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Quad-Radiatoren Roundup


Einleitung

Radiatoren für Wasserkühlungen befinden sich offenbar im Wachstum. Waren Quad-Radiatoren, welche für eine Bestückung mit vier 120-mm-Lüftern ausgelegt sind, vor einiger Zeit noch eine Seltenheit, so stehen dem geneigten Käufer inzwischen schon viele Modelle zur Auswahl. In diesem Roundup vergleichen wir sechs verschiedene 4x120-Radiatoren im Detail. Mit dabei sind: HWLabs Black Ice GTX 480, Koolance Radiator 4x120, Magicool XTREME QUAD Long, Phobya XTREME Quad 480, TFC X-Changer 480 und XSPC RX480.

Als erstes ein Vergleich der technischen Daten aller Testkandidaten:

Technische Daten:
Abmessungen:Anschlussgewinde:Schraubengewinde:Anzahl Wasserkanäle:Lamellen pro Zentimeter:
Black Ice GTX 48013,5 x 5,3 x 52 cmG1/4"M41213
Koolance 4x12012,6 x 4,4 x 53 cmG1/4"M4127
Magicool QUAD Long12 x 4,4 x 52 cmG1/4"M3145
Phobya 48025,7 x 4,5 x 24,1 cmG1/4"M3245
TFC X-Changer 48012,5 x 5,4 x 52,1 cmG1/4"M3124
XSPC RX48012,3 x 5,8 x 52,1 cmG1/4"UNC 6-32124
Verpackung und Lieferumfang
Was die Verpackung betrifft, sind sich alle Testkandidaten praktisch identisch: Jeder der Radiatoren wird in Luftpolsterfolie gehüllt in einer Kartonschachtel geliefert. Der Lieferumfang ist einzig beim TFC X-Changer bemerkenswert (siehe Bild links): Hier sind etwas Korrosionsschutz, optisch ansprechende, schwarze Schrauben, zwei Anschlüsse sowie vier Silikonrahmen für die Lüfter zu finden. Bei allen restlichen Testkandidaten besteht der Lieferumfang lediglich aus den Schrauben, die zur Montage von Lüftern benötigt werden.

Impressionen

HWLabs Black Ice GTX 480
Alle, die bereits einen unserer anderen Artikel gelesen haben, in denen ein Radiator von HWLabs vorgestellt wurde, kennen das Konzept: Hochglanzlack, schöne Formgebung, extrem knapper Lamellenabstand. Der GTX 480 ist hier keine Ausnahme.
Wie das Bild links offenbart, war bei diesem Modell die Lackierung nicht ganz perfekt, was den optischen Eindruck dieses Wärmetauschers trübte.
Koolance 4x120 Radiator
Bislang waren Koolance-Radiatoren unter "ernsthaften" WaKü-Interessierten noch kein Thema, da sie alle aus Aluminium gefertigt waren. Dies verschlechtert nicht nur die Kühlleistung, sondern macht Kreisläufe, in denen Kupfer- und Messingteile vorkommen auch noch korrosionsanfällig. Nun haben Koolance aber eine ganze Reihe neuer Radiatoren veröffentlicht, welche aus Kupfer und Messing gefertigt sind. Der Koolance 4x120 ist neben der hier gezeigten Variante mit horizontal ausgerichteten Anschlussgewinden auch in einer "herkömmlichen" Version mit vertikalen Gewinden erhältlich. Wie man auf dem Bild links sieht, legt der Hersteller auch Wert auf ein gutes Erscheinungsbild der Radiators.
Magicool XTREME QUAD Long
Der XTREME QUAD Radiator setzt, wie von Magicool gewohnt, eher auf einen erschwinglichen Preis als auf Hochglanzoptik und üppigen Lieferumfang. Auffallend ist die Blende mit ihren kleinen Stegen, welche über die Radiatorenfläche ragen. Es ist uns nicht ganz nachvollziehbar, was für einen Zweck diese Stege erfüllen sollen. Glücklicherweise sind sie so schmal, dass sie die Belüftungsfläche nur minimal einschränken. Wie auf dem Bild links zu sehen, ist die Blende deutlich spiegelnd. Da sie aber etwas verkratzt und nicht schön eben ist, reicht der Spiegelglanz nicht aus, um als "Bling-Faktor" durchzugehen.

