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Scythe Mugen 3


Einleitung

Die Mugen-Serie ist vermutlich die bekannteste des in Japan angesiedelten Unternehmens Scythe. Der "Ur-Mugen", wie er liebevoll genannt wird, überzeugte durch eine starke Leistung gerade im Bereich mit niedrigen Drehzahlen und den damit verbundenen leisen Betrieb. Beim Mugen 2 setzte Scythe erstmals die "Multiple Airflow Pass-Through Structure" ein, welche den Kühler in mehrere einzelne "Kühl-Segmente" unterteilt und so den Luftstrom der verbauten Lüfter optimal nutzen soll. Auch beim Mugen 3 änderte sich wieder das eine oder andere. Neben einem veränderten Aufbau und einem aktualisierten Montagesystem erhöhte sich auch die Anzahl der verbauten Heatpipes auf sechs. Wie sich der neue Kühler in unserem Test schlägt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Der Mugen 3 ist in einem vorrangig in grün gehaltenen Karton verpackt, welcher eine Vielzahl von Informationen und Bilder für den geneigten Käufer bereithält. Mehrsprachig sind Daten wie die Kompatibilität, die Abmessungen oder auch der Lieferumfang aufgelistet. Während das Zubehör im Inneren in einem extra Karton verstaut wird, wird der Kühler durch Pappe fixiert. Dies verhindert zwar, dass der Kühler sich im Karton bewegt, gegen mechanische Einflüsse von Außen besteht aber nur ein geringer Schutz.
Das Zubehör des Scythe Mugen 3 fällt recht überschaubar aus. Neben dem Kühler, einem Paar Lüfterklammern, einem Lüfter und dem Montagematerial befindet sich nur noch eine Montageanleitung und eine kleine Portion Wärmeleitpaste im Karton.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):157 x 130 x 84 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):730 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe, Kupfer Boden vernickelt, Aluminium Lamellen
Anzahl Heatpipes:6x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:48
Lamellenabstand:1,6 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:2x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:1x 120 Millimeter
Lüfterdrehzahl:300 - 1.600 U/min
Fördermenge:149,61 m³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:4,56 Watt
Lautstärke:32,15 dB(A)
Besonderheiten:PWM-Lüfter
Kompatibilität:Intel 775, 1155, 1156, 1366
AMD AM2, AM2+, AM3
Preis:40 Euro (Stand Juni 2011)

Der Kühler im Detail

Der Mugen 3 nutzt ebenfalls die "Multiple Airflow Pass-Through Structure", welche erstmals bei seinem Vorgänger, dem Mugen 2, zum Einsatz kam. Die Anzahl der Heatpipes wurde im Vergleich zu diesem aber auf sechs erhöht und auch die Anordnung hat sich geändert. Pro "Kühl-Einheit" sorgen nun drei Heatpipes für die Wärmeübertragung. Während der Kühler mit einer Höhe von 157 Millimetern nur unwesentlich gewachsen ist, so sind die Änderungen in der Breite und in der Tiefe schon deutlicher. Während der Mugen 2 noch 125 Millimeter in der Breite benötigt hat, sind es beim Mugen 3 schon 130 Millimeter. Der Platzbedarf in der Tiefe schrumpfte jedoch von 116 auf 84 Millimeter.
Die Enden der sechs 6-mm-Heatpipes sind zu Dreiergruppen in die Lamellen eingelassen und bilden dort dicht zusammen liegende Gruppen. Von der Seite betrachtet laufen die Heatpipes leicht versetzt, die Enden der Heatpipes wurden wieder ein mal mit den bereits bekannten Abschlusskapppen versehen. Diese verstecken nicht nur das meist unschöne Ende der Heatpipes, sie sorgen auch gleichzeitig dafür, dass die Lamellen nicht von den Heatpipes rutschen können.
Auf eine Verzahnung der Lamellen untereinander verzichtet Scythe ebenso wie auf ein Schließen der Kühler-Seiten. Dadurch ist der Mugen 3 gerade an den Kanten empfindlich was das Abknicken der Lamellen angeht. Bei der Montage des Kühlers und des Lüfters sollte dementsprechendes Fingerspitzengefühl zum Einsatz kommen.
Bei der Frontal- bzw. der leichten Schrägsicht sind die Teilblöcke und die Verbindungen zwischen diesem zu erkennen. Während vier Lamellen ohne Verbindung zu den Nachbarblöcken sind, sind die darauf folgenden vier Lamellen mit den benachbarten Kühltürmen verbunden. Der Lamellenabstand der "48" Aluminium-Lamellen beträgt 1,6 Millimeter.

