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Swiftech Polaris 120


Einleitung

Der Name Swiftech ist vermutlich jedem, der seinen Rechner mit einer Wasserkühlung ausstattet, schon ein mal über den Weg gelaufen. Den wenigsten dürfte der Name aber im Zusammenhang mit Luftkühlern ein Begriff sein. Viele Jahre war es in diesem Segment ruhig im Hause Swiftech, so erblickte der letzte Luftkühler im Jahr 2004 das Licht der Welt. Die folgenden Jahre lag der Fokus von Swiftech auf dem Bereich der Wasserkühlungen, bis am Anfang diesen Jahres der Polaris 120 angekündigt wurde. Fünf dicke 8-mm-Heatpipes und ein durchdachtes Belüftungskonzept sollen dafür sorgen, dass der Kühler an die Erfolge der ersten Luftkühler anschließen kann. Ob dies gelingt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Die Verpackung des Swiftech Polaris 120 ermöglicht einen Blick auf den Lüfter und dem dahinter liegenden Kühler. Den Transportschutz übernimmt eine voluminöse Schaumstoffverpackung, die den Kühler seitlich umschließt. Vermisst haben wir jedoch zwei Dinge. Zum einen eine Polsterung für die Rückseite, der Kühler liegt dort direkt an der Verpackung an, und zum anderen eine Polsterung zwischen Kühler und Lüfter. Da der Lüfter nicht fixiert wird, kann er leicht zu Beschädigungen in Form von verbogenen Lamellen führen. Auf der Verpackung befinden sich in fünf Sprachen - darunter auch Deutsch - die technischen Daten des Kühlers und auch Angaben zur Kompatibilität sind vorhanden.
Der Lieferumfang umfasst alles wichtige, was für den Betrieb des Kühlers benötigt wird. Neben dem Polaris 120 liegt noch ein Lüfter, eine Tube Wärmeleitpaste, die Montageanleitung (nur noch in vier Sprachen, nicht mehr in deutsch) sowie das Montagematerial bei. Bei letztgenanntem sind sogar Ersatzteile beiliegend, falls eines der Teil verloren geht.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):154 x 135 x 69 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):705 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe, Aluminium Lamellen
Anzahl Heatpipes:5x 8 Millimeter
Anzahl Lamellen:46
Lamellenabstand:1,8 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:1x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:1x 120 Millimeter
Lüfterdrehzahl:750 - 2.500 U/min
Fördermenge:142,36 ³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:3,84 Watt
Lautstärke:41,5 dB(A)
Besonderheiten:H.D.T., PWM-Lüfter, variabler Anpressdruck
Kompatibilität:Intel 775, 1155, 1156, 1366
AMD 754, 939, 940, F, AM2, AM3
Preis:60 US Dollar (Stand Mai 2011)

Der Kühler im Detail

Der Swiftech Polaris 120 ist vom Grundaufbau ein klassischer Tower-Kühler, unterstützt aber nur die Montage eines Lüfters im 120-Millimeter-Format. Mit einer Höhe von 154 Millimetern gehört er zu den kleineren Kühlern, welche einen 120-mm-Lüfter aufnehmen können. Jedoch ist der Kühler recht breit, ganze 135 Millimeter benötigt er hier. Die Lamellen sind an der Vorderseite in einer Wellenform angeordnet und besitzen zudem noch Zacken an den Lamellenkanten. Dies soll dafür sorgen, dass die einströmende Luft einen geringeren Widerstand zu überwinden hat.
Die Rückseite dagegen ist glatt und die Kanten abgerundet. Insgesamt bringt es der Polaris 120 auf eine Tiefe von 69 Millimetern, mit einem 25 Millimeter dickem Lüfter wächst aber nur auf 91 Millimeter an, da der Lüfter drei Millimeter im Kühler eingebettet wird.
Die oberste und die unterste Lamelle besitzen eine gerade Frontpartie, mit den verschlossenen Seiten wird so der Luftstrom komplett durch den Kühler geleitet. Um den Polaris 120 optisch aufzuwerten, wurde die oberste Lamelle zudem schwarz eloxiert und mit dem Swiftech-Logo versehen.
Der Blick auf die Unterkante der ersten Lamelle zeigt nochmal sehr deutlich die Formgebung der inneren Lamellen. 44 der gezackten und geschwungenen Aluminiumlamellen befinden sich zwischen den beiden geraden Lamellen. Das Gewicht des Kühlers beläuft sich dadurch insgesamt auf 705 Gramm.
Neben dem Lamellenabstand, welcher 1,8 Millimeter beträgt, erkennt man bei der Sicht von Vorne auch noch eine Besonderheit des Kühlers. So haben wir schon häufiger gesehen, dass zentral Löcher in die Lamellen gestanzt wurden, Swiftech erweitert diesen Ansatz jedoch um eine weitere Eigenschaft: Die Lamellen sind dort abgekantet. So wird die Luft auch an dieser Stelle vorbei geführt und zu den Heatpipes gelenkt.