Impressionen - Teil 2

Phobya Xtreme QUAD 480
Der wohl auffälligste unserer Testkandidaten ist der Phobya 480. Das 2x2-Format ist ungewöhnlich und klassifiziert den Phobya-Radiator für einen anderen Einsatzbereich als die restlichen Kandidaten. Während die langen Radiatoren wohl am häufigsten auf oder in Gehäusedeckeln platziert werden, so bietet sich der Phobya 480 für die Montage an einer Seitenwand oder auf dem Deckel eines Cube-Gehäuses an. Die größte Schwäche des Phobya 480 ist die Lüfterblende: Diese ist etwas unsauber verarbeitet und nimmt den Lüftern einiges an Ventilationsfläche weg. Uns wurde mitgeteilt, dass die Verarbeitungsmängel an der Blende mit der nächsten Produktions-Charge auf jeden Fall verbessert würden. Die Blende lässt sich entfernen, falls man den Radiator passiv betreiben möchte.
The Feser Company X-Changer 480
Wie Eingangs schon erwähnt, macht der Quad-Radiator von Feser mit seinem großzügigen Lieferumfang auf Anhieb einen positiven Eindruck. Der Wärmetauscher selbst bestätigt diesen Ersteindruck weiter: Gute Verarbeitung, optische Highlights durch das eingestanzte Logo und eine saubere Lackierung sprechen für sich. Wie auf dem Bild links zu sehen, ist der X-Changer mit einer Enlüftungsschraube ausgestattet. Hierzu möchten wir anfügen, dass sich der Radiator sehr schnell und problemlos entlüften lies, ohne dass wir von dieser Schraube Gebrauch machen mussten.
XSPC RX480
Der 480er-Radiator aus dem Hause XSPC wurde bereits in unserem Riesen-Radiatoren-Roundup vorgestellt. Natürlich darf er auch im heutigen Vergleichstest nicht fehlen. Zu diesem Radiator müssen wir allerdings anmerken, dass es inzwischen zu Produktionsänderungen gekommen ist: Wer einen neuen RX480 kauft, erhält ein Modell mit matt-schwarzer Lackierung und UNC 6-32 Schrauben.

Testmethode

Zum testen von Radiatoren verwenden wir einen dedizierten Kreislauf, der außer dem jeweiligen Radiator und den nötigen Messinstrumenten nur eine Laing DDC -1T+ mit einem EK X-Res Aufsatz und Heizelemente umfasst.
Es befinden sich zwei Außenheizer im Kreislauf, die theoretisch je 300 Watt Wärmeleistung ins Wasser abgeben können. Die tatsächliche Hitzelast der Heizer erreicht die 300 Watt nur knapp und kann über längere Zeiträume hinweg im Bereich von +/- 6 Watt schwanken. Deshalb wird nun mit einem Strommessgerät der tatsächliche Verbrauch der Heizer gemessen und alle 5 Minuten aufgezeichnet. Daraus errechnet sich dann die durchschnittliche Hitzelast während des Testlaufs.
Vier analoge Temperatursensoren messen die Wassertemperatur. Drei digitale Sensoren messen die Temperatur der angesogenen Luft einige Zentimeter vor den Lüftern, drei weitere Sensoren messen die Temperatur der nach dem Radi ausgestossenen Luft, wenige Zentimeter dahinter. Ein T-Balancer BigNG steuert die Lüfter und hält die Temperaturdaten im fünf-Sekunden-Intervall in einer Log-Datei fest.

Jeder Testlauf beginnt mit dem Einschalten des Heizers bzw. der Heizer und dauert 35 Minuten. Es stellt sich jeweils nach einigen Minuten eine Maximaltemperatur ein, die sich fast ohne Schwankungen hält. Um Fehlerquellen auszuschließen haben wir uns dennoch für einen relativ langen Testlauf entschieden. Die Temperaturen werden aus einem Messfenster berechnet, welches die letzten zehn Minuten des Testlaufs umfassen. Durch dieses lange Testfenster werden Ungenauigkeiten der Temperatursensoren so gut wie möglich ausgebügelt.

