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Spire Gemini SP986B1-V2-P


Einleitung

Spire stellt in regelmäßigen Abständen neue Kühler für High-End-Prozessoren vor, welche sich nicht mehr hinter der Konkurrenz verstecken müssen. Mit dem TherMax Eclipse II tat Spire sogar etwas für die Optik und vernickelte den gesamten Kühler schwarz. Der neuste Spross, welcher ebenfalls komplett schwarz vernickelt ist, hört auf den Namen Gemini (zu Deutsch "Zwillinge"), besitzt nun ganze sechs 6-mm-Heatpipes und seine Kühlfläche unterteilt sich in zwei separate Türme, welche wohl auch für die Namensgebung verantwortlich sind. Den Spire Gemini gibt es in insgesamt drei Varianten, welche sich in der Belüftung bzw. dessen Steuerung unterscheiden. Die bei uns im Test befindliche Version SP986B1-V2-P ermöglicht die Steuerung der beiden BlackStar-Lüfter durch das PWM-Signal. Wie sich der Spire Gemini SP986B1-V2-P bei uns schlägt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Dunkelrot und Schwarz sind die beiden primären Farben, in denen die Verpackung des Spire Gemini gehalten sind. Ein Sichtfenster in der Vorderseite ermöglicht einen kleinen Blick auf einen der beiden Lüfter und den dahinter befindlichen Kühler. Auf der Verpackung sind in englischer Sprache einige technische Informationen aufgelistet und auch die erstandene Version (V2, V2-2P oder V2-P) ist leicht erkennbar.
Zum Lieferumfang des Gemini SP986B1-V2-P gehören der Kühlturm selbst, zwei Lüfter der BlackStar-Serie, vier Lüfter-Haltebügel, das Montagematerial, eine Tube Wärmeleitpaste sowie eine Montageanleitung. Den beiden anderen Versionen liegt jeweils noch eine Lüftersteuerung zur Regelung der entsprechenden Lüfter bei.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):157 x 130 x 72 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):865 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe vernickelt, Kupfer Boden vernickelt, Aluminium Lamellen vernickelt
Anzahl Heatpipes:6x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:2x 46
Lamellenabstand:1,7 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:2x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:2x 120 Millimeter
Lüfterdrehzahl:1.700 U/min
Fördermenge:120,83 m³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:1,8 Watt
Lautstärke:25 dB(A)
Besonderheiten:vernickelt, 2-Lüfter, PWM-Lüfter
Kompatibilität:Intel 775, 1156, 1366
AMD 939, 940, AM2, AM2+, AM3
Preis:45 Euro (Stand Februar 2011)

Der Kühler im Detail

Der Spire Gemini wirkt durch die glänzende schwarze Nickelschicht sehr kraftvoll und massiv. Insgesamt sechs Heatpipes mit einer Stärke von jeweils sechs Millimetern verbaut Spire im Kühler. Mit jeweils 46 Aluminium-Lamellen ausgestattet ragen die beiden separaten Kühltürme wie Wolkenkratzer in die Höhe und so wirkt der Kühler recht groß, dabei misst er in der Höhe nur 157 Millimeter. Durch die Wölbungen an den Seiten kommt der Gemini auf eine Breite von 130 Millimetern, tief ist er stattliche 72 Millimeter.
Das Gewicht schraubt sich durch den reichlichen Material-Einsatz auf beachtlich 865 Gramm hoch, hiermit liegt der Kühler im oberen Bereich unseres Testfeldes. Platz bietet der Gemini für zwei 120-Millimeter-Lüfter.
Die Heatpipe-Enden sind durch Kappen verdeckt. Generell können wir sagen, dass die Verarbeitungsqualität über dem liegt, was wir noch beim TherMax Eclipse II gesehen haben. Verbogene Lamellen oder Unsauberkeiten bei der Vernickelung sind keine vorhanden. Das Oberflächenfinish ist generell sehr gut gelungen, einzig die mit kleinen Dellen versehene Oberfläche der Lamellen will nicht ganz zu dem guten Gesamteindruck passen, ist von Spire in ihrer Beschaffenheit aber so gewollt.
Die beiden Kühltürme sind sowohl an den äußeren Seiten, als auch an den Innenseiten verschlossen. So wird die Luft durch den Kühlturm gezwungen und kann schwer bzw. gar nicht seitlich entweichen. Gerade bei niedrigen Drehzahlen kann dies aber zu Problemen führen, da der Abstand vom Kühler zum Lüfter teilweise recht groß ist.
Wenn der Kühler liegt erkennt man auch wieso das der Fall ist. Durch die geschwungene Form der Lamellen entstehen am Rand Erhebungen, auf denen der Lüfter aufliegt. Im Zentrum des Kühlers verjüngt sich der Aufbau aber so stark, dass dort der Abstand zwischen Lüfter und Kühler bei rund zehn Millimetern liegt. So kann es dort durchaus sein, dass ein Großteil der vom Lüfter beschleunigten Luft nicht den Weg durch die, in einem Abstand von 1,7 Millimetern zueinander befestigten, Lamellen findet, sondern durch den rund sieben Millimeter großen Spalt in der Mitte des Kühlers entweicht.

