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Scythe Susanoo


Einleitung

Scythe versucht immer mal wieder herauszufinden, wo die Grenzen des Machbaren im Bereich der Luftkühlung liegen. Ob es besonders große oder auch besonders kleine Kühler sind, beides findet sich im Sortiment der Japaner. Mit dem Orochi stellte man 2008 einen Riesen vor, welcher mit zehn Heatpipes und einem ungeheuer großem Volumen perfekt für den passiv Betrieb geeignet war. Der Scythe Susanoo nutzt satte zwölf Heatpipes mit sechs Millimeter Durchmesser und nutzt zur aktiven Kühlung seiner Lamellen gleich vier Kaze-Jyu-Lüfter im 100-mm-Format. Aber auch für den passiven Betrieb soll er, dank seiner enormen Kühlfläche, geeignet sein. Wie sich der neueste Riese von Scythe schlägt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Was einen großen Kühler beherbergen muss, muss selbst auch groß sein. So erscheint der Karton des Susanoo schon fast riesig. Den vielen Platz auf den Außenseiten nutzt Scythe aber auch gleich um viele Bilder und Informationen zum Kühler unterzubringen. Neben den technischen Daten finden sich auch Hinweise zur Kompatibilität, denn nicht für jedes System ist der Kühler geeignet. Im Karton ist der Kühler durch Pappe fixiert, eine Polsterung aus Kunst- oder Schaumstoff gibt es nicht. Das Zubehör befindet sich sicher verstaut in einem weiteren kleinen Karton.
Der Lieferumfang wirkt im Angesicht des riesigen Kühlers winzig. Neben dem Susanoo und den vier bereits montierten 100-mm-Lüftern liegt noch das Montagematerial für die unterstützten Sockel in Form der Flip Mount Super Back-Plate 3 bei. Auch eine Lüftersteuerung zur Regelung der vier Lüfter befindet sich im Lieferumfang.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):134 x 206 x 208 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):1145 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe, Kupfer Boden vernickelt, Aluminium Lamellen
Anzahl Heatpipes:12x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:42 und 26 Millimeter
Lamellenabstand:2,0 und 1,8 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:4x 100 Millimeter
Lüfter beiliegend:4x 100 Millimeter
Lüfterdrehzahl:500 - 2.000 U/min
Fördermenge:340,14 (85,04) m³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:10,08 (2,52) Watt
Lautstärke:37,69 dB(A)
Besonderheiten:4 Lüfter, Lüftersteuerung beiliegend
Kompatibilität:Intel 775, 1155, 1156, 1366
AMD AM2, AM2+, AM3
Preis:70 Euro (Stand Juni 2011)

Der Kühler im Detail

Kommen wir am Anfang gleich zum Wichtigsten, die Abmessungen: Ohne Lüfter ist der Susanoo 134 Millimeter hoch, 206 Millimeter breit und 208 Millimeter tief. Das Gewicht des Kühlers liegt ohne die vier Lüfter bei 1.145 Gramm. Die Kühlfläche des Susanoo verteilt sich auf zwei Blöcke, wobei diese von der Größe her sehr unterschiedlich ausfallen.
Während die Hauptkühlfläche aus 42 Lamellen besteht, welche rund 39 Millimeter hoch und 206 Millimeter breit ist, besteht die zweite Kühlfläche nur noch aus 26 Lamellen welche lediglich 13 Millimeter hoch und 161 Millimeter breit sind.
Von der Seite betrachtet erkennt man sehr gut die ungleiche Verteilung der Kühlfläche, beide Flächen werden jedoch von jeweils sechs der insgesamt zwölf Heatpipes mit der Abwärme des Prozessors versorgt. Der Lamellenabstand der Hauptkühlfläche (links) beträgt zwei Millimeter, bei der zweiten Kühlfläche stehen die Lamellen etwas dichter beisammen, dort beträgt der Abstand 1,8 Millimeter.
Für die Auflage der Lüfter wurden Erhöhungen in die Lamellen eingearbeitet. Dadurch liegen die Lüfter nicht vollflächig auf, sondern haben rund zwei Millimeter Abstand zur Kühlfläche.
Schaut man sich den Susanoo von unten an, erkennt man recht gut die unterschiedlichen Volumen der beiden Kühlflächen. Scythe gibt für den Kühler eine empfohlene, weil die höchste Kompatibilität bietende, Montageausrichtung vor. Bei dieser ragt der dicke Block nach oben, der flache nach unten und liegt dort dann teilweise über der Grafikkarte. Dazu aber mehr bei der Montage des Susanoo.

