» Artikel » How² do's » Wasserkühlung optimieren, Teil 2: Durchfluss

Wasserkühlung optimieren, Teil 2: Durchfluss


Einleitung

Im ersten Teil der Serie haben wir untersucht, was sich mit dem Austausch von Radiator und CPU-Kühler in einem WaKü-System an Temperaturvorteilen gewinnen lässt. Im heutigen, zweiten Teil der Serie widmen wir uns dem Durchfluss. Wir ersetzen die Pumpe und die Schläuche, um höhere Fördermengen zu erzielen und wollen untersuchen, ob sich damit auch die Temperaturen verändern.

Grundlagen

Zur Erinnerung: Im ersten Teil der Serie haben wir uns eine Budget-Wasserkühlung zusammengestellt, die unsere Testhardware kühlte. Hier die Übersicht des Systems:

Hardware
- Intel Core 2 Quad Q6600 Prozessor @ 3,2 GHz
- Asus P5E WS Pro Mainboard
- 2x 2 GiB OCZ Gold Edition DDR2 RAM
- Radeon HD 4850
- Corsair VX550 Netzteil
- Nanoxia FX-1250 Lüfter
- Antec Twelve Hundred

WaKü-Komponenten "Budget"
- Alphacool Nexxxos XP Light
- EK FC-4850
- Magicool Slim Triple 360 Radiator
- XSPC X2O 400
- 10/8 PVC-Schlauch


Wir ersetzten einzelne Teile und konnten feststellen, dass die Kombination eines EK Supreme CPU-Kühlers und dem Thermochill PA120.3 Radiator für die besten Temperaturen sorgte.
So sah das Testsystem mit dieser Konfiguration aus:
Dieses System bietet nun die Grundlage für unsere weiteren Verbesserungsversuche.

Pumpe
Um mehr Durchfluss zu erreichen ist es naheliegend, zu einer stärkeren Pumpe zu greifen. Wir ersetzen also die XSPC X2O 400 (Bild links) mit einer Laing DDC 1T+ (Bild rechts), einer der stärksten Pumpen, die in Wassergekühlten Computern eingesetzt wird.
Da die Laing DDC im Originalzustand sehr laut ist und wir außerdem die praktische Kombination von Pumpe und Ausgleichsbehälter nicht missen wollen, greifen wir zu einem Pumpenaufsatz. Wir entscheiden uns dabei für den Bitspower Mini AGB. Dieser Aufsatz bietet zwar nicht die höchst-mögliche Leistung, überzeugt aber mit gutem Zubehör, kompakter Größe und einem sehr angemessenen Preis.
Schlauch
Wie wir bereits in einem vergangenen Wasserkühlungs-Special (Video, Text) feststellen konnten, kann auch die Verwendung eines dickeren Schlauches wesentlich zu erhöhtem Durchfluss beitragen.

Wir ersetzen den 10/8-PVC-Schlauch aus der ursprünglichen Zusammenstellung durch 19/13-Masterkleer-Schlauch. Ausschlaggebend für den Durchfluss ist natürlich der Innendurchmesser, der in diesem Fall von 8 Millimetern auf 13 Millimeter erhöht wird.
Zusammen mit dem neuen Schlauch müssen auch neue Anschlüsse her. Wir nutzen für den größeren Schlauch EK Highflow-Tüllen (Bild links). Schlauchtüllen bieten im Gegensatz zu Schraubverschlüssen keine Sicherung gegen ein Abrutschen des Schlauches - eine zusätzliche Sicherung ist daher sehr empfehlenswert. Wir greifen für diesen Zweck zu Kunststoff-Schlauchschellen (Bild rechts), die zwar nicht sonderlich ästhetisch, dafür aber praktisch und günstig sind.

Resultate

Wir messen den erreichten Durchfluss mit jeder der möglichen Kombinationen der beiden Schlauchgrößen und der beiden Pumpen.



Auf den ersten Blick ist das Resultat genau wie erwartet: Die Laing DDC erzeugt mehr Durchfluss als die X2O 400 und der größere Schlauch steigert den Durchfluss ebenfalls.

Bei genauerer Betrachtung sind allerdings doch einige erwähnenswerte Details zu finden.

Schlauchgröße
Der Einsatz des größeren Schlauches steigert den Durchfluss um nur etwa 16 Prozent. Das scheint sehr wenig zu sein, konnten wir doch im WaKü-Special den Durchfluss um etwa 50 Prozent steigern. Der Unterschied fällt hier im Praxistest kleiner aus, weil die Schlauchwege sehr kurz sind. Insgesamt ist im Kreislauf kaum mehr als ein Meter Schlauch verlegt.
Wer also größere Kreisläufe hat oder längere Schlauchwege zu externen Komponenten legt, kann vom Schlauch-Upgrade auch etwas mehr erwarten.

