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Reeven Kelveros RC-1202


Einleitung

Diejenigen die dieses Jahr aufmerksam durch die Hallen der Cebit geschlendert sind, denen wird evtl. auch ein kleiner eher unscheinbarer Stand in der Nähe von Scythe aufgefallen sein. Reeven platzierte sich ganz in der Nähe des Kühlerspezialisten aus Japan und stellte einige interessante Produkte vor. Die Nähe zu Scythe ist auch nicht zufällig entstanden, so ist Reeven ein Ableger von Scythe, der versucht im unteren Preissegment Kunden zu gewinnen. Zu den vorgestellten Produkten zählten neben Netzteilen, Lüftersteuerungen und Lüftern auch verschiedene Kühler. Einer davon, der Kelveros RC-1202, ist ein Tower-Kühler mit 120-mm-Lüfter. Neben dem "scharfen" Design versucht sich Reeven auch mit der Kombination von zwei 6- und zwei 8-mm-Heatpipes von der Masse abzuheben. Ob dies gelingt und wie sich der Kühler in unserem Test schlägt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

In einer mehr als handlichen Verpackung liefert Reeven den Kelveros RC-1202, so sein vollständiger Name, aus. So misst der Karton gerade mal eine Breite von 21, eine Höhe von elf und eine Tiefe von 14 Zentimetern. Dennoch befinden sich auf der Verpackung nicht nur einige Bilder des Kühlers, sondern auch noch technische Zeichnungen und die Spezifikationen. Der Kühler liegt im Karton direkt an den Außenseiten an und besitzt daher keinerlei Polsterung. Dies ist auch der Grund, warum der Karton so kompakt gestaltet werden konnte.
Der Lieferumfang des Kelveros umfasst neben dem Kühler noch einen 120-mm-Lüfter nebst zwei Lüfterklemmen, eine Portion Wärmeleitpaste, eine Montageanleitung, einen Reeven-Aufkleber und das Montagematerial. Dieses setzt sich aus einer Multi-Backplate und den diversen Streben für den Kühler zusammen.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):163 x 130 x 79 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):765 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe, Aluminium Lamellen
Anzahl Heatpipes:2x 8 & 2x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:60
Lamellenabstand:1,4 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:1x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:1x 120 Millimeter
Lüfterdrehzahl:650 - 1.900 U/min
Fördermenge:172,01 m³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:6,24 Watt
Lautstärke:34,70 dB(A)
Besonderheiten:Heatpipe Direct Contact Solution (H.D.C.S.), PWM-Lüfter, Lüftersteuerng integriert
Kompatibilität:Intel 775, 1155, 1156, 1366
AMD 754, 939, 940, AM3(+), AM2(+), FM1
Preis:43 Euro (Stand Oktober 2011)

Der Kühler im Detail

Der Kelveros von Reeven ist ein "normaler" Tower-Kühler, welcher Platz für einen 120-mm-Lüfter bietet. Optisch ist der 163 Millimeter hohe Kühler auffälliger gestaltet, als viele andere Konkurrenten. So sind die Lamellen in einem auffälligen Zacken-Muster gefertigt und verleihen dem Kühler so ein leicht aggressives Auftreten. Breit ist der Kühler 130 Millimeter, bei einer Tiefe von 79 Millimetern.
Auch auf der Rückseite zeigt sich das zackige Design, da Reeven den Kühler aber nicht symmetrisch gestaltet hat, kann auf der Rückseite kein zweiter Lüfter montiert werden. Zu sehen ist gut, dass zwei leicht verschieden geformte Lamellen-Typen zum Einsatz kommen, die das markante Auftreten noch weiter unterstützten.
Dies ist beim direkten Block von vorne gut zu erkennen. Alle 60 Lamellen sind aus Aluminium gefertigt und doch unterscheidet sich die oberste von den restlichen Lamellen. So ist diese deutlich dicker ausgeführt und dadurch auch deutlich stabiler. Auch befindet sich lediglich auf der obersten Lamelle der Reeven-Schriftzug. Da die Heatpipes nicht durch die obersten Lamellen hindurchgehen, mussten diese anders befestigt werden. In der Regel werden dann Schrauben genutzt, Reeven setzt jedoch auf eine Art Nieten, welche die obersten Lamellen zusammenhalten.
Der Kelveros ist zu allen Seiten hin offen gestaltet, was in der Regel dem Betrieb bei niedrigen Drehzahlen zu gute kommt. Beim seitlichen Blick auf den Kühler zeigt sich aber auch, dass die knappe Verpackung nicht ganz optimal ist, so sind einige der Lamellen leicht verschoben. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl kann dies wieder halbwegs gerichtet werden, jedoch sollte ein Produkt möglichst unbeschadet beim Käufer ankommen.
Wie bereits erwähnt verbaut Reeven insgesamt 60 Lamellen aus Aluminium im Kelveros. Diese sind in einem Abstand von 1,4 Millimetern zueinander angebracht, dies spricht wiederum eher für eine gute Performance bei hoher Drehzahl. Aufschluss geben werden uns hier die abschließenden Tests.

