» Artikel » Reviews » Thermochill PA120.3 - Alt gegen Neu

Thermochill PA120.3 - Alt gegen Neu


Einleitung

Der Thermochill PA120.3 gilt noch immer als einer der besten erhältlichen Triple-Radiatoren. Der inzwischen sehr in die Jahre gekommene Wärmetauscher ist nun, nach einem Besitzerwechsel bei Thermochill, in einer neuen Revision verfügbar. Wir vergleichen den neuesten PA120.3 mit dem Ur-PA120.3, um zu überprüfen, ob sich der Qualitätsstandard gehalten hat. Einen Vergleich in Bildern und vielen Daten findet ihr in diesem Artikel.

Technische Daten
Abmessungen:Anschlussgewinde:Schraubengewinde:Anzahl Wasserkanäle: Lamellen pro Zentimeter:
Thermochill PA120.3 (alt)12,6 x 6 x 42,6G3/8"Keine*124
Thermochill PA120.3 (neu)12,6 x 6 x 39,6G3/8"Keine*124
*Die Bohrlöcher an den Thermochill-Radiatoren sind für 6-32-Schrauben ausgelegt und sind nicht mit Gewinden ausgestattet. Mehr dazu auf der nächsten Seite.

Impressionen
Der neue Thermochill PA120.3 ist von der Optik und Haptik kaum von den älteren Versionen zu unterscheiden. Die Formgebung und die mattschwarze Lackierung sind die selbe und der Radiator wirkt immer noch schwer und sehr solide in der Hand. Kurz gesagt: Den firmeninternen Besitzerwechsel und die Revision ist dem Thermochill erstmal nicht anzumerken.
Auch beim Alten geblieben sind die großen G3/8"-Anschlussgewinde am Radiator (Bild links). Diese setzen voraus, dass entweder eine Reduziermuffe auf die üblichere Gewindegröße G1/4" oder, zur Zeit noch eher seltene, Anschlüsse mit G3/8"-Gewinden verwendet werden (Bild rechts).
Was sich geändert hat, ist der Lochabstand der Lüfterlöcher und damit die Gesamtlänge des Radiators: Die Lüfterlöcher waren in der vorherigen Version 25 Millimeter auseinander. In der aktuellen Version beträgt die Distanz noch 15 Millimeter. Diese 15 Millimeter Lochabstand sind der inoffizielle Standard für Radiatoren. Die Anpassung des Lochabstandes an diesen Standard ist für alle eine gute Nachricht, die z.B. bereits einen Radiatorenausschnitt im Gehäuse haben und zu einem Thermochill wechseln wollen.
Ein weiterer Detail-Unterschied: Der alte Thermochill ist mit einer Entlüftungsschraube an der Rückseite ausgestattet, beim neuen fehlt diese. Grund dazu ist laut Hersteller, dass das Konzept der Entlüftungsschraube nicht wirklich aufgeht. Wir können hinzufügen, dass wir in allen Wasserkühlungstests und -Setups noch nie von einer Entlüftungsschrauben haben Gebrauch machen müssen.
Während sämtliche anderen Radiatoren auf dem Markt auf Schrauben mit metrischen Gewinden (in der Regel M3 oder M4) setzen, bleiben die Briten (Thermochill und XSPC) bei den in unseren Breitengraden wenig benutzten 6-32-Schrauben (Bild links). Die Bohrlöcher am Radiator sind nicht mit Gewinden ausgestattet, die Schrauben sollen also mit ihrem groben Gewinde quasi von selbst greifen. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Lochgröße beim neuen Thermochill ein Hauch kleiner ausgefallen ist. Beim Ur-Thermochill lassen sich die beigelegten Schrauben sehr leicht eindrehen, machen aber nicht den Eindruck, dass sie das Gewicht des Radiators zuverlässig halten könnten. Beim neuen Thermochill lassen sich die mitgelieferten Schrauben nur mit Müh und Not eindrehen und verkanten dabei sehr gerne. Interessanterweise greifen M3-Schrauben in der neuen Lochgrösse besser als die mitgelieferten 6-32-Schrauben. In unseren Augen die beste Lösung ist auf dem Bild rechts dargestellt: Mit einem Gewindeschneider lassen sich die Löcher mit M4-Gewinden versehen. M4-Schrauben sind in jedem Baumarkt in verschiedensten Längen und Ausführungen erhältlich und machen, wenn die Gewinde mal geschnitten sind, den sichersten und solidesten Eindruck für die Montage.

