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Scythe Rasetsu


Einleitung

Wer den Namen Scythe in Zusammenhang mit CPU-Kühlern hört, wird unweigerlich an gute Kühler zu günstigen Preisen denken. Ob als Tower-Kühler oder im Top-Flow-Segment, ob für 140-mm-, 120-mm- oder 92-mm-Lüfter, Kühler gibt es für so gut wie jeden Geschmack von dem japanischen Unternehmen. Mit dem Rasetsu stellt man nun quasi den Top-Flow-Ableger des erfolgreichen Yasya vor. Ob der neue Rasetsu ebenfalls so erfolgreich wird wie der Yasya, hängt nicht zu Letzt von der gebotenen Leistung ab. In wie weit der Kühler hierbei überzeugen kann, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Bei der Verpackung setzt Scythe wieder auf einen bunt bedruckten Pappkarton, welcher neben diversen Bildern des Kühlers auch die technischen Daten auf sich beherbergt. In der Verpackung befindet sich der Kühler durch mehrere Stücken Pappe geschützt, jedoch nicht vor Stößen gepolstert.
Der Lieferumfang fällt knapp aus, umfasst aber alles für den Betrieb des Kühlers auf den unterstützten Sockeln. Neben dem entsprechendem Montagematerial, Wärmeleitpaste und einer kurzen Bedienungsanleitung ist natürlich auch der Kühler sowie ein 120-mm-Lüfter im Lieferumfang enthalten.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):108 x 139 x 130 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):605 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe, Kupfer Boden vernickelt, Aluminium Lamellen
Anzahl Heatpipes:6x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:30, 22
Lamellenabstand:1,5 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:1x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:1x 120 Millimeter
Lüfterdrehzahl:470 - 1.900 U/min
Fördermenge:187,00 m³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:7,2 Watt
Lautstärke:37 dB(A)
Besonderheiten:PWM-Lüfter (regelbar)
Kompatibilität:Intel 775, 1156, 1366
AMD AM2, AM2+, AM3
Preis:ca. 35 Euro (Stand September 2010)

Der Kühler im Detail

Der Rasetsu ähnelt dem im März vorgestellten Yasya stark. So setzt auch der Rasetsu auf die T.M.L.F.S. getaufte Lamellenstruktur. Durch dieses spezielle Lamellendesign soll der Ansaugvolumentstrom maximiert werden, was der Kühlleistung wiederum zu Gute kommen soll. Für den Luftdurchsatz sorgt ein 120-mm-Lüfter der Slip Stream-Serie. Dieser ist erneut mit einem PWM-Anschluss ausgestattet und besitzt zudem noch ein Potentiometer, mit Hilfe dessen der Regelbereich der PWM-Steuerung angepasst werden kann.
Während der Yasya diese Struktur in Tower-Form präsentiert ist der Rasetsu ein Top-Flow-Kühler. Gerade im Bereich der Bauhöhe kann so deutlich Platz eingespart werden und so ist der Kühler ohne Lüfter lediglich 108 Millimeter hoch. In der Breite nimmt der Kühler 139 Millimeter ein, in der Tiefe sind es 130 Millimeter. Um den Sockel drum herum sollte also etwas Platz vorhanden sein.
Beim Blick von der Seite erkennt man gleich mehrere Dinge. Zum einen ist gut zu sehen, dass der Kühler komplett offen gestaltet wurde. So kann die Luft an den Seiten den Kühler verlassen. Dies hat zum Vorteil, dass die Luft sich nicht so schnell im Kühler stauen kann, theoretisch kann aber die Kühlleistung bei höheren Drehzahlen etwas darunter leiden, da die Luft nicht mehr durch den gesamten Kühler strömt. Neben der offenen Seiten ist auch der nicht symmetrische Aufbau ersichtlich. Ebenso gut zu sehen sind die Bügel, welche den verbauten Lüfter auf dem Kühler halten.
Im direkten Vergleich mit dem Yasya erkennt man, dass beide Kühler doch nicht so gleich sind wie es auf den ersten Anschein wirkt. Zwar wurde das Lamellendesign beibehalten und auch nominell haben beide Kühler die gleiche Anzahl an Heatpipes, sechs 6-mm-Rohre an der Zahl. Jedoch ist sowohl die Anordnung der Heatpipes unterschiedlich, als auch die Anzahl der verbauten Lamellen (52 beim Rasetsu, 54 beim Yasya) und der Lamellenabstand (1,5 zu 1,6 Millimeter).

Der Kühler im Detail

Ohne Lüfter wiegt der Rasetsu 605 Gramm. Auch erkennt man nach der Demontage des Lüfters die nicht symmetrische Aufteilung der Lamellen. So ragt der Kühler an einer Seite weiter über die Bodenplatte als auf der anderen Seite. Das Bild rechts als Grundlage befinden sich 30 Lamellen auf der linken Seite, 22 auf der Rechten. Die Lücke zwischen beiden Lamellenblöcken wird durch die Heatpipes, welche von der Mitte aus in die Lamellen gehen, verursacht.
Ein kleines Manko, welches Kühlern aus dem Hause Scythe immer mal wieder anlastet, sind die leicht verbiegbaren Lamellen. So ist bei unserem Exemplar, wohlgemerkt an nur einer Seite, ein Teil der Lamellen leicht verbogen. Ursache hierfür ist die recht straf sitzende Halterung für den Lüfter. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl lässt sich dies aber leicht korrigieren.
Kopf herum aufgestellt wird die Anordnung der Heatpipes gut sichtbar und auch die T.M.L.F.S.-Struktur erkennt man recht deutlich. Auf den passiven Kühlkörper über der Bodenplatte hat Scythe auch beim Rasetsu nicht verzichtet.
Die Bodenplatte ist während des Transports durch eine dicke, leicht zu lösende Folie geschützt. Diese lässt sich ohne Rückstände entfernen und zum Vorschein kommt die spiegelnde Bodenplatte aus Kupfer, welche vernickelt wurde. Die Verarbeitung ist hier, wie auch am gesamten Kühler - die einzelnen verbogenen Lamellen ausgenommen - sehr ordentlich.

