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Scythe Big Shuriken 2


Einleitung

Wer heutzutage einen leistungsstarken Rechner in einem sehr kleinen Gehäuse unterbringen möchte, kann dies ohne größere Probleme tun. Selbst Mini-ITX-Systeme sind mittlerweile so leistungsstark, dass diese auch zum Spielen genutzt werden können. Problematisch wird es jedoch meist, wenn die Gehäuse so kompakt ausfallen, dass "normal große" Kühler nicht mit in die Gehäuse passen. Top-Flow-Kühler haben schon bedingt durch ihre Bauweise Vorteile gegenüber ihren Tower-Varianten, aber auch bei diesen gibt es noch gewaltige Größenunterschiede. Mit dem Shuriken und später dem Big Shuriken stellte Scythe Kühler vor, die genau für solche Fälle gedacht sind und sich auch ideal für flache HTPC-Gehäuse eigenen. Mit dem Big Shuriken 2 kommt nun quasi der dritte Kühler der Baureihe, welcher nochmals an der Leistungsschraube gedreht haben soll. Wie sich der Flachmann in unserem Test geschlagen hat, lest ihr auf den folgenden Seiten.

Verpackung & Lieferumfang

Ein kleiner Kühler braucht keine große Verpackung, dies zeigt eindrucksvoll der Karton, in dem der Big Shuriken 2 geliefert wird. Nur minimal größer als der Kühler selbst fällt die Verpackung aus und bietet so einen grundlegenden, aber nicht überragenden Schutz während des Transportes. Auf der Verpackung finden sich einige Bilder sowie die wichtigsten technischen Daten des Kühlers.
Der Lieferumfang des Big Shuriken 2 umfasst neben dem Kühler mit seinem 120-mm-Lüfter noch eine Portion Wärmeleitpaste, die Montageanleitung und das Montagematerial. Auf weiteres Zubehör verzichtet Scythe.
technische Daten
Größe (H x B x T - ohne Lüfter):48 x 135 x 125 Millimeter
Gewicht (ohne Lüfter):315 Gramm
Material:Kupfer Heatpipe, Kupfer Boden vernickelt, Aluminium Lamellen
Anzahl Heatpipes:5x 6 Millimeter
Anzahl Lamellen:80|30
Lamellenabstand:1,0 Millimeter
Lüfterplätze vorhanden:1x 120 Millimeter
Lüfter beiliegend:1x 120(x12) Millimeter
Lüfterdrehzahl:500 - 2.000 U/min
Fördermenge:78 m³/h
Lüfter Leistungsaufnahme:4,68 Watt
Lautstärke:33,67 dB(A)
Besonderheiten:PWM-Lüfter, flache Bauweise
Kompatibilität:Intel 775, 1155, 1156, 1366
AMD AM2, AM2+, AM3, AM3+, FM1
Preis:30 Euro (Stand Januar 2012)

Der Kühler im Detail

Bei einem flüchtigen Blick auf den Big Shuriken 2 kann es schon vorkommen, dass man ihn mit seinem Vorgänger verwechselt. Dies liegt nicht nur daran, dass die Abmessungen gleich geblieben sind - der Kühler ist ohne Lüfter weiterhin 135 Millimeter breit, 125 Millimeter tief und 48 Millimeter hoch -, sondern auch, weil die Optik sich nahezu nicht verändert hat. Man könnte fast meinen, dass der Kühler lediglich eine 6-mm-Heatpipe hinzu bekommen hat.
Ganz so einfach ist es aber nicht. Zwar ist der Kühler wirklich um eine Heatpipe erweitert worden und besitzt nun bereits fünf der Wärmeleitrohre, dies sind aber nicht alle Änderungen. Auch beim Gewicht hat sich etwas getan, um fünf Gramm ist der Kühler leichter geworden und bringt nun nur noch 315 Gramm auf die Waage, warum sehen wir auf der nächsten Seite. Gleich geblieben ist hingegen, dass der verbaute Lüfter durch zwei seitliche Erhebungen im Kühler arretiert wird und dass die Lamellen seitlich und zentral im Kühler miteinander verhakt sind, um die Stabilität zu erhöhen.
Auch bei der Anzahl der Lamellen und deren Abstand untereinander hat Scythe Änderungen vorgenommen. So stecken jetzt 80 Lamellen in der Kühlfläche des Big Shuriken 2, welche einen Abstand von einem Millimeter zueinander haben. Beim Big Shuriken waren es 77 Lamellen mit einem Abstand von 1,2 Millimetern zueinander.