Der Kühler im Detail

Deutlicher ist dies von der Unterseite des Kühlers zu sehen. Auch bei der Anordnung der Heatpipes hat sich Swiftech beim Polaris 120 Gedanken gemacht. Die drei zentralen 8-mm-Heatpipes - insgesamt sind fünf verbaut - sind auch die Pipes, welche die Wärme dort an die Lamellen abgeben, wo der Lüfter den größten Luftfluss hat.
Der Boden wird während des Transports von einer Kunststoffabdeckung geschützt. Darunter befinden sich die fünf Heatpipes, welche direkten Kontakt zum Prozessor besitzen. Der Boden ist plan verarbeitet und frei von Kratzern, Dellen und Schrammen. Die Lücken zwischen den einzelnen Heatpipes sind zudem sehr schmal und so ist die gesamte Auflagefläche der Heatpipes nur knapp über 40 Millimeter breit. Zum Vergleich: Der Heatspreader unseres Testprozessors (i7-920) ist 34 Millimeter breit. Die beiden äußeren Heatpipes haben also nur halben Kontakt zum Prozessor. Beim Sockel 775 und 1155/1156 ist der Kontakt, je nach Ausrichtung, sogar noch deutlich geringer als bei unserem Testsystem, da der Heatspreader der CPU dort kleiner ausfällt.
Auch wenn der Boden unsauber ausschaut, so sind die grauen Rückstände nur Lötzinn, durch welches die Heatpipes untereinander und auch der Boden an den Pipes fixiert wurden. Die Halterung des Polaris 120 bietet die Möglichkeit den Anpressdruck des Kühlers zu regulieren und auch die Montage wird dadurch erleichtert.
Als Lüfter legt Swiftech einen schwarz/weißen PWM-Lüfter bei, welcher in einem Drehzahlbereich von 750 bis 2.500 U/min arbeitet. Der Luftstrom soll hierbei knapp über 142 m³/h liegen, die Lautstärke bei fast 42 dB(A). Die Leistungsaufnahme beträgt 3,84 Watt, beim Betrieb mit zwölf Volt.
Die Montage des Lüfters erfolgt durch zwei Drahtbügel, welche am Kühler befestigt werden. Der Lüfter wird dann in die Bügel eingespannt, seltsamer Weise erfolgt die Fixierung nicht an den Montagelöchern des Lüfters sondern knapp unter diesen. Eine Entkopplung des Lüfters ist nicht vorhanden, Vibrationen werden ungedämpft an den Kühler weiter gegeben.

Die Montage

Wie wir schon andeuteten, geht die Montage recht einfach von der Hand, dauert aber durch die Anzahl der Teile etwas länger als bei manch anderem Kühler. Da der Anpressdruck aber eingestellt werden kann, nachdem der Kühler in Position gebracht ist, lassen sich die sechs Muttern mit Federn recht unkompliziert anbringen. Verbesserungspotential sehen wir nur darin, dass zum einen die Backplate mit dem Mainboard verschraubt werden kann und zum anderen die freie Ausrichtung des Kühlers auch bei AMD-Systemen. Dort kann der Kühler nur in eine Richtung montiert werden, bei dieser wird die Luft zum Hecklüfter befördert.
Bei der Ausrichtung des Polaris 120 zum Deckel hin überragt der Kühler seitlich einen RAM-Slot und blockiert diesen für Speicher mit einem hohen Heatspreader.
Deutlich besser schaut es bei der Ausrichtung zur Gehäuserückwand aus. Dort wird - zumindest auf unserem Testmainboard - keine Speicherbank direkt überragt. Die Lüfterklammern könnten breiten RAM-Kühlern jedoch recht nahe kommen. Bei Mainboards und Plattformen, bei denen der Speicher dichter am Sockel liegt, kann nur Speicher mit flachem oder ohne Heatspreader zum Einsatz kommen.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick darüber bringt, welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Da nur ein Lüfter und nur eine Lüftergröße unterstützt werden, fällt der Leistungsvergleich recht kompakt aus. Das erfreuliche vorweg, in allen fünf getesteten Szenarien schafft es der Swiftech Polaris 120 den i7-920 in unserem Setup zu kühlen. Deutlich wird aber auch, dass ein so starker und schnell drehender Lüfter gar nicht notwendig ist, wenn man auf das letzte bisschen Leistung verzichten kann, anpeilen sollte man aber eine Drehzahl von 1.500 U/min.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


