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Was bringen Shrouds wirklich?


Einleitung

Radiatoren sind ein Kernelement einer jeder Wasserkühlung, je besser diese die Wärme an die Luft abgeben, desto kühler sind die Komponenten. Neben dem Radiator selbst beeinflussen zudem auch die eingesetzten Lüfter die Temperatur. Zuletzt auch Shrouds oder auf deutsch Lüftervorkammern versprechen eine Steigerung der Kühlleistung eines Radiators. Wir haben uns zwei ganz unterschiedliche Shrouds von Phobya sowie Thermochill zum Test besorgt. Was Shrouds wirklich bringen und welche Unterschiede es zwischen diesen gibt, klären wir in diesem Artikel.

Funktionsprinzip eines Shrouds
Der Shroud oder auch die Lüftervorkammer macht nichts anderes, als den Lüfter in einem gewissen Abstand vom Wärmetauscher zu fixieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Luft nicht seitlich entweichen kann. Der Zweck besteht in erster Linie darin, dass der tote Punkt hinter der Lüfternabe eliminiert wird (im Bild rechts gelb markierter Bereich). Durch den gegebenen Abstand kann sich der Luftstrom vom Lüfter aus verteilen und die gesamte Fläche des Radiators anströmen. Ein Nachteil der Vorkammer ist, dass der Radiator dadurch eine größere Einbautiefe aufweist.

Die Testkandidaten
Phobya-Shroud Plexi

Unser erster Testkandidat kommt von dem in der Zwischenzeit durchaus bekannten Wasserkühlungs-Hersteller Phobya. Der Shroud besteht komplett aus Plexiglas und ist mit seinen 20 Millimetern relativ dünn. Auf einer Seite ist der Phobya-Schriftzug angebracht.

Zwei LED-Bohrungen an zwei gegenüberliegenden Seiten ermöglichen das einfache Beleuchten der Shrouds. Der Lichteffekt ist eher als unauffällig zu bezeichnen, wobei in unserem Fall auch nur eine LED pro Shroud Verwendung fand. Zur Befestigung der Phobya-Lüftervorkammer sind Schrauben mit einer Länge von 60 Millimetern nötig, die sich nicht im Lieferumfang befinden.
Thermochill Performance Shroud PS120.4
Thermochill geht mit den Shrouds einen etwas anderen weg als Phobya, hier wird der Shroud aus einem kompletten Stück und aus Metall gefertigt. Die Befestigung geschieht an den langen Seiten per Schrauben. Der Thermochill Performance Shroud ist deswegen auch nur an Thermochill-Radiatoren verwendbar. Er erfüllt denselben Zweck wie die Shrouds von Phobya, nur ganz ohne Stege und unauffälliger.
Der Shroud von Thermochill ist mit 40 Millimetern doppelt so dick wie der Kandidat aus dem Hause Phobya, womit der gesamte Aufbau mit dem Radiator, Lüfter und Shroud insgesamt fast 12,5 Zentimeter dick ist. Leider schließt der Shroud an den Enden des Radiators nicht ganz dicht ab, wodurch Luft entweichen und sich gewollter Druck abbauen kann.

Testablauf & Testaufbau

Testablauf

Zum Testen von Shrouds verwenden wir einen dedizierten Kreislauf, der außer dem Thermochill TA120.4 und den nötigen Messinstrumenten nur eine Laing DDC -1T+, einen EK RES 150 Ausgleichsbehälter und ein Heizelement umfasst.
Es befindet sich ein Durchlauferhitzer im Kreislauf, der theoretisch 300 Watt Wärmeleistung ins Wasser abgeben kann. Die tatsächliche Hitzelast des Heizers erreicht nur knapp 250 Watt und kann über längere Zeiträume hinweg im Bereich von +/- 2 Watt schwanken. Vier analoge Temperatursensoren messen die Wassertemperatur. Zwei weitere analoge Sensoren messen die Temperatur der angesogenen Luft einige Zentimeter vor den Lüftern. Ein Aquaero 4.0 steuert die Lüfter und erfasst die Temperaturdaten.