Die Montage

Der Scythe Rasetsu wird wieder mit Hilfe von Push-Pins befestigt. Diese reichen bei diesem Kühler auch vollkommen aus, lassen sich auf Grund der Abmessungen aber wieder nur schwer erreichen. Gerade auf der Seite, auf der der Kühler weiter über die Bodenplatte ragt, ist das arretieren der Halterung eine kleine Herausforderung.
Wird der Kühler so montiert, dass die Heatpipeenden waagerecht verlaufen, so treten wenige Kompatibilitätsprobleme auf. Voraussetzung hierfür ist, dass die Seite des Kühlers mit der größeren Fläche zur Gehäuserückwand zeigt.
Beim senkrechten Aufbau überragt der Kühler einen RAM-Steckplatz komplett. Arbeitsspeicher ohne oder mit recht flachem Heatspreader passen hierbei immer noch in den Slot, bei Speicher mit hohem Heatspreader wird es unter Umständen zu Problemen kommen.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick bringt welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Dem Rasetsu ist der genutzte Slip Stream wie auf den Leib geschneidert. Überzeugt sonst meist unser Kama Flex und übertrumpft die mitgelieferten Lüfter, so zeigt sich dieses mal, dass der Original-Lüfter keineswegs ausgetauscht werden muss. Zumindest ist dies der Fall, wenn nur die Kühlleistung eine Rolle spielt.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


Bei voller Drehzahl, in diesem Fall sind dies rund 1.875 U/min, ist nämlich nicht nur die Kühlleistung gut, sondern leider der Lüfter auch laut. Dennoch zeigt der Rasetsu deutlich, dass der Boxed-Kühler kein wirklicher Konkurrent für ihn ist.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Beim Betrieb mit fünf Volt erreicht der Lüfter, welchen wir stets auf der Einstellung "High" betrieben haben, noch 1.050 U/min. Die Kühlleistung kann dabei immer noch überzeugen und der Prozessor wird in recht kühlen Gefilden gehalten.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Da der Scythe Rastsu nur 120-mm-Lüfter unterstützt, besteht unser Referenz-Vergleich dieses mal nur aus den Testläufen mit einem Scythe Kama Flex 1900.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute



Beim Vergleich mit gleicher "Bewaffnung" muss sich der Rasetsu knapp dem Scythe Zipang 2 geschlagen geben. Während die Differenz bei 1.850 und 1.300 U/min noch sehr gering ausfällt, beträgt der Rückstand bei 700 U/min schon sechs Kelvin. Der im Vergleich kleine Prolimatech Samuel 17 ist beiden Konkurrenten nicht gewachsen, ist er ja auch für eine andere Zielgruppe bestimmt.

Fazit

Scythe beschreitet mit dem Rasetsu nicht so viele neue Wege. Bis auf das Design, welches ja aber auch schon vom Yasya bekannt war, ist der Rasetsu ein typischer Top-Flow-Kühler von Scythe. Verpackung und Lieferumfang fallen so aus, wie man es gewohnt ist: Knapp bemessen aber für den ordnungsgemäßen Betrieb vollkommen ausreichend. Die Verarbeitung des Kühlers ist insgesamt gut, weißt aber leider die Probleme auf, von denen Scythe Kühler des öfteren mal betroffen sind. So sind die Lamellen an einer Stelle leicht zusammen gedrückt. Und auch die Montage ist alt bekannt. Mit der werkzeuglosen Anbringung der Haltesysteme ist noch der leichte Teil erledigt, gerade bei der Montage auf Intel-Systemen sind die Push-Pins aber teilweise schlecht erreichbar. Ist diese Hürde erst einmal genommen, kann der Spaß allerdings losgehen. Mit soliden bis guten Testergebnissen ist der Rasetsu in der Lage jede aktuelle CPU problemlos und auch leise zu kühlen. Mit einem Preis von rund 35 Euro liegt er so, wie er leistungstechnisch ebenfalls einzuordnen ist: Im Mittelfeld.


Pro & Contra

Pro
+ gute Verarbeitung (mit einem kleinen Makel)
+ ordentliche Testergebnisse
+ Lüfter kann per PWM und Potentiometer geregelt werden
+ ordentlicher Lieferumfang

Contra
- Lautstärke auf zwölf Volt
- Montage etwas kniffelig


Award

Der Scythe Rasetsu verfehlt nur knapp unseren DeXgo-Silber-Award und bekommt für die gezeigten Leistungen unseren DeXgo-Bronze-Award.
DeXgo-Bronze-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Scythe.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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