Der Kühler im Detail
Bei nahezu allen Kühlern werden Heatpipes in einer Stärke montiert, nur wenige Hersteller kombinieren Heatpipes mit verschiedenen Durchmessern. Reeven ist einer der wenigen Hersteller, die dies machen und setzt beim Kelveros auf zwei 6- und zwei 8-mm-Heatpipes. Diese sind abwechselnd eingearbeitet, wobei die 8-mm-Heatpipes außen im Kühlturm enden und die 6-mm-Heatpipes zentraler durch die Lamellen gehen.
Einen "richtigen" Boden besitzt der Kelveros nicht. Reeven setzt vielmehr auf eine Technik namens "Heatpipe Direct Contact Solution" (H.D.C.S.), welche nichts anderes ist als das bereits bekannte Heatpipe Direct Touch, kurz H.D.T. Auch beim Reeven Kelveros stehen die vier Wärmleitrohre somit im direkten Kontakt mit dem Prozessor um die Abwärme direkt abführen zu können. Während des Transports ist der Boden mit einer Schutzfolie versehen, die sich leicht lösen lässt.
Wer sich schon länger mit dem Thema Luftkühlung beschäftigt, dem wird die Ähnlichkeit des Lüfters des Kelveros mit den Scythe Slip Stream auffallen. Während letztere aber nur neun Lüfterblätter besitzen, verfügt der RM1225S19C-PS - so der Name des Lüfters - über insgesamt elf Lüfterblätter. Die Maximal-Drehzahl des Lüfters liegt bei 1.900 U/min und kann per PWM-Signal geregelt werden. Der maximale Luftdurchsatz beträgt dabei recht ordentliche 172 m³/h bei einer Lautstärke von rund 34,7 dB(A). Nicht zu verachten ist die Leistungsaufnahme, 6,24 Watt benötigt der Lüfter im 12-Volt-Betrieb. Eingebremst werden kann der Lüfter durch einen kleinen Schalter, welcher sich an der Slotblende befindet. Dieser begrenzt die maximale Drehzahl auf 1.300 U/min, die Minimal-Drehzahl, die durch das PWM-Signal eingestellt werden kann, bleibt aber unverändert bei 650 U/min.
Befestigt wird der Lüfter mit Hilfe von zwei Halteklammern, welche außen im Lüfter greifen und diesen dann am Kühler fixieren. Eine Entkopplung findet nicht statt und so werden Vibrationen komplett weitergegeben. Schön gelöst ist aus unserer Sicht, dass die Klammern weder oben noch unten über die Lamellen hinaus stehen und so die Optik nicht beeinträchtigt wird.

Die Montage

Die Befestigung des Reeven Kelveros ist im Ganzen eigentlich sehr einfach, jedoch muss bei den unterstützten Intel-Sockeln mehr Aufwand betrieben werden, als bei den AMD-Sockeln. Letztere sind dafür aber nicht frei ausrichtbar. Die Montage des Kelveros erfolgt von der Rückseite her, von dort werden vier Schrauben durch die Blackpate geführt und mit den Halterungen am Kühler verschraubt. Ein Ausbau des Mainboards ist also notwendig, wenn die Sockelbohrungen nicht erreichbar sind.
Anwender mit AMD-System können den Reeven Kelveros nur in der hier gezeigten Ausrichtung, oder um 180 Grad gedreht, montieren. Zu den Bauteilen auf dem Mainboard und dem Arbeitsspeicher lässt der Kühler von der Höhe her genügend Abstand, Richtung Speicherbänke wird er aber auf vielen Plattformen den einen oder anderen RAM-Riegel überragen.
Intel-Anwender können den Kühler schon flexibler einsetzen und den Luftstrom beispielsweise auch nach hinten richten. Dabei überragt der Kelveros sogar auf unserem Sockel-1366-Testsystem den sockelnahsten RAM-Slot.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick darüber bringt, welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Da der Reeven Kelveros nur einen Lüfter aufnehmen kann, ist das Diagramm recht kurz, dennoch wollen wir auf den Vergleich nicht verzichten. Im 12-Volt-Betrieb - mit 1.950 U/min - ist die Differenz zum Kama Flex mit 1.850 U/min recht groß, wenn man Bedenkt wie sonst die Differenzen in diesem Drehzahlbereich ausfallen. Auch im 5-Volt-Betrieb agiert der Lüfter noch recht Leistungsstark, was bei vorhandenen 1.000 U/min aber auch nicht so verwunderlich ist. Tendenziell lohnt sich der Wechsel des Lüfters aus unserer Sicht nicht.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


