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Testmethoden, Resultate, Sinn und Zweck von Tests

HESmelaugh - 11.11.2008 - 17:50

Obwohl mein "Spezialgebiet" die Wasserkühlung ist und dieser Bereich vielleicht besonders vom Problem betroffen ist, poste ich das in der allgemeinen Abteilung, da es um Kühlung und Tests im Allgemeinen geht.

Wer sich die Testresultate im Wasserkühler-Roundup, Wärmeleitpasten-Vergleich oder auch einem oder sogar einem Lüfter-Test anschaut, wird schnell eine Gemeinsamkeit entdecken: Die Resultate liegen alle enorm nahe bei einander.
Konkreter: Die Lüfter bringen an einem Radiator Kühlleistungen, die sich um nur 1,1 Grad unterscheiden (beim verlinkten Test), obwohl die Drehzahlen von etwa 1800 bis etwa 2500 U/min reichen. Bei den CPU-Wasserkühlern drängen sich acht verschiedene Modelle in eine Spanne von nur 2,3 Grad und bei den Wärmeleitpasten besetzen die fünf Testkandidaten eine Spanne von nicht einmal einem Grad. Dies sind, wohlgemerkt, Tests an einem übertakteten Quad.

Im Hinblick darauf, dass ein zweites CPU-Wasserkühler Roundup geplant ist, stellt sich mir die Frage, ob hier nicht Handlungsbedarf besteht.
Wie viel Sinn macht es, nochmals acht bis zehn Wasserkühler durchzutesten um im Endeffekt festzustellen, dass sie in der Praxis alle gleich gut kühlen. Denn seien wir ehrlich: die meisten User werden nur einmal Wärmeleitpaste auftragen und den Kühler montieren. Die Varianz, die bei zwei verschiedenen Montagen des gleichen Kühlers entstehen kann, liegt bei einer guten Wärmeleitpaste und einem geschliffenen IHS bei etwa einem Grad. Dieses eine Grad macht in der Rangliste aus dem letzten Roundup den Unterschied zwischen dem ersten und dem dritt-letzten Platz aus. Wer also nicht mehrmals montiert und die erreichte Leistung penibelst testet, kann sich für "die Beste" Kühlleistung getrost unter den Top 10 der Besten Kühler umschauen (ich hab ja nicht alle getestet, die es gibt).

Eine Möglichkeit sehe ich darin, künstlich dafür zu sorgen, dass sich die Resultate streuen. Dazu würde zum Beispiel ein Heater mit 300W oder mehr Hitzeleistung gut sein. Ganz abgesehen davon, ob und wie sich sowas überhaupt realisieren lässt hat dies zwar den Vorteil, dass die Leistungsunterschiede deutlicher werden und die Resultate weniger anfechtbar sind, gleichzeitig entfernt es sich aber von der Praxis. Ein Heater ist kein Prozessor. Und wenn es im Test so scheint, als ob Kühler A 2 Grad bessere Temperaturen bringt als Kühler B wird der potentielle Käufer enttäuscht sein, wenn sich der neue, teure Kühler auf dem energie-effizienten Dual-Core genau gleich schlägt wie der alte.

Eine weitere Möglichkeit liegt für mich darin, möglichst auch andere Aspekte als nur die Kühlleistung zu beleuchten. Bei den Wasserkühlern teste ich die Kompatibilität zu verschiedenen Anschluss-Arten, zeige viele Bilder (die auch schön sein sollen), kommentiere die Montagefreundlichkeit etc.
Was liesse sich hier sonst noch aufzeigen? Was würdet ihr gerne in einem Test antreffen?

Bei den Lüftern wäre eine reproduzierbare Methode, die Lautstärke zu messen eine sehr gute Sache.
Was gibt es da sonst noch, was von Interesse wäre?

Und was findet ihr im Allgemeinen besser: Die Resultate verdeutlichen, auch wenn das heisst, sie "künstlich" zu streuen, oder lieber praxisnah bleiben, auch wenn dann letztlich kaum Unterschiede vorhanden sind?


Ich hoffe, dass auf diese Fragen ein paar Anregungen und Kommentare folgen.
In einer ähnlichen Form werde ich diese Fragen auch in anderen Foren stellen.

Danke für eure Mithilfe. :-)

Gruss,
Shane

Mephisto - 12.11.2008 - 7:30

Na dann werd ich hier mal den Anfang machen.

