» Artikel » Reviews » Thermalright Venomous X

Thermalright Venomous X


Einleitung

Thermalright hat sich über die Jahre, in denen sie im High-End-Segment für CPU-Kühler aktiv sind einen recht guten Ruf erarbeitet. Gerade Kühler wie der kürzlich getestete IFX-14 sorgten dafür, dass lange Zeit Thermalright der Inbegriff für maximale Kühlleistung war. Nachdem es in den letzten beiden Jahren recht ruhig im Bereich der CPU-Kühler war und so einige andere Firmen mit Ihren Produkten die Leistungsspitze für sich verbuchen konnten, will Thermalright nun zurück schlagen. Der auf den Namen Venomous X getaufte Kühler - Venomous steht auch für giftig - soll wieder für das sorgen, was vor Jahren schon mal der Fall war: Klare Verhältnisse an der Performance-Spitze. Ob dies dem neusten Spross von Thermalright gelingt, klären wir auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Nutze Thermalright früher unauffällige braune Kartons als Verpackung bekommt der Venomous X eine schwarze Hülle spendiert, welche lediglich die kompatiblen Sockel auflistet. Technische Daten oder Bilder des Kühlers befinden sich keine auf der Verpackung. Der Kühler ist nochmals durch stabile Schaumstoffpolster geschützt, der Lieferumfang befindet sich in einer separaten Schachtel im Karton.
In diesem Karton des Lieferumfanges befindet sich neben dem Montagematerial für die unterstützten Intel-Sockel noch eine Tube Chill Factor 2 Wärmeleitpaste, vier Haltebügel für zwei optionale Lüfter, vier Silikonstreifen zur Entkopplung der Lüfter, ein Thermalright Aufkleber sowie eine Montageanleitung und ein Packzettel. Ein Lüfter befindet sich nicht im Lieferumfang.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):161 x 127 x 63 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):780 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe vernickelt, Kupfer Boden vernickelt, Aluminium Lamellen vernickelt
Anzahl Heatpipes:6x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:47
Lamellenabstand:1,7 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:2x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:0
Lüfterdrehzahl:-
Fördermenge:-
Lüfter Leistungsaufnahme:-
Lautstärke:-
Besonderheiten:vernickelt, verlötet, Anpressdruck einstellbar
Kompatibilität:Intel 775, 1156, 1366
AMD -
Preis:60 Euro (Stand Januar 2010)

Der Kühler im Detail

Der Venomous X von Thermalright ist ein Tower-Kühler im klassischen Sinne. Mit einer Höhe von 161 Millimetern gehört er dabei zu den größten seiner Gattung. Die Breite beträgt 127 Millimeter, was für einen Kühler der nur 120-mm-Lüfter aufnehmen kann noch im Rahmen liegt. Zum Vergleich: Der IFX-14 ist ganze 20 Millimeter breiter.
Beim Design der Lamellen nutzt Thermalright wieder die Abkantungen, die wir schon vom Cogage Arrow kennen und auch schon beim Thermalright Ultra-120 eXtreme in ähnlicher Form zu sehen waren. Durch die Erhebungen an den Rändern der Lamellen sitzt der montierte Lüfter sehr sicher und kann nicht zu den Seiten wegrutschen.
Für die Wärmeweiterleitung verbaut Thermalright beim Venomous X insgesamt sechs 6-mm-Heatpipes. Diese sind mit den Lamellen verlötet und in zwei Reihen zu je drei Heatpipes je Seite angeordnet.
Um dem 63 Millimeter tiefem Kühler noch mehr Stabilität zu verleihen sind die 0,5 Millimeter dicken Aluminium-Lamellen an den Seiten ineinander verhakt.
Die 47 Lamellen, welche für die Wärmeabfuhr sorgen, haben einen Abstand von 1,7 Millimetern zueinander.