Als Lüfter kommen Scythe Kama Flex 1900 zum Einsatz, die unseren gesamten Drehzahlbereich von 400 bis 1600 U/min bewältigen.
Durchfluss



Was den Durchflusswiderstand betrifft, lassen sich die getesteten Radiatoren praktisch in zwei Gruppen aufteilen. Auf der einen Seite stehen der XSPC RX480, der X-Changer 480 und der Magicool QUAD Long, welche letzlich gleich auf liegen. Die kleinen Unterschiede im Durchfluss könnten ebensogut Messungenauigkeiten wie echte Unterschiede sein.
Auf der anderen Seite haben wir die "leicht restriktiven" Radiatoren von HWLabs, Koolance und Phobya. Die Differenz zwischen dem besten und dem schlechtesten Resultat beträgt in diesem Vergleich knapp 20 Prozent. Ein Unterschied ist also vorhanden, jedoch ist er nicht dramatisch.

Resultate 1

Sehen wir uns nun die erreichten Temperaturwerte bei verschiedenen Drehzahlen an. Die angegebenen Temperaturen entsprechen immer der Differenz zwischen Wassertemperatur und Umgebungstemperatur. Gemäß der Konvention geben wir die Werte in Kelvin an, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Wir gleichen alle Werte rechnerisch auf eine angenommene, konstante Hitzelast von 300 Watt an, um die leichten Schwankungen der Heizerleistung auszubügeln.


400 U/min


*Bei dieser Drehzahl musste der Testlauf mit dem Black Ice Radiator abgebrochen werden, da ab einer gewissen Wassertemperatur die Pumpe beschädigt werden kann. Die tatsächliche Temperaturdifferenz könnte höher als bei den angegeben 30 Grad liegen.








Die Ergebnisse lassen sich durchaus als "abwechslungsreich" beschreiben, da bei den unterschiedlichen Drehzahlen auch deutliche Unterschiede in der Rangreihenfolge einhergehen. So etabliert sich der XSPC RX480 klar als Favorit für langsam drehende Lüfter. Bei 1200 U/min und 1600 U/min drängt sich aber der Koolance-Radiator vor und der XSPC fällt auf die hinteren Plätze. Der Black Ice GTX 480 beginnt auch erst bei diesen höheren Drehzahlen sein Potential zu entfalten, schaffte es aber nie an die Spitze. Der Phobya Quad mit dem ungewöhnlichen Format ist bei niedrigen Drehzahlen im Mittelfeld, fällt dann aber bei höheren Drehzahlen schnell auf den letzten Platz zurück. Der X-Changer von Feser entpuppt sich als besten Allrounder: Unabhängig der Drehzahl schafft es dieser Wärmetauscher, sich stur am zweiten Rang festzuklammern.

Übersicht

Im folgenden werden C/W-Werte dargestellt. Das sind die Delta-Temperaturen zwischen Wasser und Umgebungstemperatur pro Watt Hitzelast. Die Werte sind also auf 1 Watt Hitzelast angeglichen, ähnlich wie die Werte auf den vorherigen Seiten auf 300 Watt Hitzelast angeglichen waren. Da uns hier die Verhältnisse zwischen den einzelnen Testkandidaten interessieren, spielt es keine Rolle, auf welche Hitzelast angeglichen wird.
Wie zu sehen ist, spielt es bei 500-600 U/min keine Rolle, ob ein Phobya 480, ein Koolance 4x120 oder ein Magicool Long eingesetzt wird - in diesem Bereich liegen sie alle etwa gleich auf. Außerdem ist abzulesen, dass sich der Koolance-Radiator bereits ab etwa 1000 U/min an die Leistungsspitze setzt.


Preisvergleich


Fazit und Awards


HWLabs Black Ice GTX 480

Der Radiator von HWLabs tut sich im Vergleich mit den restlichen 480er Radis etwas schwer. Klar ist, dass er mit dem sehr engen Lamellenabstand auf druckstarke Lüfter mit hohen Drehzahlen ausgelegt ist. Allerdings kann er sich nicht einmal bei 1600 U/min wirklich durchsetzen. Möglich, dass er bei noch höheren Drehzahlen aufblüht, aber wenn man sich schon vier oder mehr tosende Lüfter mit solch hohen Drehzahlen antun mag, ist dann eine Wasserkühlung überhaupt noch nötig? Hinzu kommt, dass bei diesem Modell der Lack etwas verkratzt war, wobei hier einen Ausnahmefall vermuten und dies nicht stark negativ werten. Letztlich bleibt auch angesichts des hohen Preises kein solider Kaufgrund für den Black Ice GTX 480 übrig.
Koolance 4x120 Radiator