Der Kühler im Detail
Da zwölf Heatpipes nicht so einfach nebeneinander montiert werden können, ohne eine riesige Auflagefläche zu erzeugen, wurden die Heatpipes gestapelt verbaut. Dabei liegen die Heatpipes in zweier Paaren direkt übereinander und sind mit der Bodenplatte aus Kupfer und dem großen passiven Kühlkörper, welcher wieder auf der Bodenplatte thront, verlötet. Allein der passive Kühlkörper ist 51 Millimeter hoch, 82 Millimeter breit und 62 Millimeter tief.
Die Schutzfolie, welche auf dem Boden aufgebracht ist, sorgt dafür, dass der Boden während des Transportes unbeschädigt bleibt. Gerade Kratzer und Verschmutzungen verhindert die Folie zuverlässig. Der Boden selbst ist wieder poliert und perfekt plan verarbeitet. Dank der quadratisch angeordneten Montagelöcher für die Befestigung kann der Kühler - in der Theorie zumindest - auf jedem unterstützten Sockel frei ausgerichtet werden.
Die Lüfterarmada, die Scythe dem Susanoo beilegt, besteht aus vier Lüftern der Kaze-Jyu-Serie. Diese verfügen jeweils über einen 3-Pin-Anschluss und können mit Hilfe der mitgelieferten Lüftersteuerung betrieben und gedrosselt werden. Dies empfehlen wir auch jedem, da die angegebene Geräuschentwicklung von 37,69 dB(A) nicht nur auf dem Papier nach einer gehörigen Lärmbelästigung ausschaut. Beim Betrieb mit zwölf Volt drehen die Lüfter mit jeweils 2.000 U/min und erzeugen zusammen einen Volumenstrom von rund 340 m³/h. Als Vergleich hierzu: Ein schnell (ca 2.000 U/min) drehender 120- oder 140-mm-Lüfter liegt bei Werten zwischen 150 und 190 m³/h. Ebenfalls nicht zu verachten ist die Leistungsaufnahme, alle vier Lüfter benötigen zusammen knapp über zehn Watt.
Mit der beiliegenden Lüftersteuerung werden die vier Lüfter über ein 4-Pin-Molex-Anschluss mit Strom versorgt und das Tachosignal wird an das Mainboard weiterleitet. Der Regelbereich reicht von rund 500 bis 2.000 U/min und deckt damit den wichtigsten Bereich ab. Montiert wird die Steuereinheit in einer freien Slot-Blenden-Platz.
Die vier Lüfter, welche durch eine kleine Metallplatte zu einer Einheit zusammen geschraubt sind, werden durch drei Drahtbügel am Kühler befestigt. Dies geht relativ einfach von der Hand, alternative Lüfter lassen sich aber nur montieren, wenn diese auch das 100-mm-Format besitzen.

Die Montage

Nach der Montage auf dem Mainboard ist eines klar: Der Scythe Susanoo ist riesig. Er bedeckt bei einem Full-ATX-Mainboard über 50 Prozent der Hauptplatine und versorgt diese durch die vier Lüfter und der Top-Flow-Bauweise mit Luft. Aufgrund seiner Abmessungen und seines Gewichtes ist es nicht verwunderlich, das Scythe auf eine Verschraubung setzt. Aber auch dem Montage-Komfort kommt dies entgegen, da nicht mehr umständlich unter dem Kühler "herumgefummelt" werden muss.
Wir erwähnten ja bereits, dass die Ausrichtung des Susanoo von Scythe vorgegeben wird. Dies hängt damit zusammen, dass auch Grafikkarten unter dem Kühler ihren Platz finden sollen. Dies gelingt sogar erstaunlich gut, da sogar unter dem Kühler die Stromkabel der Grafikkarte passen. Aufgepassen sollte man, wenn alternative Grafikkartenkühler genutzt werden sollen. Denn ragt der Kühlkörper der Grafikkarte seitlich über das PCB hinaus, so kann dies zu Problemen führen. Ein Wechsel der Grafikkarte oder das Anschließen der Stromkabel muss aber in jedem Falle vor der Montage des Susanoo geschehen. Der Abstand zum Arbeitsspeicher oder zu den Kühlern des Mainboards ist sehr groß und so finden selbst ausladende Konstruktionen problemlos ihren Platz unter dem Kühler.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick darüber bringt, welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Da der Scythe Susanoo uns nicht erlaubt einen oder mehrere unserer Referenzlüfter zu verbauen, fällt das Diagramm mit den beiden Werten der Serienbelüftung recht kurz aus. Auffällig ist aber dennoch, dass trotz einer Halbierung der Drehzahlen die Temperatur nur unwesentlich ansteigt.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


In die Diagramme einsortiert schaut das Ganze so aus. Der Susanno erreicht knapp die Spitze, erkauft sich dies mit dem unheimlich hohen Luftdurchsatz, welcher aber auch eine unheimliche Lautstärke mit sich zieht.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Geregelt auf eine feste Spannung von fünf Volt erreichen die Lüfter immer noch Drehzahlen jenseits der Marke von 1.000 U/min. Der Vorsprung zu den anderen Kühlern ist dennoch beachtlich, auch wenn man bedenkt, dass die Lautstärke merkbar angenehmer geworden ist, auch wenn der Kühler noch nicht unhörbar agiert.