Natürlich ist es schwer die Unterschiede aufzuzeigen zwischen diversen Kühlern welche sich vom Prinziep her nur gering utnerscheiden. Mehr abwärme würde da mit Sicherheit helfen, aber wie du schon selbst festgestellt hat bringt es nichts ein Ceranfeld zu kühlen. Die erreichten Werte sind einfach so Praxisfern, dass diese nur theoretischen Nutzen haben.

Ich denke deine Frage sollte etwas anders formuliert sein, und zwar so: Werte Leser was wollt ihr? Praxisnahe Ergebnisse oder die geringsten Unterscheide aufgedeckt?

Ist ersteres der Fall kann deutlich aufgezeigt werden, dass gerade im Bereich der Wasserkühler die Performance nahzu identsich ist unter den Top10. Wird die zweite Antwort bevorzugt ist auch hier die Lösung eigentlich ganz leicht. Du kaufst dir eine besagte Cerankochplatte und baust den Kühler auf dieser fest. Smilie

Ernsthaft: Ich denke auch wenn die Ergebnisse dicht beieinander liegen sollte sich die Verlustleistung in den Tests schon recht nah an der Praxis befinden. Die Gründe hast du schon genannt: Was nützt es mir als Anwender, wenn ich weiß wie der Kühler bei 500 W kühlt wenn ich diese Werte nie erreiche. Klar es ist schön zu wissen, dass ich DEN besten Kühler besitze. Praktisch wird mich aber mehr die Handhabung und die Optik interessieren.
Ich persönlich brauche nicht den besten der besten Kühler sondern will den der für mich optisch ansprechend ist und gut in der Handhabung. Dazu zähle ich neben der Montage auch die Kompatibilität (dein Anschlusstest) und die Zerlegbarkeit für Reinungen. Ebenfalls der Lieferumfang ist mir da wichtiger als ein Kelvin Unterschied bei 400 Watt Verlustleistung.

So das war es erst mal von mir Smilie

luna-mortem - 12.11.2008 - 9:31

Ihr vergleicht ja nicht nur die Kühlleistung sondern auch die Optik, Verarbeitung und Preis. Und wenn ein Kühler für 30€ genauso gut kühlt wie einer für 75€ dann wäre das für mich ein Grund den billigeren zu nehmen.

Was ich damit sagen will, kommt in den Test ja nicht nur auf die Leistung an.

Und was die Frage mit der Praxis oder nicht angeht: Praxisnah bitte sehr !!!

Angosa - 12.11.2008 - 10:49

Ich hab mich erst mal zurück gehalten, aber melde mich jetzt auch mal zu Wort. Ich finde es (ich erlaube mir den Ausdruck ohne irgenjemand jetzt persönlich anzugreifen) schwachsinnig Test zu fahren die mit unserem Segment nichts zu tun haben. Es geht mir gar nicht mal darum, dass ich den Einwand nicht korrekt finde, aber somit nehmen wir auch ein bißchen die Hersteller aus der Pflicht. Unser Ziel ist es doch gerade den Produkten auf den Zahn zu fühlen und die Hersteller zu fordern: "Gebt uns mehr vom Besten".
Wenn es also so ist im Moment, dass sich ein 1 vom 3 Platz nur mit einem Delta von 1K unterscheidet, dann ist das vollkommen ok. Deutlicher muss dann eben gemacht werden, dass eben nicht mehr allein der 1 Platz das non plus Ultra ist. viel mehr muss dann klar gemacht werden, alle ersten x Plätze sind top Qualität. Wir würde man mit einem solchen "praxisfernen" Test dem Hersteller in meinen Augen mehrfach ins Bein schießen. 1 können wir im Moment nur extrapolieren wie sich die Küher außerhalb der bis jetzt gemessenen Werte verhalten. Es kann genauso gut möglich sein, dass ein guter Kühler ab einer gewissen Temperatur eben nicht mehr gut ist. Somit würde er im Testfeld absteigen. Klar muss aber sein, a) WOLLEN wir diese Temperaturen gar nicht erreichen und b) ist dann immernoch die Aussage da: Der Kühler ist für diesen Bereich wohlmöglich gar nicht konzipiert.
Auf der anderen Seite denke ich dann noch, wenn wir das Testfeld schon jetzt künstlich auffächern, und es kommt ein neuer Kühler, der wirklich einiges besser macht, dann ist der im Vergleich zu den anderen gleich exorbitant überbewetet.