Der Kühler im Detail

Die nächsten größeren Änderungen zeigen sich beim Blick von unten auf den Kühler. So verschwand der große passive Kühlkörper, welcher sich auf der Bodenplatte befand, komplett. Dies ist wohl auch der Hauptgrund, warum der Kühler trotz einer zusätzlichen Heatpipe und mehr Lamellen abgespeckt werden konnte. Denn neben den drei Lamellen in der großen Kühlfläche wurden auch von unten zusätzliche Lamellen - 30 an der Zahl - an die Heatpipes gelötet. Die aktive Kühlfläche konnte dadurch deutlich vergrößert werden, was sich hoffentlich auch in den Testwerten zeigen wird.
Die Bodenplatte des Big Shuriken 2 ist durch eine leicht zu lösende und recht dicke Folie geschützt. Unter dieser befindet sich die makellose, stark spiegelnde Bodenplatte aus vernickeltem Kupfer. Diese ist, wie auch die Lamellen, mit den Heatpipes verlötet.
Die nächste Änderung, die Scythe am Big Shuriken 2 vorgenommen hat, betrifft den Lüfter. Zwar kommt hier weiterhin ein Slip-Stream-Lüfter mit lediglich zwölf Millimetern Bauhöhe zum Einsatz, dieser arbeitet nun aber im Drehzahlbereich von 500 bis 2.000 U/min. Der alte Lüfter besaß nur einen Regelbereich von 650 bis 1.500 U/min. Auch der neue Slip Stream Slim besitzt einen PWM-Anschluss, sowohl der Luftdurchsatz (jetzt 78 m³/h), als auch die Geräuschentwicklung (33,67 dB(A)) haben sich jedoch erhöht. Die Leistungsaufnahme des Lüfters beträgt 4,68 Watt.
Die Montage des Lüfters erfolgt mit Hilfe von zwei Metallbügeln. In den inneren Montagelöchern des Lüfters werden diese befestigt und der Lüfter dann am Kühler angebracht. Auch Lüfter mit einer größeren Einbautiefe können am Big Shuriken 2 befestigt werden, solange diese keine durchgängigen Stege an den Löchern besitzen. Eine Entkopplung des montierten Lüfters findet nicht statt, die Gesamthöhe des Kühlers steigt mit montierten Slip Stream Slim auf 58 Millimeter, mit einem 25 Millimeter hohen Lüfter wären es 71 Millimeter.

Die Montage

Was war die Montage des Big Shuriken dank der Push-Pins auf Intel-Systemen umständlich. Schwer zu erreichen machte dies gerade die Demontage zur Qual. Beim Big Shuriken 2 kommt nun das bewährte F.M.S.B.4-Montagesystem (Flip Mount Super Back-plate 4) zum Einsatz. So wird der Kühler bequem und sicher von der Rückseite verschraubt, ohne sich die Finger verrenken zu müssen oder sich ggf. am Kühler zu verletzen.
Während auf Intel-Systemen der Kühler frei ausgerichtet werden kann, können Anwender mit einem AMD-System den Kühler nicht wie abgebildet verbauen. Da der Kühler aber in beide Richtungen nahezu gleich viel Bodenfreiheit bietet, ist dies nicht weiter tragisch, Speicher mit hohem Heatspreader sollte aber vermieden werden. Die von Scythe empfohlene Ausrichtung ist die hier gezeigte jedoch nicht.
Die im folgenden gezeigte Ausrichtung ist die empfohlene und auch für AMD-System einzig mögliche Ausrichtung. Für den bestmöglichen Wärmetransport sollten die Heatpipes waagerecht verlaufen. Der Big Shuriken 2 wird dann aber auf nahezu jedem Mainboard die RAM-Bänke überragen, bei der Wahl des Arbeitsspeichers ist dies zu beachten.
Testaufbau & Testablauf