Der Kühler im Detail
Wie wir bereits erwähnten kommen beim Venomous X insgesamt sechs 6-mm-Heatpipes zum Einsatz. Diese sind, wie der gesamte Kühler, silber vernickelt, was allerdings vor dem verlöten mit den Lamellen geschehen ist.
Gut erkennbar ist dies an den Lötrückständen, welche sich auf der Unterseite der letzten Lamelle befinden. Dort finden sich an mehreren Stellen Rückstände vom Flussmittel und auch vom Lötzinn. Im eingebauten Zustand sind diese Stellen nicht zu sehen.
Den Kühlerboden schützt während des Transportes eine Folie. Wird diese entfernt kommt eine stark spiegelnde Bodenplatte zum Vorschein. Bei früheren Kühlern wurde auf diese optische Aufwertung des Bodens verzichtet.
Nicht geändert hat sich jedoch an die Beschaffenheit des Kupferbodens. Auch beim Venomous X ist der Boden nicht plan sondern, sowohl quer wie auch längs zu den Heatpipes, nach Außen gewölbt.
Mussten bei früheren Kühlern die Halteklammern immer noch hinter den Kühler eingehakt werden nutzt Thermalright beim Venomous X endlich eine einfachere und deutlich besser handhabbare Befestigung. So werden die Haltebügel in den Kühler gesteckt und können so nicht verrutschen. Die Lüfter werden anschließend einfach eingehakt.
Aufnehmen kann der kühler maximal zwei Lüfter im 120-mm-Format. Ob diese eine Tiefe von 25 Millimeter oder mehr besitzen ist irrelevant, da die Montage im Lüfter statt findet. Wichtig ist hierbei nur, dass die Lüfter keinen durchgängigen Steg besitzen. Die Montage von 140-mm-Lüftern ist von Thermalright nicht vorgesehen.

Die Montage

Ein Highlight des Kühlers ist das neue Befestigungssystem, welches leider nur Nutzern mit dem Intel-Sockeln 775, 1156 und 1366 vorenthalten bleibt. Grundlage hierfür bildet eine Sockelhalterung, wie wir sie bei vielen anderen Kühlern bereits gesehen haben. Mit Hilfe einer Backplate wird ein Metallgestell an das Mainboard geschraubt. Dieses wiederum bietet den Halt für den Haltebügel mit dem der Kühler befestigt wird. Soweit nichts wirklich Neues oder Aufregendes. Interessant wird es jedoch bei der Stellschraube, welche sich zentral in der Halterung befindet. Durch diese Schraube kann der Anpressdruck stufenlos zwischen 40 und 70 Pfund eingestellt werden. Die Theorie dahinter: Je höher der Anpressdruck, desto besser die Temperaturen. In wie weit sich dies bewahrheitet klären wir gleich.
Wird der Kühler so ausgerichtet, dass der Lüfter zur Gehäuse-Rückseite bläst, so treten keine Probleme auf unserem Testmainboard auf. Der Abstand zu den RAM-Steckplätzen ist hierbei ausreichend, um auch Speicher mit hohen Heatspreadern unterbringen zu können. Auch zur Northbridge ist genügend Freiraum vorhanden.
Bei der horizontalen Ausrichtung überdeckt der Kühler den ersten RAM-Slot und blockiert diesen für hohe Heatspreader. Arbeitsspeicher mit normaler Bauhöhe passt ohne Probleme.

Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- Asus P6T
- Intel Core i7 920 übertaktet auf 3GHz bei 1,25 Volt
- takeMS take3 DDR3-1333
- Sparkle GeForce 8800GTS 320MB
- Samsung HD501LJ
- Enermax LibertyECO 620W
- Scythe Kaze Master Ace

Der Testaufbau und Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er Schritten.