Jeder Testlauf beginnt mit dem Einschalten des Heizers und dauert 30 Minuten. Es stellt sich jeweils nach einigen Minuten eine Maximaltemperatur ein, die sich fast ohne Schwankungen hält. Um Fehlerquellen auszuschließen, haben wir uns dennoch für einen relativ langen Testlauf entschieden. Die Temperaturen werden aus einem Messfenster berechnet, welches die letzten zehn Minuten des Testlaufs umfassen. Durch dieses lange Testfenster werden Ungenauigkeiten der Temperatursensoren so gut wie möglich ausgebügelt.

Als Lüfter kommen Gelid Solutions Wing 12 zum Einsatz, die unseren gesamten Drehzahlbereich von 400 bis 1600 U/min bewältigen. Für den Test der Shrouds ist zudem erwähnenswert, dass die Lüfternabe der Gelid-Lüfter einen Durchmesser von 25 Millimetern besitzt. Bei Lüftern mit einer kleineren oder größeren Lüfternabe kann das Ergebnis durchaus anders ausfallen.

Testaufbau

Unser Testsystem setzt sich wie folgt zusammen:
- Thermochill TA120.4
- Laing DDC -1T+
- Masterkleer Schlauch PVC 12,7/9,5mm
- 10-Millimeter-Tüllen G-1/4-Zoll
- EK Water Blocks EK-Multioption RES 150
- Digmesa FHKUC 70
- Aquaero 4.0
- 4x Analoger Wassersensor zur Messung der Wassertemperatur
- 2x Analoger Temperatursensor zur Messung der Umgebungstemperatur

Testergebnisse

1600 U/min


1200 U/min



400 U/min



Drehen die Lüfter 1600 Umdrehungen pro Minute, machen sich die Shrouds nur sehr geringfügig bemerkbar. Der Unterschied zwischen dem Radiator mit und ohne Shroud liegt innerhalb der Messtoleranz und ist somit zu vernachlässigen. Mit einer Geschwindigkeit von 1200 Umdrehungen pro Minute verändern sich die Temperaturen nur sehr gering. Auch hier zeigt sich der Thermochill-Shroud vor dem Phobya-Shroud. Bei 400 Umdrehungen pro Minute fällt der Unterschied größer aus. Bei dem Phobya-Shroud beträgt der Unterschied 0,4 Kelvin, wohin gegen sich der Thermochill Performance Shroud PS120.4, bedingt durch die Dicke, fast ein Kelvin absetzen kann.

Fazit
Eine wirkliche Empfehlung nach diesem Artikel ist schwer auszumachen. Vielmehr wollen wir noch einmal auf die Ausgangsfrage zurückkommen. Was bringt einem nun ein Shroud? Was die Kühlleistung angeht, lohnt sich ein Shroud erst, wenn besonders langsame Lüfter Verwendung finden. Bei schnell drehenden Lüftern, also gerade dann, wenn viel Leistung gebraucht werden würde, bringt die Lüftervorkammer einen kaum messbaren Vorteil. Besonders im Falle des Phobya-Shrouds, erweist sich eine Lüftervorkammer als ein wirklicher Hingucker. Thermochills Lösung dagegen fällt deutlich schlichter aus, zudem ist diese Variante auch nur auf diesem einen Radiator verwendbar, wohin gegen der Phobya-Shroud universell eingesetzt werden kann. Zuletzt ein sehr gewichtiger Punkt ist die Dicke der Shrouds. Phobya trägt hier nur mit knapp zwei Zentimeter relativ geringfügig auf, büst aber auch ein, was die Leistungssteigerung angeht. Der Thermochill Performance Shroud PS120.4 ist mit vier Zentimetern sehr dick, eine interne Montage ist da kaum mehr machbar. Neben der Größe der Shrouds ist auch der Preis eines der größten Kritikpunkte. Der Phobya-Shroud wird für 7 Euro angeboten, was für einen Quad-Radiator 28 Euro sind. Thermochill veräußert seinen Shroud für knapp 22 Euro, wobei sich dieser auch nur auf dem speziellen Radiator verwenden lässt. Einzelne 120-Millimeter-Radiatoren gibt es bereits ab 25 Euro, welche die Leistung noch einmal deutlich steigern sollten. Schlussendlich bleibt es also eher eine Design-Frage, ob man Shrouds verwendet. Eine wirklich große Leistungssteigerung bringen diese nicht wirklich mit.

Danksagung

Dieser Artikel entstand mit freundlicher unterstützung von Aquatuning und Phobya.

Weitere Informationen

Dieser Artikel wurde von Marc93 verfasst.
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