Meiner Meinung nach sollte die Frage wirklich wie Luna schon gesagt hat eher lauten: Welcher Kühler bringt mir als Anwender das meiste und schohnt dabei noch meinen Geldbeutel. Denn eins ist klar, nicht jeder kann sich immer nur die Luxus-Marken leisten. Und wir wir uns ja selbst alle nur zu gut kenne, kaufen wir eh das, was am meisten Power zum kleinsten Preis bringt.

Ich denke das ist es was der großteil an Lesern auch schätzt. Praxisnahe und vor allem Gebrauchsnahe Tests die klar machen was man kaufen kann und wovon man am besten die Finger lässt, weil es entweder Qualitativ nicht gut ist oder einfach aus wirtschaftlichen Gründen im vergleich zu anderen Produkten einfach ein Fehlkauf wäre.

HESmelaugh - 12.11.2008 - 11:59

Danke für eure Rückmeldungen!

Wie ich sehe, tendieren die meisten zu praxisnahen Tests eher als zu "künstlich" gestreuten.

Dazu muss vielleicht noch folgendes ergänzt werden: Die Testresultate, so wie ich sie im letzten Kühler-Roundup gemessen habe, können den Herstellern gegenüber auch unfair sein. In den Daten ist Kühler A vielleicht um 0,2 Grad besser als Kühler B und, wenn andere Faktoren identisch sind, werden viele Leser vielleicht deshalb zum Kühler A greifen. Der Hersteller des "schlechteren" Kühlers kann jetzt aber sagen, dass das nur aufgrund des Messfehlers so aussieht. Ich versuche diesen zwar so gering wie möglich zu halten, eliminieren kann ich ihn aber nicht.
Wenn ich mehr Hitze erzeuge, um die Resultate zu streuen, so wird vielleicht tatsächlich ersichtlich, dass Kühler B gleich gut oder marginal besser ist als Kühler A, weil dann der Messfehler weniger ausmacht. Oder es kann ganz klar gezeigt werden, dass die Resultate korrekt waren.
Ausserdem (was in einem kommenden Artikel zu sehen sein wird) kann der Eindruck erweckt werden, dass ein Kühler kaum besser ist als andere, obwohl sich dieser bei höherer Auslastung deutlich von anderen absetzt.

In gewissem Masse wird das Problem, dass die Resultate Praxisfern sind, immer geben. Selbst die Resultate, die auf meinem, eher schwach übertakteten Q6600 erreicht werden sind nicht wirklich vergleichbar mit denen, die ein Benutzer eines E8400 erleben wird. Und die wenigen, die einen QX9770 oder sowas haben, sind wieder am anderen Ende der Skala schwer vergleichbar.

Ich tendiere momentan dazu, einen Core i7 für die nächsten Tests abzuwarten. Das erhöht die Hitze, bleibt aber bei der Praxis, da es sich dennoch um einen echten Prozessor und nicht ein reines Heizelement handelt.

Mephisto - 12.11.2008 - 12:25

Shane wenn es danach geht wird man es nie allen recht machen können. Wer (Firma) will findet immer etwas wo man dran zu meckern hat. Also denke ich wir (du) solltest dich hier an das orientieren was die Mehrzahl unserer "Kunden", die Leser, sehen wollen. Also mach dir da weniger einen Kopf über Leute die eventuell ein Problem haben.
Firma A wird meckern weil bei normaler Last der unterschied so klein ist. Firma B wird meckern wenn bei hoher Last (da Praxisfern) der Unterschied zu groß ist. Wie gesagt wie man es macht man macht es falsch ^^.

Gruß

HESmelaugh - 12.11.2008 - 12:43

Ja, da muss ich dir recht geben, Thomas.
Ich denke sogar, dass man es letztlich auch nicht allen Lesern recht machen kann. Was für den einen Praxisnah ist (bezahlbare Komponenten, "normal" übertaktet) ist für den anderen Praxisfern (Multi-GPU, über-CPU nahe an der Todesgrenze getaktet) und umgekehrt.

Trotzdem finde ich das bisherige Feedback schon sehr nützlich und ich glaube, dass ich einiges daraus ziehen kann.