Dies unterstreicht auch der Vergleich der 12-Volt-Werte. So liegt der Kühler zwar "nur" im Mittelfeld, dennoch sind die erreichten Werte durchaus in Ordnung. Bei der Lautstärke machen sich die fast 2.000 U/min jedoch auch negativ bemerkbar, so ist der Kühler als laut einzustufen.


Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Leiser geht der Lüfter zu Werke, wenn er nur noch mit einer Spannung von fünf Volt betrieben wird. Trotz 1.000 U/min ist der Lüfter kaum noch hörbar, sorgt aber weiterhin für genügend Frischluft um den Kelveros im Vergleich weit nach oben zu schieben.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Als erster Test kommt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute


Vergleichen wir die Werte mit unserem Referenzlüfter, liegt der Reeven Kelveros im hinteren Bereich des Testfeldes. Gerade bei 700 U/min bricht er im Verhältnis zu den anderen Kühlern stark ein und verliert ganze sieben Plätze. Trotz der offenen Seiten, benötigt der Kühler wegen dem engen Lamellenstand also viel Frischluft. Recht deutlich zeigt sich der Leistungsverlust, wenn man den Kelveros mit dem Mugen 3 vergleicht. Liegt der Kühler von Reeven bei 1.850 und 1.300 U/min noch knapp vor dem Kühler von Scythe, hat er bei 700 U/min fast vier Kelvin Rückstand auf eben diesen.

Fazit

Mit dem Kelveros stellt Reeven seinen ersten Tower-Kühler im 120-mm-Format vor. Eine knappe Verpackung umhüllt den Kühler aus Fernost und beinhaltet neben dem Kühler noch das notwendigste Zubehör. Der Kühler selbst kann durch eine gute Verarbeitung überzeugen, sieht man von den leicht verschobenen Lamellen einmal ab. Der beiliegende Lüfter besitzt nicht nur einen PWM-Anschluss, nein er ist auch noch per Schalter regelbar, zumindest was die Maximal-Drehzahl angeht. Die Montage gestaltet sich im Ganzen recht ordentlich, größtes Manko ist wohl die festgelegte Ausrichtung auf AMD-Systemen, die zudem noch zum Gehäuse-Deckel zeigt. Bei den Leistungstests kann der Reeven Kelveros bei den Tests mit Original-Lüfter überzeugen, erkauft sich aber gerade im 12-Volt-Betrieb die ordentlichen Werte durch eine hohe Lautstärke. Im Test mit unserem Referenz-Lüfter bietet der Kelveros durchschnittliche Werte, seine schwächste Disziplin stellt dabei der Betrieb mit 700 U/min dar. Aktuell wird es schwer sein den Reeven Kelveros in Deutschland zu bekommen, die UVP beträgt laut Reeven 43 Euro, der "Straßenpreis" wird sich wohl ein Stück darunter bewegen.


Pro & Contra

Pro
+ gute Verarbeitung
+ PWM-Lüfter mit Lüftersteuerung
+ leichte Montage
+ gute Testergebnisse im 5-Volt-Betrieb

Contra
- nur Platz für einen 120-mm-Lüfter
- "nur" durchschnittliche Kühlleistung mit Referenzlüfter


Award

Für die gezeigten Leistungen verleihen wir dem Reeven Kelveros RC-1202 unseren DeXgo-Bronze-Award.
DeXgo-Bronze-Award
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Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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