Testmethode

Zum testen von Radiatoren verwenden wir einen dedizierten Kreislauf, der außer dem jeweiligen Radiator und den nötigen Messinstrumenten nur eine Laing DDC -1T+ mit einem EK X-Res Aufsatz und Heizelemente umfasst.
Es befinden sich zwei Außenheizer im Kreislauf, die theoretisch je 300 Watt Wärmeleistung ins Wasser abgeben können. Die tatsächliche Hitzelast der Heizer erreicht die 300 Watt nur knapp und kann über längere Zeiträume hinweg im Bereich von +/- 6 Watt schwanken. Deshalb wird nun mit einem Strommessgerät der tatsächliche Verbrauch der Heizer gemessen und alle 5 Minuten aufgezeichnet. Daraus errechnet sich dann die durchschnittliche Hitzelast während des Teslaufs.
Vier analoge Temperatursensoren messen die Wassertemperatur. Drei digitale Sensoren messen die Temperatur der angesogenen Luft einige Zentimeter vor den Lüftern, drei weitere Sensoren messen die Temperatur der nach dem Radi ausgestossenen Luft, wenige Zentimeter dahinter. Ein T-Balancer BigNG steuert die Lüfter und hält die Temperaturdaten im fünf-Sekunden-Intervall in einer Log-Datei fest.

Jeder Testlauf beginnt mit dem Einschalten des Heizers bzw. der Heizer und dauert 35 Minuten. Es stellt sich jeweils nach einigen Minuten eine Maximaltemperatur ein, die sich fast ohne Schwankungen hält. Um Fehlerquellen auszuschließen haben wir uns dennoch für einen relativ langen Testlauf entschieden. Die Temperaturen werden aus einem Messfenster berechnet, welches die letzten zehn Minuten des Testlaufs umfassen. Durch dieses lange Testfenster werden Ungenauigkeiten der Temperatursensoren so gut wie möglich ausgebügelt.

Als Lüfter kommen Sharkoon System Fans im 140-mm-Format und Scythe Kama Flex 1900 im 120-mm-Format zum Einsatz. Am TFC Monsta wurden natürlich beide Varianten getestet, weshalb dieser Radiator jeweils zweimal in den Diagrammen vertreten ist.


Durchfluss



Wie im oberen Diagramm zu sehen ist, messen wir mit den beiden Radiatoren praktisch identische Durchflusswerte. Der kleine Unterschied könnte ebensogut an der Messungenauigkeit des Sensors wie an einem echten Unterschied liegen.



Im Vergleich mit allen anderen, bisher in unserem aktuellen Radiatoren-Test-Setup getesteten Wärmetauscher, zeigt sich, dass die Thermochill beim Durchfluss sehr gut liegen.

Temperaturen - Teil 1

Als erstes schauen wir uns die beiden PA120.3 im direkten Vergleich an. Wir stellen im folgenden die Delta-Temperaturen Wasser-Umgebung bei einer sehr hohen Hitzelast von 300 Watt dar.


400 U/min


800 U/min


1200 U/min


1600 U/min


Bei den Testresultaten zeichnet sich tatsächlich ein Trend ab: Der kleinere, neue PA120.3 schneidet im Durchschnitt etwas schlechter ab als der Ur-PA120.3.
Allerdings sind diese Werte mit Vorsicht zu genießen: Die Unterschiede fallen äußerst klein aus und man muss bedenken, dass wir keine 100% genauen Messungen machen können. Außerdem ist eine gewisse Serienstreuung nie auszuschließen. Die Resultate zeigen lediglich, dass es zwischen dem PA120.3 mit 15 Millimetern Lochabstand und demjenigen mit 25 Millimetern Lochabstand wohl doch einen kleinen Performanceunterschied gibt.