Der Kühler im Detail

Auf der Bodenplatte befindet sich ein kleiner zusätzlicher Kühlkörper, welcher neben einem zusätzlichen Kühleffekt auch für eine schönere Optik sorgt, da die Bodenplatte nicht so leer ist. Unter dem kleinen Kühler befinden sich direkt die sechs Heatpipes, welche versetzt in den Kühler gehen. Die Grundplatte zur Montage ist beim Spire Gemini fest mit dem Kühler verbunden und wird bei allen unterstützten Sockeln verwendet.
Auf eine Schutzfolie während des Transportes verzichtet Spire beim Gemini, der Boden bei unserem Testexemplar ist dennoch tadellos geblieben. Nicht stark spiegelnd aber absolut plan zeigt sich die Bodenplatte aus Kupfer.
Eingangs erwähnten wir schon die BlackStar-Lüfter, welche im Doppelpaket beiliegen. Mit maximal 1.700 U/min arbeiten die Lüfter - für Spire-Verhältnisse - recht langsam und gehen im Betrieb auch deutlich leiser zu Werke, als es die beiden mit 2.200 U/min arbeitenden Lüfter des Spire TherMax Eclipse II getan haben. Dennoch bleibt die Kühler-Lüfter-Kombination deutlich hörbar. Ausgestattet sind die beiden Lüfter mit einem PWM-Stecker, der die Regelung über Mainboards mit entsprechender Steuerung und BIOS unterstützt. Auch mit Schaumstoff-Entkopplern sind die Lüfter ausgestattet, seltsamer Weise besitzen beide Lüfter diese auf der Hinterseite. Eine kurze Information seitens Spire sorgte aber für Klärung, so handelt es sich hierbei um einen Fehler, welcher nur die Vorproduktions-Samples betrifft, welche an die diversen Redaktion weltweit gingen. Die Serien-Kühler besitzen die Entkoppler auf der korrekten Seite.
Obwohl der Gemini die gleiche Kerbe besitzt wie der TherMax Eclipse II werden die Lüfter nicht durch Gummientkoppler befestigt sondern mit Hilfe von Drahtbügeln. Diese sind für unseren Geschmack deutlich zu straff konzipiert. Dadurch werden die Entkoppler wiederum ad absurdum geführt, da sie nahezu komplett platt gedrückt werden. Beim TherMax Eclipse II wurde dies deutlich besser gelöst.
Sind beide Lüfter montiert zeigt sich der Gemini in seiner wahren Pracht und mit seinen wirklichen Ausmaßen. Als klein ist der Kühler nun jedenfalls nicht mehr zu betrachten.

Die Montage

Leider setzt sich bei der Montage des Kühlers das fort, was schon bei den Lüftern angefangen hat. Die Backplate lässt sich noch wunderbar mit den mitgelieferten Schrauben und Muttern zusammenbauen. Problematisch wird es, sobald die Muttern mit den Federn ins Spiel kommen. Diese weisen gleich zwei recht unschöne Probleme auf. Zum einen sind die Federn so stark und auch lang, dass es nur schwer ist genügend Druck auszuüben und diese auf den Schrauben zu fixieren. Ist dies mit allen vier Muttern geschehen tritt aber schon das nächste Problem auf, welches wir durch vier einfach Unterlegscheiben gelöst haben. Die Federn verhaken sich nämlich in der Halterung und lassen sich anschließend nur unter hohem Kraftaufwand weiter drehen. Ist dieses Problem gelöst, sollte aber vermieden werden die Schrauben bis zum Anschlag anzuziehen. Nicht weil dieser viel zu spät greift, sondern weil die Federn einfach viel zu kraftvoll arbeiten und so sogar die Halterung am Kühler leicht verbiegen kann. Auch die Montage wurde beim TherMax Eclipse II besser gestaltet, alleine aus dem Grund, da die Federn deutlich sanfter waren.
Zum Netzteil ausgerichtet überragt der Kühler einen Speicher-Steckplatz und verhindert dort die Montage von Arbeitsspeicher mit hohem Heatspreader.
AMD-Nutzern steht die Ausrichtung nicht frei, die einzig mögliche Variante ist die, bei der der Kühler in Richtung der Gehäuse-Rückseite die Luft befördert. So montiert ist auf unserem Mainboard die Montage von Arbeitsspeicher mit hohem Heatspreader in allen Speicher-Bänken möglich, solange die Kühlkörper nicht in die Breite gehen.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick darüber bringt, welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Der Gemini skaliert durchgängig sehr gut und profitiert auch bei hohen Drehzahlen noch von einem zweiten Lüfter. Drehzahlen unterhalb der 1.000 U/min würden wir beim Betrieb jedoch nicht anraten, da hier die Temperaturen doch schon recht hoch steigen und dies für den Dauerbetrieb nicht so gut geeignet ist.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