Der Kühler im Detail

Über dem vernickelten Boden befindet sich erneut ein kleiner passiver Kühlkörper, welcher nicht nur den leeren Raum auffüllen, sondern auch ein wenig zur Kühlleistung beitragen soll. Die Heatpipes, welche mit dem Kupferboden verlötet sind, verlaufen in Dreiergruppen in die einzelnen Kühltürme. Während die Heatpipes in den äußeren Türmen relativ gerade verlaufen, sind die anderen Heatpipes doppelt geschwungen.
Der Boden des Mugen 3 ist vernickelt und poliert. Für die Kühlleistung ist dies zwar nicht entscheidend, optisch macht dieser aber wieder viel her. Die Folie, die zum Schutz des Bodens aufgebracht wurde, lässt sich rückstandslos entfernen.
Im Vergleich zum Mine 2, welcher Anfang des Jahres vorgestellt wurde, ist der Mugen 3 deutlich kleiner. 13 Millimeter schmaler und 45 Millimeter weniger Tiefe, dazu noch zwei Heatpipes weniger, lassen schon vermuten, wo sich der Mugen 3 leistungstechnisch einsortieren wird.
Als Lüfter kommt ein 120-mm-Exemplar der Slip-Stream-Serie zum Einsatz. Scythe verzichtet auf die lange Zeit integrierte Lüftersteuerung zu Gunsten einer besseren Handhabung des Lüfters. Der Anschluss erfolgt über einen 4-Pin-PWM-Stecker, welcher eine Steuerung des Lüfters über das Mainboard ermöglicht. Das Drehzahlspektrum liegt dann zwischen 300 und 1.600 U/min, wobei der Lüfter bei maximaler Drehzahl einen Volumenstrom von fast 150 m³/h erzeugt und dabei 32,15 dB(A) laut wird. Die Leistungsaufnahme liegt bei recht hohen 4,56 Watt.
Zur Befestigung der Lüfter liegt ein Paar Halteklammern des Typ B bei. Aber auch die Klammern vom Typ A können benutzt werden um Lüfter am Kühler zu befestigen. Eine Entkopplung der Lüfter findet nicht statt und auch 140-mm-Lüfter können nicht angebracht werden.

Die Montage

Zur Montage wird das F.M.S.B.3-Backplate-System genutzt. Diese ermöglicht es, auch große Kühler bequem zu verschrauben, ohne unter dem Kühler hantieren zu müssen. Die Verschraubung erfolgt von der Rückseite und bietet dadurch einen sehr guten Kompromiss aus Komfort und Stabilität.
Dank der quadratischen Anordnung der Bohrungen im Boden des Kühlers, kann das Montagematerial - auch das für AMD-Systeme - frei ausgerichtet werden. Je nach Gehäuse und Belüftungskonzept kann der Luftfluss des Mugen 3 dann entsprechend angepasst werden. Auf Grund der Breite des Kühlers sollte aber daran gedacht werden, dass - je nach System - der eine oder andere RAM-Steckplatz vom Mugen 3 überragt wird.
Bei der meist genutzten Ausrichtung, bei der der Luftstrom zur Gehäuserückseite geleitet wird, überragt der Lüfter des Mugen 3 auf unserem Testsystem den sockelnahsten RAM-Slot. Platz ist dann nur noch für Arbeitsspeicher vorhanden, welcher kein hohen Heatspreader besitzt.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick darüber bringt, welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Bis zu zwei Lüfter können am Scythe Mugen 3 befestigt werden. Sehr gut zeigt sich, dass der verbaute Slip-Stream-Lüfter für den Einsatz auf dem Kühler optimiert wurde. Mit 1.550 U/min erreicht er eine bessere Kühlleistung, als unsere Referenzlüfter (Scythe Kama Flex) mit 1.850 U/min. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei niedrigen Drehzahlen, so reichen schon 100 U/min mehr aus, um eine um sieben Kelvin niedrigere Temperatur zu erreichen. Ein Tausch des mitgelieferten Lüfters lohnt sich aus technischer Sicht also nicht.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