Bei zwölf Volt dreht der Lüfter auf dem Polaris 120 montiert mit 2.450 U/min und liegt damit nur knapp hinter seiner Nenndrehzahl. Die erreichten Temperaturwerte legitimieren aber leider nicht die hohe Drehzahl und die damit einhergehende Lautstärke - die Lüfter-Kühler-Kombination ist so sehr laut - und so erreicht der Swiftech Polaris 120 nur einen Platz im hinteren Bereich des Testfeldes.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Verwundert waren wir ein wenig, als wir die Spannung auf fünf Volt gesenkt haben, da dann die Lautstärke rapide abnahm, die Drehzahl aber mit rund 1.125 U/min noch recht hoch bleib. Kaum noch hörbar präsentiert sich der Kühler hier und erreicht dennoch respektable 56,1 Kelvin. Im Vergleich liegt der Polaris 120 dadurch im vorderen Bereich, auch wenn nach oben eine deutliche Lücke klafft.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Als erster Test kommt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute


Was man aber Aufgrund der hohen Drehzahl des Original-Lüfters befürchtete bewahrheitet sich beim Vergleich mit der Referenz-Belüftung. Gerade niedrige Drehzahlen behagen dem Polaris 120 gar nicht und so landet er beim 700-U/min-Vergleich auf dem vorletzten Platz. Bei 1.300 und 1.850 U/min macht er einige Plätze gut, liegt aber absolut gesehen immer noch sehr weit hinter den Spitzenkühlern. Interessant ist der direkte Vergleich zum Sunbeamtech Twister 120, welcher lediglich drei 8-mm-Heatpipes besitzt, jedoch nicht ganz so tief gebaut ist. Da beide kühler bei hohen Drehzahlen fast gleich auf liegen und der Polaris 120 gerade bei 700 U/min deutlich an Boden verliert, liegt die Vermutung nahe, dass die beiden äußeren Heatpipes, welche nur wenig Kontakt zum Prozessor haben, schlicht und ergreifend kaum zur Kühlleistung beitragen. Der tiefere Aufbau sorgt dann noch für den Abfall der Leistung bei niedrigen Drehzahlen.

Fazit

Mit dem Polaris 120 versuchte Swiftech wieder im Bereich der Luftkühler Fuß zu fassen, was leider nur bedingt gelingt. Während Verpackung und Lieferumfang durchaus zu überzeugen wissen, kommt der erste Kritikpunkt bei der Anzahl der unterstützten Lüfter. Auch wenn dies an dieser Stelle noch kein so großes Problem darstellt, so ist es das spätestens bei den Leistungstests. Zu schwach präsentiert sich der Polaris 120 hier in unseren Vergleichen, darüber kann leider auch nicht die gute Montage hinwegtäuschen. Dort greift Swiftech zwar auf viele Einzelteile zurück, diese sorgen im Gesamten aber dafür, dass auch Laien den Kühler sicher und fest montiert bekommen. Bei der Lautstärke zeigt der Polaris ein weit gestreutes Bild. Während er beim 12-Volt-Betrieb sehr laut agiert und so auf Dauer nicht wirklich zu ertragen ist, wird der Lüfter beim 5-Volt-Betrieb angenehm leise und kann dann sogar überzeugen. Alles in allem hatten wir uns aber vom Swiftech Polaris 120 mehr erhofft, gerade das Konzept mit der Anordnung der Heatpipes und dem Luftleitblech im Kühler hatten vor dem Review Erwartungen geschürt, welche leider nicht erfüllt wurden. In Europa ist der Polaris 120 aktuell nicht erhältlich, wer ihn in Übersee bestellen will muss mit rund 60 US-Dollar plus Steuern und Versand rechnen.


Pro & Contra

Pro
+ einfache Montage
+ Lüfter kann per PWM-Signal gesteuert werden
+ bei 5-Volt-Betrieb leise

Contra
- bei 12-Volt-Betrieb sehr laut
- Kühlleistung
- trotz deutschsprachiger Beschreibung auf der Verpackung, Anleitung nicht auf Deutsch vorhanden

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Swiftech.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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