Temperaturen - Teil 2

Nun sehen wir uns noch einen Vergleich der beiden Thermochill zu einigen weiteren Triple-Radiatoren an.
Im folgenden werden C/W-Werte dargestellt. Das sind die Delta-Temperaturen zwischen Wasser und Umgebungstemperatur pro Watt Hitzelast. Die Werte sind also auf 1 Watt Hitzelast angeglichen, ähnlich wie die Werte auf den vorherigen Seiten auf 300 Watt Hitzelast angeglichen waren. Da uns hier die Verhältnisse zwischen den einzelnen Testkandidaten interessieren, spielt es keine Rolle, auf welche Hitzelast angeglichen wird.

Eine Lüfterreihe
Im Vergleich schlagen sich beide Thermochill durch das ganze Drehzahlspektrum ziemlich gut - der mit engen Lamellen ausgestattete GTX 360 zieht erst bei rund 1400 U/min an ihnen vorbei. Die beiden Low-End Radis Magicool Slim und XSPC RS360 sind im ganzen Drehzahlspektrum im Hintertreffen.
Interessant ist hier zu sehen, dass mit den neuen Lüftern der XSPC RX360 im ganzen Drehzahlbereich knapp vor den Thermochill platziert ist. Beim vorherigen Test-Setup lag der Thermochill ab mittleren Drehzahlen vorne.


Zwei Lüfterreihen
Werden die Radis im Push-Pull mit sech Lüftern besetzt, wechseln die Verhältnisse ein wenig. Der GTX 360 erringt sich mit diesem Setup bereits ab 1200 U/min den Spitzenplatz. Die Differenz zwischen altem und neuem Thermochill wird noch etwas verdeutlicht.

Fazit

Der neue Thermochill gleicht dem alten Thermochill, das wird bereits auf den ersten Blick klar. Die Änderungen liegen alle im Detail und auffällig ist nur, dass der neue Thermochill etwas kürzer geworden ist, was am reduzierten Lochabstand liegt. Den Lochabstand auf 15 Millimeter zu reduzieren, war sicherlich die richtige Entscheidung seitens der Hersteller. Nun haben endlich alle aktuell erhältlichen Radiatoren den selben Lochabstand und wer einen Ausschnitt und/oder eine Radiblende verwendet, kann beliebige Radiatoren darin installieren. Der Thermochill behält aber auch alte Schwächen bei: So ist es unerfreulich, dass die Schraubenlöcher nicht mit Gewinden versehen sind und außerdem fast zu klein für die mitgelieferten Schrauben sind. Auch die G3/8" Anschlussgewinde sind nach wie vor fragwürdig. Da praktisch alle erhältlichen Schraubverschlüsse und Tüllen auf G1/4"-Gewinde setzen, werden sich die meisten Benutzer entweder Adapter oder separate Anschlüsse speziell für den Thermochill kaufen müssen.
Etwas erstaunlich ist, dass sich tatsächlich ein geringer Leistungsunterschied zwischen dem Ur-Thermochill und der neuen Version abzeichnet. Zwar ist dieser Unterschied nicht groß, aber dennoch hält sich der Trend, dass der alte Thermochill etwas besser kühlt. Angesichts der Tatsache, dass wir mit sehr hoher Hitzelast testen und die Temperaturunterschiede alle deutlich unter einem Kelvin blieben, lässt sich aber sagen: Für die Praxis spielt dieser Unterschied keine Rolle.


Pro & Contra

Pro
+ Sehr solide Verarbeitung
+ Sehr gute Durchflusswerte
+ Nach wie vor gute Kühlleistung...

Contra
- ...die sich aber dem XSPC RX geschlagen geben muss.
- Fehlende Schraubengewinde
- Unpassende Lochgröße für mitgelieferte Schrauben


Award
Der Thermochill PA120.3 macht seine vielen kleinen Mängel mit der guten Kühlleistung großteils wieder wett. Wir verleihen den DeXgo-Bronze-Award.
DeXgo-Bronze-Award
.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
Weitere Informationen findest du in diesem » Forum Thread