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Scythe Kaze Master Ace (Review) auf die Drehzahlen 1700, 1200, 800 und 400. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1200, 800 und 400 Umdrehungen mit einem Scythe Kaze Maru Lüfter getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen insgesamt vier Testläufe über sich ergehen lassen. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool CPUTempWatch 1.0.8. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in kurzem Abstand vor dem Lüfter mit Hilfe eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten (über 12.000 einzelne Daten) errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.
Testergebnisse - Übersicht

Wie wir auf der vorherigen Seite erklärten kann der Anpressdruck des Kühlers variiert werden. Natürlich wollten wir auch testen, ob sich die Temperatur überhaupt verändert und wenn ja in welchem Umfang dies geschieht. Relativ schnell zeigte sich, dass es einen Unterschied zwischen komplett angezogener Schraube und komplett gelöster Schraube gibt. Im Mittel lag der Unterschied bei rund 1,5 Kelvin. Dies mag auf den ersten Blick nicht viel sein, kann aber teilweise den Unterschied zwischen Platz eins oder Platz fünf in unseren Rankings bedeuten. Alle Werte, die wir vom Venomous X in den folgenden Diagrammen zeigen beziehen sich auf die erreichten Werte mit maximalem Anpressdruck.


Ohne Serienbelüftung und ohne die Möglichkeit einen 140-mm-Lüfter aufzunehmen beschränkt sich die Übersicht auf sieben Werte. Gut zu erkennen ist, dass ein zweiter Lüfter, selbst im Drehzahlbereich von 1.200 U/Min noch eine Verbesserung der Temperatur um fast zwei Kelvin bringt.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Als ersten Test kommt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.


1.700 Umdrehungen pro Minute


Bei hoher Drehzahl schafft es der Venomous X von Thermalright sich auf einen guten dritten Platz zu setzen. Lediglich die beiden Twin-Tower-Kühler von Cogage und Noctua liegen hier vor dem Venomous X.


1.200 Umdrehungen pro Minute


Bei 1.200 U/Min rutscht der Venomous X einen Platz nach vorne und ist quasi gleich auf mit dem Noctua NH-D14.


800 Umdrehungen pro Minute


Bei 800 U/Min schafft es der Venomous X sich am Prolimatech Megahalems vorbei zu schieben, welcher lange die Spitzenposition inne hatte.


400 Umdrehungen pro Minute


Im letzten Test mit einem Lüfter, mit lediglich 400 U/Min scheitert der Venomous X knapp und muss so leider dem Prolimatech Megahalems das Feld überlassen.

Test - Dual-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Nach den Testläufen mit einem 120-mm-Lüfter folgen die Testläufe mit doppelter Bestückung.


1.200 Umdrehungen pro Minute


Beim Test mit zwei Lüftern, mit jeweils 1.200 U/Min, liegt der Thermalright Venomous X auf dem dritten Platz und platziert sich zwischen den Twin-Tower-Kollegen von Cogage, Noctua und Thermalright.


800 Umdrehungen pro Minute


Wie auch mit einem Lüfter, so ist der Venomous X auch mit zwei Lüftern bei 800 U/Min das Maß aller Dinge. Der Vorsprung zum Cogage Arrow und zum NH-D14 ist sehr gering.


400 Umdrehungen pro Minute


Die Kühlleistung mit zwei Lüftern bei 400 U/Min ist nicht überragend und so findet sich der Kühler so ziemlich genau in der Mitte des Testfeldes wieder.

Test - i7-920 @ 3GHz @ 1,4 Volt - Vorwort

Beim Cogage Arrow eher als Nebenprodukt mit eingebracht haben wir uns dazu entschlossen, alle neuen Kühler, welche sich durch gute Leistungen in den Standard-Tests ausgezeichnet haben, einem weiteren Setup zu unterziehen. Während die verwendete Hardware die gleiche bleibt, haben wir die Spannung des Prozessors von 1,25 Volt auf 1,4 Volt erhöht.
Der Zweck dieser Vergleiche ist es, zu sehen wie die Kühler unter verschärften Bedingungen zu recht kommen und wie große die Differenzen der Kühler untereinander sind.


Test - i7-920 @ 3GHz @ 1,4 Volt - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

1.500 Umdrehungen pro Minute


Mit einem Lüfter ausgestattet, welcher mit 1.500 U/Min arbeitet, landet der Venomous X auf einem guten zweiten Platz. Lediglich der Cogage Arrow kann sich hierbei noch vor dem Thermalright Venomous X platzieren.

