfluss.
l/h Abgabel/h realAbweichung in Prozent
Aqua Computer Highflow608033,3
Digmesa FHKUC 706059-1,7
Durchflusssensor GMR6069.215,3
Genauigkeit, 100 l/h

Nun das selbe mit angegebenen 100 l/h:
l/h Abgabel/h realAbweichung in Prozent
Aqua Computer Highflow1001099
Digmesa FHKUC 701001099
Durchflusssensor GMR100101,11,1
Genauigkeit, 150 l/h

Und nun noch bei angegebenen 150 l/h:
l/h Abgabel/h realAbweichung in Prozent
Aqua Computer Highflow150151.30,9
Digmesa FHKUC 70150143.4-4,4
Durchflusssensor GMR150161.47,6
Genauigkeit, volle Leistung

Dieselbe Genauigkeitsmessung können wir nun auch beim maximal möglichen Druchfluss für jeden der Sensoren machen:
l/h Abgabel/h realAbweichung in Prozent
Aqua Computer Highflow1921951,8
Digmesa FHKUC 70185,5190,52,6
Durchflusssensor GMR182194,66,5
Es lässt sich beobachten, dass die Genauigkeit mit zunehmendem Durchfluss generell besser wird. Bei nur 60 l/h stellen wir beim Highflow-Sensor noch eine beachtliche Ungenauigkeit fest, oberhalb von 150 l/h weist der Sensor von Aqua Computer jedoch die beste Messgenauigkeit vor.


Lageabhängigkeit

Wir haben jeden der Durchflusssensoren in verschiedensten Lagen und Ausrichtungen eingebaut, um zu überprüfen, ob sich dies auf die Messung auswirkt. Wir konnten einzig beim GMR-Sensor lageabhängige Schwankungen beobachten. Auch beim GMR sind diese aber leicht zu vermeiden, denn der Sensor gibt keine Messwerte an, wenn er kopfüber hängt und in annähernd kopfüber hängender Ausrichtung sind die Messwerte verzerrt, in sämtlichen anderen Ausrichtungen sind die Werte allerdings stabil.


Preisvergleich


* Mindest nötiges Zubehör für den Betrieb des Sensors. Bei den Sensoren von Digmesa und Aqua Computer bedeutet dies ein Sensorkabel, beim GMR zwei Anschluss-Adapter und Dichtungsringe.
** Der GMR is auch in zwei weiteren Varianten erhältlich: Aus Acryl für 27 Euro und aus Messing für 30 Euro.

Fazit

Der Highflow-Sensor von Aqua Computer kann in den Messwerten überzeugen: Knapp der geringste Durchflusswiderstand, die beste Genauigket ab 150 l/h und stabile Messungen unabhängig der Ausrichtung machen einen sehr soliden Durchflusssensor aus. Allerdings geht es in der Praxis oft weniger darum, auf die Kommastellen genaue Messwerte zu bekommen und ob eine Komponente nun den Durchfluss um ein paar Prozent mehr oder weniger bremst ist vielen Usern auch eher unwichtig. In der Praxis haben oft andere Aspekte Vorrang und genau hier kann der Sensor von Aqua Computer noch viel deutlicher Punkten, als bei den Testergebnissen. Alleine, dass endlich ein Sensor angeboten wird, der ohne Adapter oder Reduzierer via G1/4"-Gewinden für jede beliebige Schlauchgröße verwendet werden kann, wird viele WaKü-Benutzer freuen. Zudem ist der Highflow-Sensor der einzige in diesem Vergleich, der von der Optik her auch in einem Modding-PC nicht unbedingt versteckt werden muss.
Als einzigen Mangel ist der im Vergleich recht hohe Preis zu nennen. Ein beigelegtes Sensorkabel wäre hier zum Beispiel nicht fehl am Platz gewesen. Dennoch können wir den Aqua Computer Highflow-Sensor von allen uns bekannten Durchflusssensoren am meisten empfehlen.


Pro & Contra

Pro
+ G1/4"-Gewinde
+ Hohe Messgenauigkeit ab 150 l/h
+ Lageunabhängige Messgenauigkeit
+ Geringer Durchflusswiderstand

Contra
- Preis
- Sensorkabel muss separat erworben werden


Award
Der Aqua Computer Highflow-Sensor kann durchweg überzeugen und hebt sich positiv von der Konkurrenz ab. Wir verleihen ihm den DeXgo-Gold-Award.
DeXgo-Gold-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Aqua Computer Berlin.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
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