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Alpenföhn Nordwand


Einleitung

Keine andere deutsche Marke in der Computerbranche kann mit so ungewöhnlichen Namen seiner Produkte aufwarten wie Alpenföhn von EKL. Mit dem Brocken stellte man bereits einen Heatpipe-Kühler mit Direct-Touch im Jahre 2009 vor und mit dem Nordwand möchte man nun das Leistungsniveau weiter steigern. Wie sich der Koloss mit seinen fünf 8-mm-Heatpipes schlägt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Der Nordwand kommt in einer Kartonverpackung, welche den Kühler gut während des Transportes schützt. Auf einer Seite befindet sich ein Sichtfenster, durch das ein Teil des Kühlers bereits zu erkennen ist, die gegenüberliegende Seite zeigt den Boden mit den fünf 8-mm-Heatpipes.
Zum Lieferumfang zählen neben einer Montageanleitung, einem Strom-Adapter-Kabel und einer Tube Wärmeleitpaste auch die Montagematerialien für die Sockel 775, 1366, AM2(+) und AM3. Laut EKL wird dem Kühler nach Veröffentlichung der Sockel 1156-Boards noch eine entsprechende Backplate beigelegt.
Der mitgelieferte, aber noch nicht montierte Lüfter, ist aus farblosem Kunststoff gefertigt. Laut des Aufklebers auf der Rückseite des Lüfters verbraucht dieser lediglich 0,84 Watt bei zwölf Volt Betriebsspannung. Der Lüfter verfügt über einen PWM-Anschluss und kann so vom Mainboard geregelt werden. Der Regelbereich wird mit 850 - 1.500 U/min angegeben wobei der Lüfter eine maximale Lautstärke von 21 dB(A) erzeugen soll.
Sind die technischen Daten des Lüfters die gleichen wie schon beim Alpenföhn Brocken, so ist die Farbe der Beleuchtung eine andere. Bei dem Nordwand entschied sich Alpenföhn für eine blaue Beleuchtung, welche durch vier LED realisiert wird.

Der Kühler im Detail

Alpenföhn hat den Nordwand fast komplett schwarz vernickeln lassen und so ergibt sich mit dem orangen Passivkühler ein schöner Farbkontrast. Der Kühler ist insgesamt 155 Millimeter hoch, bei einer Breite von 131 Millimetern.
Die Tiefe des Kühlers beträgt, ohne verbauten Lüfter, 96 Millimeter. Um zu gewährleisten, dass die Luft durch den gesamten Kühler strömt, wurde dieser an den Seiten verschlossen. So kann der Luftstrom nicht an den Seiten entweichen. Zusätzlich sorgen die abgewinkelten Kanten noch für eine erhöhte Stabilität, da sie den Abstand der Lamellen untereinander konstant halten.
Der Lamellenabstand beträgt zwei Millimeter. Beim frontalen Blick auf den Kühler erkennt man gut, wie die insgesamt fünf Heatpipes an den Seiten durch die Lamellen gehen.
Wie schon beim Brocken gehen auch bei dem Nordwand die Heatpipes nicht bis durch die obersten Lamellen. Der Nachteil dieser optischen Spielerei liegt darin, dass die obersten Lamellen so aber auch nicht zur Kühlung beitragen können, da sie schlicht nicht mit der Abwärme des Prozessors versorgt werden.
Die Verarbeitung des Alpenföhn Nordwand ist im ganzen als gut zu bezeichnen, verbogene Lamellen oder Fehler bei der Vernickelung finden sich keine. Lediglich die obersten vier Lamellen halten nicht den richtigen Abstand untereinander ein.

Der Kühler im Detail

Wie bereits erwähnt ist der gesamte Nordwand bis auf einen kleinen Passivkühler schwarz vernickelt. Der Passivkühler, welcher gleichzeitig auch die Heatpipes fest hält, dient als Montageort für die Halterung und soll die Abwärme auch auf die äußeren Heatpipes mit verteilen.
Als Grundlage für die Montage auf allen unterstützten Systemen dient eine vormontierte Montageplatte. Bei der Montage auf Intelsystemen reicht diese bereits aus, für AMD-Sockel muss ein Adapterstück mit der Platte verschraubt werden.
Der Boden, welcher quasi nur aus Heatpipes besteht ist mit einer Schutzfolie versehen und soll so vor Verschmutzungen während des Transportes geschützt werden.
Der Boden selbst ist plan verarbeitet, zwischen den Heatpipes und der Bodenplatte sind aber teilweise große Lücken. Der eigentliche Grund für dieses Nahaufnahme ist jedoch ein anderer.