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- ASUS P6X58D-E
- Intel Core i7 920 @ 3400 MHz @ 1,25 Volt
- 3x2 GB Crucial Ballistix @ 1.363 MHz @ 1,64 Volt (7-7-7-24 2T)
- Palit GeForce GTX 470
- Enermax LibertyECO 620W
- Western Digital WD64001AALS-00J7B0
- LG HL-DT-ST GH22NS50
- Aquacomputer Aquaero 4.00
- mCubed T-Balancer BigNG + 4 digitale Sensoren
- Scythe Kaze Jyu Slim (Systemlüfter @ 12 Volt)

Der Testaufbau und -Ablauf sieht wie folgt aus.
Der Test der Kühler mit den Original-Lüftern erfolgt bei zwölf und fünf Volt, bei beiden Tests geben wir die Drehzahl mit an, mit der der Lüfter im Schnitt gearbeitet hat, diese runden wir in 25er-Schritten. Ausgelesen werden die Drehzahlen mit Hilfe des Aquacomputer Aquaero 4.0 (Review).

Die Vergleichstests mit einheitlichen Lüftern erfolgen mit Hilfe eines Scythe Kama Flex 1900. Diesen regeln wir mit einer Aquacomputer Aquaero 4.0 auf die Drehzahlen 1.850, 1.300 und 700. Unterstützt ein Kühler 140-Millimeter-Lüfter werden zusätzlich Testläufe bei 1.700, 1.200 und 700 Umdrehungen mit einem Noiseblocker NB-BlackSilentPro NB-PK3 getätigt.

Wir nutzen bei unseren Tests eine einheitliche Wärmeleitpaste, um auch hier etwaige Schwankungen ausschließen zu können. Zum Einsatz kommt hierfür Noctua NT-H1 (Review).

Jeder Kühler muss mit jeder der Konfigurationen mehrere Testläufe über sich ergehen lassen. Neu ist, dass wir die Kühler nur noch zur Rückseite des Gehäuses hin ausrichten. Für das Einheizen in den Last-Phasen haben wir uns für das Tool Core Damage entschieden. Protokolliert werden die Temperaturen der CPU mit dem Tool Core Temp 0.99.7. Die Temperatur der Umgebungsluft wird in einem Abstand von rund fünf Zentimetern vor dem Lüfter mit Hilfe von vier digitalen Sensoren eines mCubed T-Balancer bigNG gemessen.

Aus den in den Testläufen ermittelten Daten errechnen wir dann die durchschnittliche Temperatur des Prozessors in Abhängigkeit zur Umgebungstemperatur. Die Temperaturen werden immer als Differenz zur Umgebungstemperatur angegeben. Gemäß der Konvention machen wir die Angaben in Kelvin, wobei ein Kelvin einem Grad Celsius Temperaturdifferenz entspricht. Natürlich ist auch eine solche Datenmenge nicht vor Messtoleranzen gefeit und so sind trotz des getätigten Aufwandes Schwankungen im Bereich von 0,5 Kelvin bei den gemessenen Temperaturen möglich.


Wir möchten an dieser Stelle nochmals den Hinweis geben, dass die erreichten Temperaturen stark in Abhängigkeit vom genutzten System sind und auch auf ähnlichen Systemen abweichen können. Jedoch lassen sich die Kühler untereinander gut vergleichen, da alle die gleiche Grundlage für ihren Test haben.

Testergebnisse - Übersicht

Den Anfang bei unserer Testauswertung macht wie immer der Ergebnisvergleich. Hierbei werden alle erreichten Werte in einem Diagramm zusammengefasst, was einen guten Überblick darüber bringt, welche Lüfterbestückung oder Drehzahlen dem Kühler am besten liegen.


Auf unserem übertakteten Testsystem, bei dem der Prozessor eine Leistungsaufnahme von rund 180 Watt besitzt, hat der kleine Big Shuriken 2 stark zu tun. Drei von fünf Testläufen schafft der Kühler von Scythe dennoch, zur Überhitzung kommt es zudem nur beim 5-Volt-Test (da hier der Lüfter steht) und beim Betrieb mit unserem Referenz-Lüfter bei 700 U/min.


