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OCZ Hydroflow HF-MK1 für Core i7 optimieren


Einleitung

Der Hydroflow CPU-Wasserkühler von OCZ ist ein sehr gut ausgestatteter und äußerst preiswerter Kühler. Leider mussten wir in unserem CPU Wasserkühler-Roundup aber feststellen, dass er auf dem Core i7 unserer Teststation keine befriedigende Kühlleistung an den Tag legt. In diesem Artikel versuchen wir selbst am Kühler Hand anzulegen, um ihn dem Core i7-Prozessor anzupassen.

Unsere Vermutung

Wie erwähnt und wie hier nachzulesen ist, hat der OCZ Hydroflow HF-MK1 beim Temperatur-Vergleich mit den anderen Kühlern ziemlich schlecht abgeschnitten. Normalerweise würden wir dem nicht weiter nachgehen, denn schließlich gibt es nunmal bessere und schlechtere Kühler und nicht jeder kann "gewinnen". Beim Hydroflow fiel uns aber bereits beim Auspacken des Kühlers etwas auf, was uns vermuten ließ, dass er auf einem i7 vielleicht nicht sehr gut abschneiden würde. Schauen wir uns dazu einmal die Unterseite des Kühlers an:
Die Bodenplatte dieses Kühlblocks ist blankpoliert und in der Mitte mit einer abgestuften, beziehungsweise erhöhten Fläche versehen. Der Sinn einer solchen Abstufung liegt darin, den Anpressdruck des Kühlers in der Mitte zu erhöhen. Oftmals ist der Heatspreader auf einer CPU leicht nach innen gewölbt, was zu ungenügendem Kontakt in der Mitte, dort wo die Prozessorkerne sitzen, führt. Dank der Abstufung wird ein Kühler wie der Hydroflow auch auf einem gewölbten Heatspreader idealen Kontakt haben, was zu besseren Temperaturen führt.

Das Problem an der Sache ist, dass der Hydroflow entwickelt wurde, bevor Core i7-Prozessoren erhältlich waren. Core i7-Prozessoren haben nicht nur insgesamt eine größere Fläche als die Core2-Prozessoren, auch der Die eines i7 ist gegenüber der Vorgänger-Generation deutlich vergrößert. Wir haben deshalb den Verdacht, dass die erhöhte Fläche am Kühlerboden des Hydroflow zu klein ist, um die Die-Fläche eines Core i7 komplett abzudecken und dies einer der Gründe für die schlechten Messwerte in unserem Test ist.

Maßnahmen

Nun ist es schön und gut, eine solche Vermutung aufzustellen, wie wir sie auf der vorherigen Seit erläutert haben, aber ob es wirklich zutrifft, wissen wir nicht. Wir wollen deshalb der Sache auf den Grund gehen und schleifen dazu die Abstufung an der Bodenplatte des Hydroflow plan. Die Bodenplatte lässt sich grundsätzlich auf die selbe Weise planschleifen, wie es zum Beispiel in diesem Artikel oder in diesem Video erläutert wird. Allerdings muss wegen der Abstufung enorm viel Material abgetragen werden. Um die langwierige Schleifarbeit etwas zu verkürzen, greifen wir deshald zu schwererem Geschütz:
Mit dem Dremel tragen wir eine ordentliche Portion des Kupfers ab. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten, denn es braucht nicht viel, um der Bodenplatte einen zu tiefen Kratzer zu verpassen, wonach wieder die ganze Fläche auf die Tiefe dieses Kratzers abgetragen werden müsste.

Nach der Grobarbeit mit dem Dremel spannen wir Schleifpapier der Körnung 150 auf eine Glasplatte und schleifen so die Fläche weiter ab.
Langsam (sehr langsam) aber sicher verschwindet die Abstufung. Die Körnung 150 stellt sich als bereits zu fein für dieses Unterfangen heraus, jedoch haben wir zum Zeitpunkt dieses Mods kein gröberes Schleifpapier zur Hand, also wird mit Geduld kompensiert (Bild links).
Als die Abstufung nach langem endlich komplett abgetragen ist, gehen wir zu zunehmend feineren Schleifpapieren über, bis wir den letzten Feinschliff mit 1200er-Körnung anbringen (Bild rechts).