So haben die fünf 8-mm-Heatpipes mit den knapp zwei Millimeter breiten Stegen zwischen den Heatpipes insgesamt eine Breite von ca. 46 Millimetern. Vergleichen wir diese Fläche jetzt mit der Größe der CPU-Heatspreader kommen wir recht schnell zu einer Diskrepanz.
Die Heatspreader der von AMD sind die momentan die Größten, welche bei Prozessoren verbaut werden. Jedoch hat selbst diese 36 x 36 Millimeter große Fläche nur einen geringen bis gar keinen Kontakt zu den beiden äußeren Heatpipes. Was dies für die Praxis und die Ausrichtung des Kühlers bedeutet klären wir im Abschnitt Testergebnisse - Übersicht.

Auf den Bildern zu sehen ist ein Intel Core i7, welcher den momentan Zweitgrößten Heatspreader besitzt. Dieser ist leicht rechteckig und ist 32 x 34 Millimeter groß.
Für die Montage der Lüfter ist Alpenföhn nun komplett weg von den Halteklammern und setzt nun auf reine Entkoppler, welche den Lüfter auch gleichzeitig am Kühler befestigen. Im Gegensatz zur Konkurrenz, welche meist recht kurze Entkoppler beilegt, sind die Entkoppler des Nordwand mit insgesamt rund drei Zentimetern recht lang. Was ebenfalls vorbildlich ist: Es liegen neben einem zweiten Satz für einen zweiten Lüfter auch noch Ersatzentkoppler bei.
Die Montage des Lüfters gestaltet sich mit den Entkopplern recht einfach und auch die Entkopplung funktioniert wunderbar.

Die Montage

Für die Montage des Nordwand muss, bei nicht vorhandenem Loch im Mainboardschlitten, das Mainboard ausgebaut werden. Die Montage selbst ist jedoch spielend leicht und auch für unerfahrene Anwender leicht durchzuführen. Die Thumbscrews, mit denen der Kühler auf der Vorderseite festgeschraubt wird, sind gut zu erreichen und können bis zum Anschlag angezogen werden. Federn sorgen anschließend für den optimalen Anpressdruck.
Wie viele Tower-Kühler gibt es auch bei dem Nordwand Probleme, wenn im sockelnahstem Slot RAM mit hohem Heatspreader verbaut wird.
Durch die Nutzung von fünf 8-mm-Heatpipes braucht der Kühler natürlich auch eine gewisse Mindestdicke. Dies wirkt sich aber auch auf die Kompatibilität aus, wenn der Kühler nach hinten blasend verbaut wird. So blockiert in diesem Fall der Lüfter erneut den sockelnahstem RAM-Slot, wenn Speicher mit hohem Heatspreader zum Einsatz kommt.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- Asus P6T
- Intel Core i7 920 übertaktet auf 3GHz bei 1,25 Volt
- takeMS take3 DDR3-1333
- Sparkle GeForce 8800GTS 320MB
- Samsung HD501LJ
- Enermax LibertyECO 620W
- Scythe Kaze Master Ace

Der Testaufbau und Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er Schritten.

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Scythe Kaze Master Ace (Review) auf die Drehzahlen 1700, 1200, 800 und 400. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1200, 800 und 400 Umdrehungen mit einem Scythe Kaze Maru Lüfter getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen insgesamt vier Testläufe über sich ergehen lassen. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage Version entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool CPUTempWatch 1.0.8. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in kurzem Abstand vor dem Lüfter mit Hilfe eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten (über 12.000 einzelne Daten) errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Der Nordwand von Alpenföhn unterstützt die Montage von zwei Lüftern und so setzt sich das folgende Diagramm aus insgesamt neun Testwerten zusammen.
Was sonst nur einen sehr geringen bis gar keinen Einfluss auf die Testwerte hat ist bei dem Nordwand doch erwähnenswert. So ist bei unseren Testläufen ein Unterschied von knapp 1,3 Kelvin zwischen der horizontalen und der vertikalen Montage erkennbar gewesen. Die angegebenen Temperaturen in den folgenden Diagrammen beziehen sich deshalb alle auf die Montage zum Netzteil ausgerichtet.

Beim minimalen Luftdurchsatz schafft es der Nordwand nicht den i7 ausreichend zu kühlen, mit steigendem Luftdurchsatz steigt aber auch die Kühlleistung schnell an.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt

Der Lüfter des Nordwand arbeitet bei zwölf Volt mit rund 1.550 U/min.

Der Nordwand kann sich im oberen Bereich festsetzen und lässt den deutlich schneller drehenden Cooler Master Hyper 212 Plus und auch seinen Vorgänger den Alpenföhn Brocken hinter sich.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt

Bei reduzierter Spannung läuft der Lüfter so langsam, dass er kein auswertbares Tachosignal mehr an das Mainboard weitergibt.