Test - Passiv (ohne Lüfter)

Neu bei unseren Tests schauen wir bei einigen der Kühler, welche sich durch Ihre Bauweise oder ihren Testergebnissen bei den Aktiv-Tests hervorheben, die Passiv-Fähigkeiten an. Hierzu müssen die Kühler komplett passiv den Prozessor kühlen, welcher aber natürlich nicht mit dem Default-Settings betrieben wird. Bei einer Abwärme von 98 (2.400 MHz@1,1 Volt) , 67 (2.160 MHz@1,0 Volt) und 50 (1.800 MHz@0,9 Volt) Watt müssen die Kühler zeigen was sie ohne Belüftung können. Durch den offenen Aufbau unterstützten hierbei auch keine Gehäuselüfter den Abtransport der Abwärme.


Passiv-Setup 1 - 98 Watt


Das 98 Watt-Setup ist für alle getesteten Kühler eine Nummer zu groß, auch wenn einige Kühler nur recht knapp an diesem gescheitert sind. Gerade der Scythe Orochi Rev.B ist hier zu nennen, der nur knapp an unserer gesenkten Grenze gescheitert ist.

Passiv-Setup 2 - 67 Watt


Bei 67 Watt Abwärme haben wir gleich drei Kandidaten - und dabei eine Überraschung - die das Setup erfolgreich gemeistert haben. Der Orochi schaffte hier die Einhaltung der Grenzwerte recht spielend, der Susanoo und auch der be quiet! Dark Rock Pro C1 blieben knapp unter der Grenze von 60 Kelvin.

Passiv-Setup 3 - 50 Watt


Beim Test mit 50 Watt Abwärme dreht der Orochi weiterhin einsam seine Runden, der Susanoo schafft es aber - wieder mit dem be quiet! Dark Rock Pro C1 im Schlepptau - ihm auf den Fersen zu bleiben. Die restlichen Kühler folgen mit leichtem Abstand.

Fazit

Scythe erschaffte mit dem Susanoo ein weiteres Monster nach dem in die Jahre gekommenen Orochi. Vier Lüfter, eine Lüftersteuerung und das Montagematerial legt Scythe dem Kühler bei, alternative Lüfterklammern sucht man aber leider vergebens. Unschön ist gerade die Punkt, dass eine Montage von Lüftern in den weit verbreiteten 120- oder 140-mm-Formaten nicht möglich ist. Die Verarbeitung ist auf dem typischen "Scythe-Niveau". Die Lamellen sind gesteckt und halten sicher auf den Heatpipes, neigen aber gerade an den Rändern leicht zum verbiegen. Die Bodenplatte gleicht wieder einem Schminkspiegel und ist perfekt verarbeitet. Die Montage geht trotz der enormen Große und des hohem Gewichtes recht leicht von der Hand. Der hohe Platzbedarf und die vorgeschriebene Ausrichtung bei der Montage sind natürlich nicht förderlich bei der Kaufentscheidung. Hier sollte definitiv vorher überprüft werden, ob genügend Platz vorhanden ist. Ist der Kühler ein mal untergebracht, überzeugt der Susanoo durch eine brachiale Kühlleistung, aber im 12-Volt-Betrieb auch über eine ebenso brachiale Lautstärke. Drosseln ist hier die Devise, welche bei der Lautstärke schnell für Linderung sorgt. Die Kühlleistung bleibt dabei aber auf einem hohen Niveau. Wichtig ist aber der Hinweis, dass der Kühler Frischluft anziehen muss und in einem geschlossenem System, in dem die Seitenwand geschlossen ist, der Kühler deutlich schlechter performen wird. Im passiven Betrieb kann der Susanoo ebenfalls überzeugen und tritt hier eine würdige Nachfolge des Orochi an, auch wenn er diesen nicht ganz erreicht. Was aber ganz ungewöhnlich für Scythe ist, ist der Preis. Während die UVP 90 Euro beträgt, ist der Kühler schon ab 70 Euro erhältlich, was für einen Kühler von Scythe dennoch ungewöhnlich hoch ist.


Pro & Contra

Pro
+ gute Verarbeitung
+ leichte und sichere Montage
+ sehr gute Kühlleistungen auch im Passiv-Betrieb

Contra
- sehr hoher Platzbedarf
- Kompatibilitätsprobleme mit alternativen Grafikkarten-Kühlern können auftreten
- unterstützt nur 100-mm-Lüfter
- im 12-Volt-Betrieb sehr laut
- hohes Gewicht


Award

Für die gezeigten Leistungen verleihen wir dem Scythe Susanoo unseren DeXgo-Bronze-Award.
DeXgo-Bronze-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Scythe.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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