Schlauch vs. Pumpe
Wir sehen auch, dass die Pumpe in jedem Fall eine größere Durchflusssteigerung zur Folge hat: Die Laing DDC mit dem schmalen Schlauch fördert immer noch mehr als die X2O 400 mit dem 19/13-Schlauch.

Gesamte Steigerung
Insgesamt wird der Durchfluss mit dem Upgrade von Schlauch und Pumpe nicht einmal verdoppelt. Die XSPC X2O 400 schlägt sich also leistungsmäßig ziemlich wacker.


Preisübersicht
Komponente:Preis:
XSPC X2O 40047,00 €
Laing DDC 1T+ (Swiftech MCP355)64,00 €
Bitspower Mini AGB Aufsatz25,00 €
10/8 PVC-Schlauch (2 Meter)2,40 €
10/8 Schraubverschlüsse (8 Stück)10,00 €
19/13 Masterkleer (2 Meter)8,00 €
EK Highflow-Tüllen (8 Stück)16,00 €
Schlauchschellen (8 Stück)6,80 €
Der Preisvergleich zeigt, dass ein Upgrade der Schläuche etwa 30 Euro kostet, während die neue Pumpe inklusive dem Aufsatz mit 89 Euro zu Buche schlägt.
Insgesamt kostet uns also der Schritt von 112 l/h im vorherigen System zu 190 l/h nach dem Upgrade fast 120 Euro.


Optik

Oft wird eine bestimmte Schlauchgröße nicht aus Leistungsgründen sondern hauptsächlich wegen der erwünschten Optik gewählt.

Hier eine Ansicht des Systems mit neuen Schläuchen und neuer Pumpe:
Die 19/13-Schlauchstücke lassen die zuvor verwendeten Schläuche spindeldürr aussehen. Dem einen wird das zusagen, während andere mit den "Wurstschläuchen" nichts anfangen können.
Anmerkung am Rande: Um die Verschlauchung einfacher zu gestalten, haben wir die Pumpe erhöht, indem wir kurzerhand zwei Lüfter darunter stellten. Für ein weniger temporäres System ließe sich hier sicherlich eine elegantere Lösung finden.


Temperaturen

Andere Optik und mehr Durchfluss mögen schön und gut sein, wir wollen aber natürlich auch wissen, wie es um die Temperaturen steht.
Die obere Grafik zeigt, wie sich die Kühlleistung des EK Supreme im Verhältnis zum Durchfluss zwischen 30 l/h und 210 l/h verhält, so wie es in diesem Roundup ermittelt wurde.
Wir sehen, dass sich von der Grundlage aus (112 l/h) schon nicht mehr viel gewinnen lässt. Dennoch müsste die Steigerung von 112 l/h zu 190 l/h für etwas mehr als ein Grad bessere CPU-Temperaturen gut sein.

Sehen wir uns nun an, wie es sich in der Praxis verhält.
Wer nochmals die genauen Testmethoden nachlesen möchte, findet diese hier aufgeführt.

Vorher
Nachher
Tatsächlich sehen wir eine Verbesserung der Werte - allerdings nur eine sehr kleine. Die CPU-Temperatur sinkt um nur 0,5 Kelvin, also deutlich weniger als die oben genannten Messungen erwarten ließen. Der Grund dafür ist recht einfach: Jede Pumpe erzeugt eine gewisse Menge Abwärme, die in den Kühlkreislauf gelangt. Die starke Laing DDC 1T+ erzeugt mehr dieser Abwärme als die X2O 400. Damit macht sie sich einen Teil des Temperaturvorteils, der mit dem höheren Durchfluss kommt, wieder zunichte.

Fazit

Das Fazit für den zweiten Teil der WaKü-Optimierungs-Serie fällt eher nüchtern aus. Während die größeren Schläuche und die stärkere Pumpe für deutlich mehr Durchfluss sorgen, wirkt sich dies nur minimal auf die Temperaturen aus - und bessere Temperaturen sind das, was wir mit der Optimierung erreichen wollen.
Dass die Auswirkungen so gering sind liegt einerseits an der Abwärme der stärkeren Pumpe, andererseits aber auch daran, dass die X2O 400 schon eine ganz anständige Förderleistung zustande bringt und unser Kreislauf nicht sehr groß und nicht sehr restriktiv ist. Wären hier mehr Kühlblöcke, mehr Hitzequellen und mehr Schlauch im Spiel, würde sich die Durchfluss-Optimierung vielleicht eher bezahlt machen. In unserem Fall müssen wir zum Schluss kommen: Knapp 120 Euro für neue Schläuche und eine stärkere Pumpe ausgeben? Ja, aber nur um der Optik und des Bastel-Spaßes willen, nicht für die Temperaturen.

Im dritten und letzten Teil der Serie werden wir weitere Detail-Änderungen vornehmen und überprüfen, was sich mit solchem Feintuning noch rausholen lässt.

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Aquatuning.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
Weitere Informationen findest du in diesem » Forum Thread