1.000 Umdrehungen pro Minute


Bei 1.000 U/Min ist es der Venomous X, der den Spitzenplatz inne hat, ihm dicht auf den Fersen ist der Prolimatech Megahalems.


Test - i7-920 @ 3GHz @ 1,4 Volt - Dual-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

1.500 Umdrehungen pro Minute


Der zweite Lüfter mit 1.500 U/Min ändert nicht viel an der Reihenfolge im Testfeld. Wieder liegt der Venomous X auf einem guten zweiten Platz, wobei wir sagen müssen, dass die Differenzen zwischen den Kühlern insgesamt sehr gering sind.

1.000 Umdrehungen pro Minute


Wie auch mit einem Lüfter kann der Venomous X sich auch mit zwei Lüftern bei 1.000 U/Min an die erste Stelle setzen.

Fazit

Beim Venomous X geht Thermalright teilweise neue Wege, teilweise behalten Sie aber auch ihre alten Sünden bei. Bei der Verpackung hat sich der Stil leicht geändert, statt bekanntem Braun ist man zu Schwarz gewechselt, schlicht geblieben ist die Verpackung dennoch. Das was die Verpackung jedoch machen soll, den Kühler während des Transportes schützen macht sie gut. Beim Lieferumfang fällt sofort auf, dass kein Lüfter beiliegt und auch das Montagematerial für die AMD-Sockel fehlt. Schade, denn dies sind die einzigen beiden wirklichen "Kritikpunkte". Im Vergleich zum Megahalems, bei welchem es genau so war, besteht beim Venomous X aber die Möglichkeit auf ein verfügbares Montagekit für AMD zurück zu greifen. Die Verarbeitung ist bis auf Kleinigkeiten an der untersten Lamelle so wie man es von Thermalright erwartet - nahezu perfekt. Und auch die Montage funktioniert super. Zwar kostet diese durch den mehrteiligen Aufbau etwas mehr Zeit, dies hält sich aber in Grenzen und spätestens bei der Änderung der Ausrichtung des Kühlers lohnt sich der Aufwand. Das Gimmick mit dem verstellbaren Anpressdruck will uns allerdings nicht ganz einleuchten. Wenn Thermalright weiß, dass ein höherer Druck bessere Temperaturen bringt, wieso wird dann die Halterung nicht gleich so modifiziert, dass der maximale Druck anliegt? Entscheidend für uns ist aber, dass es funktioniert und die gezeigten Leistungen sehr gut sind. Lediglich bei 400 U/Min, mit einem und zwei Lüftern, fühlt sich der Kühler nicht ganz so wohl, die restlichen Werte, inklusive des Performance-Setups, sprechen aber eine deutliche Sprache. So kann der Kühler durch die Bank weg überzeugen und liefert die gleichen und teils besseren Werte als die größeren Twin-Tower-Kühler. So ist der Kühler, auch wenn er mit 60 Euro nicht der günstigste ist, ein sehr gutes Gesamtprodukt welches lediglich Abzüge in der B-Note, in Form der fehlenden AMD-Befestigung, besitzt.


Pro & Contra

Pro
+ bietet Platz für bis zu zwei Lüfter
+ sichere und einfache Montage
+ sehr gute Verarbeitung
+ gute bis sehr gute Testergebnisse

Contra
- kein Lüfter im Lieferumfang enthalten
- keine Halterung für AMD-System beiliegend


Award

Bei der Vergabe des Awards haben wir uns dieses mal etwas schwer getan. Für Intel-Anwender, welche keinen Twin-Tower-Kühler verbauen wollen oder können gibt es momentan nichts besseres und so verdient sich der Venomous X zurecht hier den DeXgo-Gold-Award. Getrübt wird das Bild jedoch bei der Betrachtung für AMD-Anwender, da diese unnötig mehr Geld ausgeben müssen um den Kühler montieren zu können und gleichzeitig auch die Option für den verstellbaren Anpressdruck nicht vorhanden ist.
DeXgo-Gold-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von PC Cooling.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
Weitere Informationen findest du in diesem » Forum Thread