Test - Serienbelüftung mit zwölf Volt


Die maximale Drehzahl des Lüfters im 12-Volt-Betrieb liegt bei 2.025 U/min. Der Lüfter ist dann deutlich hörbar, liegt aber nicht nur deutlich vor dem Big Shuriken sondern auch noch vor dem Boxed-Lüfter und dem Noctua NH-C12P. Selbst der Xilence M608 Pro ist noch in unmittelbarer Schlagreichweite.

Test - Serienbelüftung mit fünf Volt


Mit einem stillstehenden Lüfter im 5-Volt-Betrieb und somit ohne Luftzug kann der Scythe Big Shuriken 2 den Prozessor nicht kühlen.

Test - Single-Referenz-Belüftung (Scythe Kama Flex)

Als erster Test kommt unser Referenztest mit der Single-Belüftung eines Scythe Kama Flex 1900.


1.850 Umdrehungen pro Minute



1.300 Umdrehungen pro Minute



700 Umdrehungen pro Minute



Eine kleine Überraschung schafft der Big Shuriken 2 von Scyhe im Vergleich mit dem Referenz-Lüfter. Über drei Kelvin liegt er bei 1.850 U/min nicht nur vor dem Big Shuriken, auch der zweite sehr flache Kühler, der Prolimatech Samuel 17, wird deutlich geschlagen. Aber selbst der Kabuto und der Grand Kama Cross aus eigenem Hause erreichen nicht die vom Big Shuriken 2 vorgelegten 51,3 Kelvin, sind aber auch eher für den Betrieb mit geringer Drehzahl ausgelegt. Dass der Big Shuriken 2 enorm von hohen Drehzahlen profitiert, ja diese bei einer solch hohen Abwärme zwingend benötigt, zeigen auch die beiden weiteren Diagramme. Schon die Reduzierung der Drehzahl auf 1.300 U/min sorgt dafür, dass der Kühler zwei Plätze abrutscht, bei 700 U/min reicht die Kühlleistung für den i7-920 bei 3.400 MHz dann nicht mehr aus. Wir müssen fairer Weise dann aber auch sagen, dass der Kühler für solche Systeme eigentlich nicht gedacht ist. Was aber eindrucksvoll gezeigt wurde ist, dass ein HTPC-System mit 60-, 70- oder 80-Watt-Prozessor für den kleinen Kühler kein wirkliches Problem darstellt.

Fazit

Auch der Big Shuriken 2 wird - wie alle Kühler von Scythe - in einer schlichten, aber ihre Zwecke erfüllenden, Verpackung ausgeliefert, welche zudem immer die wichtigsten Informationen des Produkts für den Käufer bereit hält. Der Lieferumfang ist überschaubar, beinhaltet aber alles, was zur Inbetriebnahme des Kühlers benötigt wird. Bei der Verarbeitung überzeugt der Big Shuriken 2 auf ganzer Linie, was auch an den verlöteten Lamellen liegt. Der Big Shuriken 2 gehört zu den kompaktesten Kühlern auf den Markt und ist vornehmlich für HTPC-System gedacht, dies unterstreicht er deutlich durch seine geringe Höhe, was ihn im direkten Vergleich mit "großen" Top-Flow-Kühlern natürlich leistungstechnisch ins Hintertreffen geraten lässt. Dennoch ist die Kühlleistung mit dem Original-Lüfter auch für leistunggstarke und somit auch hitzköpfige Prozessoren geeignet. Für HTPC- oder Office-Systeme bringt der neuste Spross von Scythe mehr als genügend Leistung mit und agiert zudem auch leiser, als der Original-Kühler von Intel. Erhältlich ist der Scythe Big Shuriken 2 ab rund 30 Euro.


Pro & Contra

Pro
+ gute Verarbeitung
+ sehr flache Bauweise
+ einfache Montage

Contra
- schlechte Kühlleistung bei niedrigen Drehzahlen


Award

Der Scythe Big Shuriken 2 bekommt für die erbrachten Leistungen unseren DeXgo-Bronze-Award.
DeXgo-Bronze-Award

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Scythe.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Mephisto verfasst.
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