Drei weitere Maßnahmen

Nach dem ersten Planschliff werden Testläufe mit dem Kühler gemacht. Danach versuchen wir drei weitere Verbesserungsmassnahmen:
Erhöhter Anpressdruck
Wir setzen kürzere Distanzhülsen ein, damit sich die Montageschrauben weiter eindrehen lassen. Dadurch spannen sich die Federn stärker und wir erreichen einen erhöhten Anpressdruck des Kühlers.
Kühlerfläche wölben
Wir setzen in der Mitte auf der Kühlstruktur einen O-Ring ein. Dadurch wir der mittlere Teil des Kühlerbodens stärker an den Deckel gepresst und es sollte daraus eine leichte Wölbung entstehen. Dadurch versuchen wir wieder, einen stärkeren Anpressdruck in der Mitte der Kühlfläche zu erreichen, einfach weniger extrem als mit dem abgestuften Boden.
Politur
Insbesondere Wasserkühlungs-Hersteller aus Amerika verpassen den Bodenflächen ihrer Kühler sehr oft eine Hochglanzpolitur. Wir können ihnen nicht ganz gleichtun, spendieren dem Hydroflow aber immerhin eine schöne Handpolitur und wollen sehen, ob sich dadurch etwas bei den Temperaturen tut.

Resultate

Wir haben mit der selben Tesmethode wie in unseren Wasserkühler-Roundups getestet. Genaueres zu Testmethode und Testsystem lässt sich hier nachlesen. Wir präsentieren in diesem Artikel gleich die zusammengefassten Resultate in Form der im Durchschnitt bei den Testläufen erreichten Temperatur.


Die Verbesserungsversuche



Die Maßnahmen sind nummeriert nach der Reihenfolge, in der sie vorgenommen wurden. Wie wir sehen, brachte das Planschleifen alleine keinen großen Vorteil. Die Ursache dafür ist aber schnell gefunden: Die Montageschrauben des Hydroflow sind so gestaltet, dass sie sich bis zum Anschlag in den Distanzhülsen auf dem Mainboard eindrehen lassen. Die Distanz ist natürlich so gewählt, dass ein passender Anpressdruck entsteht. Nun haben wir aber etwa einen Millimeter oder mehr des Kupferbodens abgetragen, wodurch sich der Anpressdruck deutlich verringert.
Sobald wie die Distanzhülsen ersetzen und somit einen stärkeren Anpressdruck erreichen können, sehen wir eine sehr deutliche Temperaturverbesserung. Das Wölben der Kühlerfläche verschlechtert dann die Temperaturen wieder etwas. Das mag daran liegen, dass unsere Test-CPU plangeschliffen ist und somit weniger als eine ungeschliffene CPU von gewölbten Kühlern profitiert. Die Politur der Kühlerfläche bringt keinen messbaren Vorteil. Die 0,1 Kelvin Unterschied, die sich bei uns ergeben, könnten eben so gut eine Zufallsschwankung sein.


Übersicht

Nun wollen wir noch sehen, wie sich der gemoddete OCZ Hydroflow im Vergleich mit unserem restlichen Testfeld schlägt. Wir vergleichen dazu den "Idealfall" des OCZ Hydroflow, mit plangeschliffener Fläche und erhöhtem Anpressdruck, aber ohne die weiteren Maßnahmen, welche keine Verbesserung brachten.



Die Kühlleistung des OCZ Hydroflow macht in unserem Testsystem satte 1,9 Kelvin wett und kann somit einige der Konkurrenz-Kühler überholen. Letztlich platziert es sich ungefähr auf einem Niveau mit dem Anfi-Tec eXFrs und dem XSPC Delta V3. Die Kühlleistung ist also genügend, aber nicht sehr gut.


Fazit

Der Hydroflow HF-MK1 wird auch nach unseren Verbesserungsversuchen nicht zum Wunderkühler, obwohl sich die Kühlleistung sehr deutlich verbessern lässt. Das Preis/Leistungs-Verhältnis verbessert sich durch die Modifikationen erheblich, weil sehr viel Arbeitsaufwand benötigt wird, geht aber auch dieser Vorteil wieder etwas unter.
Dieser Versuch zeigt jedoch auf, dass der OCZ auch auf einem Core i7 mehr potential hat, als das in unserem Roundup auf Anhieb schien. Wenn OCZ einen Hydroflow mit planer Kühlerfläche und vielleicht etwas optimiertem Innenleben veröffentlicht, könnte daraus durchaus ein Preis/Leistungs-Sieger unter den Core i7-Kühlern werden.
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Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von HESmelaugh verfasst.
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