Der Radiator von Koolance entpuppt sich als überraschend starker Kandidat. Die Verarbeitung ist erstklassig - sehr schöne Lackierung, regelmäßig gefaltete Lamellen und die markante Formgebung sprechen für sich. Dieser Wärmetauscher ist einer der flacheren Kandidaten, nimmt also nicht gar so viel Platz für sich in Anspruch, und ist dennoch leistungsmäßig mit an der Spitze dabei. Bereits ab 1000 U/min lässt der Koolance 4x120 die restlichen Testkandidaten hinter sich, womit er auch für den Einsatz in Low-Noise-Systemen geeignet ist. Außerdem betrachten wir es als Vorteil, dass der Radiator in zwei verschiedenen Varianten mit verschiedenen Anschluss-Ausrichtungen erhältlich ist. Wenn der Durchfluss noch ein bisschen optimiert werden könnte, wäre der Koolance 4x120 eindeutig der perfekte Quad-Radiator für mittlere bis hohe Drehzahlen. Zu guter Letzt muss noch erwähnt werden, dass der Radiator von Koolance einer der günstigeren im Testfeld ist.

Wir verleihen dem Koolance 4x120 den DeXgo-Gold-Award.
Magicool XTREME QUAD Long

Der Quad-Radiator von Magicool platziert sich in praktisch jeder Hinsicht im Mittelfeld: Die Verarbeitung ist nicht berauschend aber auch nicht schlecht, optisch ist der Radiator kein Highlight, aber er ist auch nicht hässlich und in der Leistung bietet er im ganzen Drehzahlbereich eine anständige Leistung, ohne je auf den letzten Platz zu fallen, oder dem Spitzenplatz wirklich nahe zu kommen. Ein großer Vorteil dieses Wärmetauschers ist sein Preis. Mit seinem Preis von 73 Euro ist der Magicool QUAD Long sogar noch günstiger als so mancher Triple-Radiator. Für alle, denen Höchstleistung weniger wichtig ist, als ein vernünftiger Preis, ist dieser Radiator eine hervorragende Wahl.

Wir verleihen dem Magicool XTREME QUAD Long den DeXgo-Bronze-Award.
Phobya Xtreme QUAD 480 Radiator

Der Radiator von Phobya hat eine große Stärke: Seine Einzigartigkeit. Dank des speziellen Formates ist dieser Wärmetauscher für manche Einsatzbereiche prädestiniert (Seitenwand von kleinen Gehäusen, LAN-Cube,...) und für andere gar nicht erst gedacht (Deckel von herkömmlichen Gehäusen). Somit sind andere Faktoren wie Leistung und Preis direkt etwas zweitrangig. Schön wäre es dennoch, wenn die Leistung etwas besser wäre. Während sich der Phobya 480 bei niedrigen Drehzahlen noch ganz gut macht, so gerät er ab ca. 600 U/min deutlich ins Hintertreffen. Auch die mangelhafte Verarbeitung der Lüfterblende trübt das Gesamtbild etwas. Dennoch ist der Phobya 480 "gut genug": Trotz der Schwächen lohnt es sich, diesen Radiator einzusetzen, wo andere Radiatoren wegen ihres Formates keinen Platz finden.
The Feser Company X-Changer 480

Der Kandidat von TFC macht in diesem Vergleich eine sehr gute Figur. Irgendwie haben es die Hersteller geschafft, den Radiator so zu gestalten, dass er in einem sehr großen Drehzahlbereich eine gute bis sehr gute Leistung erzielt. Wer ganz klar auf einen engen Drehzahlbereich "eingeschossen" ist, wird einen besseren Radiator finden können, doch für alle, die ihre Lüfter in einem breiten Drehzahlbereich, abhängig der Temperatur steuern, gibt es kaum eine bessere Wahl als den X-Changer 480. Auch die Verarbeitung und das Zubehör sind bei diesem Radiator vorbildlich. Einziger Knackpunkt ist der Preis: Die knapp 120 Euro scheinen nicht ganz gerechtfertigt, selbst in Betracht des üppigen Zubehörs (schließlich kann man sich das Zubehör nicht aussuchen).

Wir verleihen dem TFC X-Changer 480 den DeXgo-Silber-Award.
Da der XSPC RX480 bereits in einem Test abgehandelt wurde, wird er hier nicht nochmals bewertet. Unser ursprüngliches Fazit zum XSPC RX480 lässt sich hier nachlesen.

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von XSPC und Phobya.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
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