In Anbetracht dessen, dass der Lüfter dem des Brocken sehr ähnlich ist liegt die Drehzahl im Bereich von unter 500 U/min. So reicht dieser geringe Luftdurchsatz nicht mehr aus um den übertakteten i7 zu kühlen.

Test - Single-Referenz-Belüftung (1x Scythe Kama Flex 1900)

Nun folgt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.

1.700 Umdrehungen pro Minute


Bei einem hohen Luftdurchsatz zeigt der Nordwand was in ihm steckt und so kann er sich zwei Kelvin hinter der Spitze, dem Prolimatech Megahalems platzieren.


1.200 Umdrehungen pro Minute


Mit sinkendem Luftdurchsatz lässt auch die Performance im Vergleich zu den anderen Kühlern nach und so rutscht der Nordwand einen Platz nach unten.


800 Umdrehungen pro Minute


Bei lediglich 800 U/min liegt der Kühler schon deutlich hinter dem Spitzenfeld. Man sieht doch deutlich, der Nordwand braucht Luft, viel Luft um gut zu funktionieren.


400 Umdrehungen pro Minute


Auch der Nordwand schafft es, wie 90 Prozent des Testfeldes, nicht mehr den übertakteten i7-920 ausreichend zu kühlen, wenn nur noch eine Drehzahl von lediglich 400 U/min vorhanden ist.

Test - Dual-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Der Nordwand unterstützt, wie die meisten modernen Tower-Kühler, die Montage von zwei Lüftern. So testen wir den Kühler von Alpenföhn auch mit diesem Setup.


1.200 Umdrehungen pro Minute


Bei zwei montierten Scythe Kama Flex Lüftern, welche mit 1.200 U/min arbeiten, schiebt sich der Nordwand bis auf den zweiten Platz vor. Wobei man allerdings sagen muss, dass sowohl der ThermoLab Baram wie auch der Cogage TRUE Spirit gleich auf liegen mit dem Nordwand.


800 Umdrehungen pro Minute


Bei 800 U/min rutscht der Nordwand etwas im Gesamtranking ab, liegt aber immer noch im vorderen Mittelfeld.


400 Umdrehungen pro Minute


Beim Test mit zwei Lüftern, welche mit 400 U/min arbeiten, zeigt sich das was sich in den Diagrammen bereits angedeutet hat: Der Nordwand benötigt viel Luft um gute Ergebnisse zu erzielen.

Fazit

Als der Nordwand von Alpenföhn bei uns eintraf, waren wir zuerst sehr skeptisch dem Konzept gegenüber. Fünf breite 8-mm-Heatpipes zu verbauen und diese ohne Bodenplatte den direkten Kontakt zu den kleineren Heatspreadern der CPU herstellen zu lassen? Das klang in unseren Ohren nach einem Kamikaze-Projekt, welches zum scheitern verurteilt ist. Den ersten positiven Eindruck hinterließ bereits der Lieferumfang, welcher sehr umfangreich ausfiel. So liefert Alpenföhn z.B. anstatt der lediglich benötigten acht Entkoppler für die Lüfter derer gleich zehn mit, falls doch einer kaputt gehen sollte. Auch die Verarbeitung ist besser, als sie es beim Brocken war, ist aber noch nicht perfekt. Die Montage geht ebenfalls leicht von der Hand, auch wenn das Mainboard hierfür ausgebaut werden muss. Bei den Testläufen waren wir nun mehr als positiv überrascht, dass der Nordwand so gut abschneidet. So zeigte sich, dass die beiden vermeintlich unnützen Heatpipes doch Wärme aufnehmen und an den Kühler weiter geben, jedoch benötigt der Kühler einen zu hohen Luftdurchsatz um sich konsequent in der Spitze festsetzen zu können. Beim Preis mögen sich die Geister scheiden, denn für rund 35 Euro bekommt man schon gute Kühler zu kaufen, zu hoch gegriffen ist der Kaufpreis von rund 50 Euro jedoch nicht.


Pro & Contra

Pro
+ umfangreicher Lieferumfang mit Ersatzmaterial
+ gute Verarbeitung
+ Lüfter besitzt PWM-Steuerung und wird entkoppelt montiert

Contra
- nichts


Award

Der Nordwand von Alpenföhn ist ein guter Kühler, dem zur absoluten Spitze jedoch noch etwas Leistung fehlt und auch die Verarbeitung ist zwar gut aber nicht perfekt. So verleihen wir dem Alpenföhn Nordwand unseren DeXgo-Silber-Award.
DeXgo-Silber-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Caseking.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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