Die beiden Lüfter erzeugen bei zwölf Volt ordentlich Luft und Geräusche, sind aber nur als deutlich hörbar einzustufen. Die Kühlleistung liegt hierbei in einem akzeptablen Bereich, wir hätten wegen der zwei Lüfter jedoch noch das eine oder andere Kelvin weniger erwartet.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Bei fünf Volt Betriebsspannung bleiben die BlackStar-Lüfter stehen und somit ist auch klar, dass der Gemini hier - wie viele andere Kühler - den Test nicht besteht.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Als erster Test kommt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute


Bautechnisch dem Vorgänger des Gemini quasi gleich ist der Alpenföhn Nordwand und so schauen wir natürlich gerade dort, in wie weit sich der Gemini verbessert hat. So liegt der Gemini teilweise über vier Kelvin vor dem Nordwand. Im Gesamtranking schneidet der Gemini aber unterdurchschnittlich ab, gerade bei 700 U/min ist das eingetroffen, was wir anhand der Konstruktion schon erahnt haben.

Test - Dual-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Nach den Testläufen mit einem 120-mm-Lüfter folgen die Testläufe mit doppelter Bestückung.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute


Mit zwei Lüftern ist die Performance des Spire Gemini im Gesamtvergleich schon deutlich besser, die Problematik bei langsamen Lüftern bleibt jedoch vorhanden. Bei höheren Drehzahlen platziert sich der Kühler aber im guten Mittelfeld und erreicht dabei die Werte des Alpenföhn Matterhorn.

Fazit

Der Spire Gemini wird gut verpackt und mit reichlich Infos versehen ausgeliefert. Leider sind sowohl die Informationen auf der Verpackung, als auch die Montageanleitung nur in Englisch verfasst. Der Lieferumfang ist in Ordnung und umfasst alles, was zum Betrieb des Kühlers benötigt wird, hervorheben kann man hier sogar dass zwei Lüfter mit PWM-Unterstützung beiliegen. Bei der Verarbeitung des Gemini können wir absolut nichts aussetzen, keine Lamelle ist verbogen, die Nickelschicht ist ordentlich aufgetragen und beim Design bietet der Kühler mal etwas Neues. Geht es dann um den Betrieb des Kühlers stören gleich mehrere Dinge. So ist hier unter anderem die Montage der Lüfter zu nennen. Auch die Montage des Kühlers selbst wird durch Kleinigkeiten eine unnötig komplizierte Angelegenheit. So sind die Federn für unseren Geschmack zu kräftig und vier Unterlegscheiben würden die Montage deutlich erleichtern. Bei den Testergebnissen gibt es zwei Seiten zu betrachten. Mit den beiden Original-Lüftern sind die erreichten Werte in Ordnung, mit den Referenzlüftern liegen die Werte aber nur noch im hinteren Drittel des Testfeldes, gerade mit langsamen Lüfter sollte man den Gemini nicht betreiben. Ja was kann man als Empfehlung für den Gemini abgeben? Klar ist, die unverbindliche Preisempfehlung von 45 Euro ist nicht wenig, auch wenn die Verarbeitung gut ist und zwei Lüfter beliegen. Die Probleme bei der Montage und die gezeigte Leistung sind aber für eine problemlose Kaufempfehlung nicht so wie sie sein sollten. Einzig das Design spricht klar für den Gemini, da er Abwechslung bietet. Alternativen gibt es für die genannte 45 Euro einige.


Pro & Contra

Pro
+ gute Verpackung
+ guter Lieferumfang mit zwei 120-mm-Lüftern
+ ordentliche Verarbeitung

Contra
- Montage der Lüfter
- Montage des Kühlers durch mehrere Kleinigkeiten unnötig kompliziert
- schlechte Kühlleistung bei langsam drehenden Lüftern


Award

Der Spire Gemini bekommt von uns gerade noch unseren DeXgo-Bronze-Award verliehen.
DeXgo-Bronze-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Spire.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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