Beim Test der Kühler mit den mitgelieferten Lüftern platziert sich der Mugen 3 im Betrieb mit zwölf Volt relativ mittig im Testfeld. So liegt der Kühler 1,6 Kelvin hinter dem Mine 2, welcher mit etwas mehr Drehzahl arbeitet, aber auch 1,2 Kelvin vor dem Ninja 3 der mit deutlich mehr Drehzahl betrieben wird. Die anliegenden 1.550 U/min sorgen aber auch dafür, dass der Kühler nicht wirklich leise zu Werke geht. Gut hörbar verrichtet der Slip Stream seine arbeitet auf dem Mugen 3.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Beim 5-Volt-Betrieb dreht der Lüfter noch mit rund 800 U/min und hievt den Kühler dadurch auf den 6ten Platz unseres Rankings. Der Kühler ist hier noch nicht unhörbar, arbeitet aber schon angenehm leise.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Als erster Test kommt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute



Beim Test mit unseren Referenz-Lüftern zeigt sich, dass der Mugen 3 seine Stärken bei geringer Belüftung hat. Bei hohen Drehzahlen ist der hausinterne Konkurrent der Single-Tower-Kühler, der Scythe Yasya, rund zwei Kelvin besser, wird die Belüftung auf 700 U/min reduziert rutschen beide Kühler bis auf 0,9 Kelvin zusammen. Auch im Gesamtranking rutscht der Mugen 3 bei 700 U/min deutlich nach oben.

Test - Dual-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Nach den Testläufen mit einem 120-mm-Lüfter folgen die Testläufe mit doppelter Bestückung.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute


Der Betrieb mit zwei Lüftern, welche mit 1.850 U/min arbeiten, bringt dem Mugen 3 fast nichts. Fast am Ende des Testfeldes rangiert der Kühler dann, wird die Drehzahl auf 1.300 U/min reduziert verliert der Kühler jedoch recht wenig Leistung und kann dadurch einige Plätze gut machen. Bei zwei mal 700 U/min ist der Betrieb - im Vergleich zu den anderen Kühlern - ähnlich Effizient wie beim Betrieb mit 1.300 U/min.

Fazit

Leider muss man sagen, bietet der Mugen 3 aktuell nur Standard-Kost von Scythe. Die Verpackung und auch der Lieferumfang sind wie immer zweckgebunden. So bietet die Verpackung einen grundlegenden Transportschutz und der Lieferumfang ermöglicht den sofortigen Einsatz des Kühlers, mehr bieten sie aber auch nicht. Die Verarbeitung des Mugen 3 ist gut, aber auch er hat mit den anfälligen Lamellen zu kämpfen, welche bei unvorsichtiger Handhabung schnell mal verbiegen können. Die Montage des Kühlers gestaltet sich recht einfach und ermöglicht auch AMD-Anwendern das freie Ausrichten des Kühlers. Bei den Testläufen kann vor allem der mitgelieferte Lüfter leistungstechnisch sehr positiv überzeugen, bei unseren Tests mit den Referenzlüftern bietet der Mugen 3 aber nur Mittelmaß, hervorheben muss man hier dann aber noch, dass der Kühler für langsame Drehzahlen optimiert ist. Verwundert hat uns aber die Tatsache, dass der Mugen 3 nicht an die Leistung des Yasya heran reicht. Nahezu konstant beträgt der Rückstand rund zwei Kelvin auf den mittlerweile über ein Jahr alten Kühler. Insgesamt bietet der Mugen 3 aber noch eine ordentliche Leistung, auch wenn diese vielen anderen Kühlern auch gezeigt wird. Aktuell ist der Kühler noch nicht erhältlich, die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 40 Euro.


Pro & Contra

Pro
+ bietet Platz für bis zu zwei Lüfter im 120-mm-Format
+ leichte und sichere Montage
+ sehr guter Lüfter beiliegend
+ ordentliche Verarbeitung...

Contra
- ...mit kleinen Schwächen bei der Stabilität der Lamellen
- Kühlleistung mit Referenzlüftern

Award

Der Scythe Mugen 3 bekommt für die gezeigten Leistungen unseren DeXgo-Bronze-Award verliehen.
DeXgo-Bronze-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Scythe.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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